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“Mord und Croissants” von Ian Moore

“Mord und Croissants” von Ian Moore
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“Mord und Croissants” von Ian MooreAls ich damit begann, “Mord und Croissants” von Ian Moore zu lesen, wusste ich bereits, dass dieses Buch der erste Krimi eines britischen Komikers ist. Dass Ian Moore mittlerweile mit seiner Familie als Engländer in Frankreich lebt, erfuhr ich durch die Autorenbiografie.

Noch während ich das Buch erstmals in den Händen hielt, freute ich mich also auf einen kurzweiligen Lesespaß mit Krimi-Charakter und wurde auch nicht enttäuscht. Trotzdem war mein Lesevergnügen ein ganz anderes als von mir erwartet. Warum dieser Kriminalroman auch etwas für all jene Leserinnen und Leser ist, die eigentlich keine Krimis lesen, dürfte euch nach dieser Rezension klar werden. Es ist nämlich ein Krimi der ganz anderen Art.

Ein Mord in der Idylle: “Mord und Croissants” entführt in ein französisches Dorf

Zunächst einmal spielt dieser Krimi nicht in einer großen Stadt, sondern in einem französischen Dorf. Hier scheint jeder jeden zu kennen und über den anderen alles zu wissen. Gleichzeitig lebt der Protagonist Richard Ainsworth hier keinesfalls als einziger Engländer im Ort. Warum er trotzdem ein eher zurückgezogenes Leben führt und sich mit großer Leidenschaft seinem Bett & Breakfast widmet, wird klar, sobald man Richard kennengelernt hat.

Bevor ich euch den reizenden Protagonisten vorstelle, möchte ich jedoch zunächst kurz darauf eingehen, warum es wichtig ist, dass dieser Roman in einem französischen Dorf spielt. Der Roman selbst spielt den Val de Follet und eigentlich fühlt sich Richard hier ganz wohl, seine Frau hingegen scheint sich nicht sonderlich wohl zu fühlen. Schließlich fährt sie selbst regelmäßig nach London um dort ein ganz anderes Leben zu führen als ihr Mann. Während sich Richard nach Ruhe sehnt (sie aber nicht bekommen wird), liebt seine Frau den Trouble der Großstadt.

Richard hingegen schätzt, dass im Val de Follet alle wichtigen Ereignisse am Morgen stattfinden. Dadurch hat er, der pensionierte und passionierte Filmhistoriker, schließlich den übrigen Tag Zeit in Erinnerungen zu schwelgen und alte Filme zu schauen. Das alles wäre in einer Großstadt kaum möglich.

Alte Filmklassiker: Pure Nostalgie in “Mord und Croissants”

Wo wir schon über Richard und seine Leidenschaft für alte Filme sprechen, kann ich an dieser Stelle auch gleich erwähnen, dass die alten Filmklassiker, die diesem Krimi erwähnt werden, tatsächlich die Geschwindigkeit in diesem Krimi ein wenig bremsen. Gleichzeitig geben sie dem Krimi aber auch etwas zurück.

So schaffen sie eine Atmosphäre, die ich in dieser Form noch in keinem anderen Krimi erlebt habe. Mich persönlich zwang dieser Krimi regelmäßig dazu für einen Moment inne zu halten und an die alten Filmklassiker zurück zu denken.

Da der Protagonist eine Vorliebe für die alten Klassiker hat, werden sie regelmäßig erwähnt und als Leserin habe ich dann natürlich prompt ein leises Schmunzeln auf den Lippen, dass es unmöglich macht, weiter zu lesen. Tatsächlich habe schon überlegt, ob ich mir die alten Klassiker auch noch einmal gönnen werde.

Nach diesem Buch wäre die perfekte Gelegenheit, um Filme wie “Vom Winde verweht“ oder “Casanova“ noch einmal anzuschauen oder ihre Romanvorlagen zu lesen. Das werde ich zu einem späteren Zeitpunkt auf jeden Fall noch einmal in Erwägung ziehen. Fakt ist aber, dass diese Filme in diesem Roman für Spuren von Nostalgie sorgen.

Eine weitere Tatsache ist aber auch, dass diese Klassiker zumeist nicht innerhalb weniger Stunden gelesen werden können, da sie selbst recht umfangreich sind und ihrerseits wiederum eine ganz besondere Stimmung und Atmosphäre kreieren. Für mich machen diese alten Filmklassiker den Krimi zu etwas besonderem, denn ich kann durchaus Richards Leidenschaft für gute alte Filme teilen.

Etwas verblüfft war ich aber doch, als ich feststellte, dass es Ian Moore gelungen ist, einige Szenen seines Krimis so zu schreiben, als wäre Richard Ainsworth nicht der etwas passiv erscheinende Protagonist dieses Buches, sondern würde seinerseits in einem Film mitwirken.

Als Leserin bin ich also gezwungen, mich zu entscheiden, ob ich so etwas wie ein Gemeinschaftsgefühl für Richard empfinde, weil er alte Filme liebt, oder ob ich ihn als zu passiv empfinde, um dieses Buch zu tragen. In meinem Fall ist es das Gemeinschaftsgefühl, das letztlich überwiegt.

Richard Ainsworth: Der charmante Antiheld von Ian Moores Krimidebüt

Dieses Gemeinschaftsgefühl trägt dazu bei, dass Richard, den wir als Leserinnen und Leser gemeinhin als Antiheld beschreiben würden, greifbarer wird, wenn wir uns auf seine Welt einlassen. Er interessiert sich nicht unbedingt für die Herausforderungen und Probleme der Gegenwart oder für Aufgaben und Fragen, die an ihn heran getragen werden. Er lebt nicht im Hier und Jetzt, sondern vielmehr in der Vergangenheit – wobei diese gleichgesetzt sein dürfte mit den von ihm so geliebten Filmen.

Dieses Abschweifen in die Vergangenheit macht es für Richard unfassbar schwer, sich den unvermeidbaren Fragen, die es rund um den verschwundenen Monsieur Grandchamps zu beantworten gilt, zu stellen. Dabei müsste er sich als Besitzer des Bed & Breakfast eigentlich für das Fernbleiben und Verschwinden seiner Gäste interessieren.

Dass er sich nun so gar nicht dafür zu interessieren scheint, macht ihn für mich zu einem nicht ganz einfachen Ermittler. Er ist mehr ein Ermittler wider Willen.

Ganz anders ist da Valerie, die mehr ist, als eine zweite Hauptfigur. Sie bildet den krassen Gegensatz zu Richard und baut somit nicht nur ein interessantes Spannungsgefüge auf. Für mich als Leserin dieses Romans bedeutet diese Spannungsgeflecht vor allem, dass die Figur des Richard interessanter wird. Gleichzeitig jedoch macht es deutlich, dass die Figur des Richard eigentlich nur durch äußere Einflüsse wirklich an Präsenz gewinnt.

Persönlich verstehe ich, dass er über das Ableben seiner Lieblingshenne alles andere als begeistert ist. Gleichzeitig finde ich es durchaus etwas seltsam, dass ihn das Leben seiner Mitmenschen so überhaupt nicht zu interessieren scheint.

Mit dem Ableben seiner Lieblingshenne entwickelt sich Richard jedoch weiter, er stellt fest, dass sein Leben im Vergleich zu dem Leben von Valerie langweilig ist. Ob das langfristig etwas an seiner Betrachtung der Welt verändert, werde ich euch an dieser Stelle nicht verraten, aber Fakt ist, dass hier das Spannungsgefüge zwischen den Handelnden noch einmal deutlich verstärkt wird.

Madame Valerie d’Orcay: Die mysteriöse Ermittlerin von “Mord und Croissants”

Valerie ist von Anfang an deutlich aktiver als Richard. Aus diesem Grund könnte ich nun behaupten, dass sie die eigentliche Protagonistin ist. Doch so ganz mag das für mich nicht zu treffen, denn obwohl sie die Aktivere ist, kann ich sagen, dass sie für mich gerade zu Beginn sehr geheimnisvoll wirkt, eigentlich weiß man zu wenig über sie, um sie als klassische Protagonistin einzustufen.

Im Verlauf der Geschichte ist sie es, die Richard immer stärker an ihrem Leben teilhaben lässt und ihn eigentlich in die Gesellschaft einbezieht, die er bereits seit Jahren kennt. Obwohl sie im Loire-Tal nur zu Gast zu sein scheint, hat sie es geschafft, sehr viel schneller einen Bezug zu allen in der Region aufzubauen. Ja, sie ist ein überaus liebenswürdige, sehr lebensbejahende Frau, die jede Gelegenheit beim Schopf ergreift, neue Erfahrungen oder Eindrücke zusammen.

Dabei ist es keinesfalls so, dass sie frei von Fehlern wäre, nur geht sie mit diesen offensiv und ehrlich um. Mir scheint es so, als hätte sie sich vorgenommen, eine typische Frau zu sein, die so handelt, wie man es von Frauen in den fünfziger oder sechziger Jahren gewöhnt ist, einerseits. Andererseits bricht sie diese Erwartungen regelmäßig, sodass man doch immer wieder über sie staunt. Auf diese Weise bleibt sie für mich als Leserin mysteriös.

Sie ist die Protagonistin mit den vielen Geheimnissen, sie treibt die Geschichte voran und bildet somit den Kontrast zum eigentlichen Protagonisten Richard, der hier eher als Antiheld wahrgenommen wird. Mir persönlich hat dieser Gegensatz sehr gut gefallen. Gleichzeitig muss ich feststellen, dass Valerie dauerhaft ihre Geheimnisse behalten wird.

Eine Auflösung, die überrascht: Das Finale von “Mord und Croissants”

Ian Moores Kriminalroman spielt nicht nur mit dem filmischen Genre, er orientiert sich bei allen Witz und Charme auch an den alten Klassikern, so findet die Auflösung des Falls um Monsieur Grandchamps ganz im Stil von Hercule Poirot, dem Meisterdetektiv Agatha Christies statt.

Meiner Ansicht nach gelingt es dem Autor damit sowohl die Fans klassischer Kriminalromane als auch solche Leser anzusprechen, die gar nicht gerne. Ja, man könnte sagen, dass das Finale und auch die Lösung des Falls durchaus überraschend sind. Wobei ich euch an dieser Stelle keinesfalls die Auflösung präsentieren werde, denn Lesen sollte dir diesen Finalroman auf jeden Fall selbst.

“Mord und Croissants“ von Ian Moore ist ein Krimi, der mich, obwohl ich lange gebraucht habe, um ihn zu lesen, durchaus überzeugen konnte. Ja, sogar mit der Auflösung hätte ich im klassischen Sinne nicht gerechnet.

Meiner Ansicht nach bietet dieser Roman einiges, von dem, was wir an alten Filmen und Romanen lieben. Trotzdem bringt auch gewisse Schwächen mit, denn ein Freund von echten Thriller und Spionageromanen würde hier vermutlich nicht auf seine Kosten kommen, da das Spannungsgeflecht im Jahr unterschwellig erscheint und die ganze Szenerie nicht nur ideal für diesen Krimi ist, sondern auch einiges Komisches bietet.

Ian Moores humorvoller Schreibstil: Lachen und Rätseln in einem

Fragt ihr mich nach meiner Meinung zum Buch, so kann ich euch versichern, es ist absolut lesenswert, allerdings ist es alles andere als ein klassischer Kriminalroman. “Mord und Croissants“ ist ein humorvoller Roman, im Stile eines mehr oder weniger klassischen Whodunnits, angereichert jedoch mit einer situativen wie ansprechenden Komik, die selbst Leser anzieht, die eigentlich sagen, dass Krimis nicht ihr Genre wären.

Der humorvoller Schreibstil des britischen Komikers Ian Moore erzählt natürlich einen Kriminalfall und doch lädt er mich als Leserin immer wieder dazu ein, herzlich zu schmunzeln und ab und an sogar in schallendes Gelächter auszubrechen. Ja, man könnte behaupten, dieser Kriminalroman bietet Lachen und Rätseln in einem und doch ist der glaube ich nichts für jedermann, denn meiner Meinung nach muss man sich auf dieses Buch einlassen. Denn tatsächlich gibt es einige Nebenfiguren, die so skurril sind, dass man sie auf den ersten Blick nicht unbedingt greifen kann.

Trotzdem hat jeder von ihnen eine durchaus liebenswerte Seite, die gleichzeitig so facettenreich ist, dass man das Gefühl haben könnte, einer vergleichbaren Figur schon einmal auf der Straße begegnet zu sein. Naja gut, vielleicht nicht unbedingt als Auftragsmörder, aber hier geht es weniger um die Aufträge dieser Personen, sondern viel eher um die Charakterzüge und denen könnte man in abgeschwächter Form durchaus auch schon einmal auf der Straße begegnet sein.

Tatsächlich muss ich zugeben, dass Ian Moore viele Charaktere in seinem Roman deutlich überzeichnet und sie gerade deshalb so komisch erscheinen. Ja, aufgrund dieses Humors kann dieses Buch nicht jedermann gleichermaßen ansprechen, und doch ist dieses Buch keinesfalls nur für Fans des Komikers geeignet.

Über den Autor Ian Moore

“Ian Moore ist ein bekannter britischer Comedian und trat in Fernsehshows und auf großen Stand-Up-Bühnen auf, bevor er begann, seinen origenellen Blick auf die Welt in Bücher zu verpacken und damit sehr erfolgreich wurde. Ebenso wie sein Held Richard lebt auch der Autor seit einigen Jahren im französischen Loiretal, gemeinsam mit seinen drei Söhnen, seiner Frau und einer lustigen Ansammlung wilder und weniger wilder Tiere. Mord & Croissants ist sein erster Krimi und stieg sofort auf die Times-Bestsellerliste ein.” (Rowohlt Verlag)

Perfekt für Fans humorvoller Kriminalromane und Frankreich-Liebhaber: “Mord und Croissants” von Ian Moore

Wer englischen Moor liebt, den klassischen Krimi ohne viel Blutvergießen schätzt, eine Vorliebe für alte Filme und das Loiretal hat, wird bei diesem Krimi voll auf seine Kosten kommen. Es empfiehlt sich allerdings, bei diesem Krimi auch einen gewissen Unterhaltung Faktor im Sinne von Humor einzuplanen, denn wer alle alten Filme kennt, wird über zahlreiche Dialoge Richards deutlich lachen können.

Ich als Lehrerin hatte teilweise das Gefühl, er selbst würde sein Leben wie in einem Film aus den fünfziger oder sechziger Jahren erleben. Gleichwohl sind es die überaus unterhaltsamen Situationen, die mich als Leserin, die für diesen Krimi ein wenig zu jung sein mag, gut unterhalten haben.

Ich persönlich fand den leicht tollpatschig anmutenden Charakter Richards zum Teil fast genauso komisch, wie die Art und Weise wie Martin und Gennie ihr Etablissement führen. Denn auch diese beiden Protagonisten stehen in einem deutlichen Gegensatz zum leicht angestaubt wirkenden Charakter Richards. Sie jedoch gehen in eine ganz andere Richtung als beispielsweise Valerie.

Meiner Ansicht nach dürften hier viele Leser auf ihre Kosten kommen, die ein gewisses Maß an Lebenserfahrung mitbringen, die Filme vielleicht selbst gesehen haben, als sie gerade herausgekommen sind oder vielleicht auch erst Jahre später. Meiner Meinung nach bietet sich dieser Roman auch an, wenn man selbst im Loiretal zu Gast ist und die französische Gastfreundschaft genießt. Tatsächlich hat man hier nämlich das Gefühl, sich stets ein wenig an der Seite von Richard und Valerie zu bewegen und so die Geschichte authentisch mitzuerleben.

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