Scott-Manson-Trilogie: „Der Wintertransfer“ von Philipp Kerr

Voraussichtliche Lesezeit: 4 Minuten.

Pünktlich zum letzten Gruppenspiel der deutschen Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft habe ich es geschafft, „Der Wintertransfer“ von Philipp Kerr zu beenden. Ein Drittel der Trilogie rund um Scott Manson ist also gelesen.

Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft

Ja, die Trilogie passt sehr gut zur Fußball-WM, da es sich bei diesem Krimi, der auf dem Cover als „Thriller“ angekündigt wurde, tatsächlich um einen Krimi für Fußballfreunde handelt. Fußball ist nämlich Scott Mansons halbes Leben und eigentlich hat er für nichts anderes wirklich Platz in seinem Herzen.

Dieses Buch ist zu Beginn ein wenig langsam, beschleunigt dann jedoch rasant und nimmt den Leser mit. Die Charaktere scheinen dabei tatsächlich aus dem Leben gegriffen zu sein, jedoch nicht ganz vorurteilsfrei. Insgesamt gefiel mir die Figuren-Ausgestaltung gut, auch wenn sie hin und wieder ein wenig in die Richtung eines Klischees abzurutschen droht. Ja, ich sage bewusst, sie droht abzurutschen, denn obwohl sie sich stets am Rande dieser Klippe befindet, hält Philipp Kerr mit seinem Schreibstil und der Darstellung der Figuren doch die Balance. Ja, es gibt Figuren, die eher zu den Klischees neigen, aber meiner Meinung nach spielt der Autor bei diesem Werk genau mit diesen Vorteilen.

Sprachlich ausgewogen bis derb

In einigen der vorangegangenen Leseeindrücke schrieb ich davon, dass dieses Buch eher etwas für Männer, denn für Frauen ist. Dies begründete ich mit der derben Sprache, die sich insbesondere in den Dialogen innerhalb der Fußballszene wiederfindet. Diese Derbheit scheint jedoch zum Teil in der Szene begründet zu sein, in der dieses Buch spielt und zum anderen sicherlich in der Gestaltung der zumeist hartherzig erscheinenden Figuren. Jeder einzelne von ihnen strotzt vor Ehrgeiz und drückt dieses zum Teil auch mit Nachdruck und ja einer gewissen Aggressivität aus.

Ein Krimi, der tief hinter die Kulissen blickt

Vom Spannungsverlauf her kann man dieses Buch sicherlich nicht als dauerhaft spannend beschreiben, vielmehr ist ein stetiger Wechsel aus Ruhe und Energie, Beschleunigung und Verlangsamung. Dieses Buch blickt dabei jedoch tief hinter die Kulissen des Profifußballs und man merkt ihm auch an, dass der Autor genau wusste, wovon er hier schrieb.

Nein, dieses Buch ist sicherlich nicht für jedermann geeignet, aber sowohl für Männer wie auch für Frauen, vorausgesetzt sie können mit einer gewissen Schärfe und Aggressivität umgehen. Gleichzeitig setze ich voraus, dass sich der Leser oder die Leserin für Fußball begeistern können muss, denn dann hat man einen wirklich angenehmen Krimi vor sich. Interessiert man sich hingegen nicht für Fußball oder kann mit der entsprechenden Schärfe nicht umgehen, dürfte einem dieses Buch ernsthafte Kopfschmerzen bereiten.

Ich kann dieses Buch somit nicht bedenkenlos empfehlen, aber sehr wohl jemandem, der sich, jetzt während der Fußball-WM, thematisch angemessen unterhalten will. Denn Philipp Kerr greift bei aller Fiktion zwecks Unterhaltung auch auf real existierende Ereignisse zurück und stellt sogar Themen der aktuellen Sportpolitik in den Mittelpunkt seiner Betrachtung.

Zum Teil eher ein Wirtschaftskrimi

Bei allem Interesse am Fußball und am Sport wird dieses Buch zum Teil auch ein Wirtschaftskrimi, denn um den Fall zu lösen, muss Scott Manson tief in die Machenschaften seines Vereins hineinschauen. Wen wundert es da, dass immer mal wieder ein wenig gemauschelt wird.

Ob sich derartige Ereignisse tatsächlich im Profifußball wiederholen oder ereignet haben, lässt sich nicht einwandfrei sagen, die dargestellten Aspekte scheinen jedoch nicht unmöglich zu sein und erwecken somit wiederum den Eindruck des Wirtschaftskrimis, der er nicht ist.

Über Philip Kerr

»Philip Kerr, geboren 1956 in Edinburgh, war New-York-Times-Bestsellerautor. Für seine Bestseller »Game over« und »Das Wittgensteinprogramm« wurde er u. a. mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Kerr war begeisterter Anhänger von Arsenal London. Er ist im März 2018 verstorben.« (Autorenbiografie)

Fazit

Mir persönlich hat dieser Krimi Spaß gemacht, sodass ich mich auf die Fortsetzung freue. Allerdings muss ich auch sagen, dass mich, nicht nur während der WM, für Fußball interessiere. Dennoch bleibt bei diesem ersten Teil der Trilogie noch Potenzial nach oben.

Ein Ausblick auf das heutige Gruppenspiel

In knapp 10 Minuten geht es also los, das letzte Gruppenspiel der deutschen Mannschaft bei der WM und es könnte, wenn es ganz schlecht läuft, das letzte Spiel der WM sein. Es hilft also alles nichts, wir müssen schon Daumen drücken, denn es handelt sich um ein potentielles Endspiel. Ich drücke also die Daumen und werde im Anschluss mit dem zweiten Teil der Trilogie beginnen.

Ich hoffe, dass wir weder von dem Spiel der deutschen Mannschaft enttäuscht sein werden, noch ich von der Fortsetzung des Buches. Wünschen würde ich mir, dass das Spiel heute mindestens 3:1 ausgeht. Natürlich für die deutsche Mannschaft. Dann hätten wir nämlich den Einzug ins Viertelfinale ohne fremde Hilfe geschafft. Alternativ müssen wir beim Spiel Mexiko gegen Schweden den Mexikanern die Daumen drücken. Wenn Schweden gewinnt, ohne dass wir unser Spiel mit mindestens zwei Toren Abstand gewinnen, wären wir ausgeschieden. Das hoffe ich heute Abend nicht.

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