„Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte

„Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte
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„Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte ist ein Roman, der Hoffnung verspricht und paradoxerweise im besetzten Paris der Jahre 1940 bis 1944 und in der Gegenwart spielt.

Diese Paradoxie ist jedoch nur auf den ersten Blick gegeben. Bei näherer Betrachtung erscheint es absolut logisch, dass die Protagonistinnen und Protagonisten dieses Romans Hoffnung haben. Sie hoffen darauf, ihr Leben irgendwann wieder aufnehmen zu können, so wie es vor der Zeit der Besetzung einmal war.

Es wäre gemein, jetzt zu sagen, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, doch als Leserin dieses Romans erfahre ich im parallelen Handlungsstrang bereits recht früh, dass die Freundschaft von Marie, Amiel und Geneviève am Zweiten Weltkrieg zerbrechen wird.

„Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte: die harte Probe einer Freundschaft

Die drei Freundinnen zeichnen sich dabei insbesondere durch ihre Unterschiedlichkeit aus. Gemeinsam hatten sie bis dato immer durch dick und dünn gegangen. Nun jedoch haben sie völlig unterschiedliche Voraussetzungen und blicken auf unterschiedliche Kriegsgeschehen.

Marie stammt aus einer angesehenen deutschen Familie, ist Lehrerin und steht auf eigenen Beinen. Während der Besetzung ist sie in die Résistance, oder auf gut Deutsch zum Widerstand gegangen.

Amiel ist entstammt einer jüdischen Familie, die ebenfalls vor Kriegsbeginn als angesehen galt. Sie ist Ärztin und will nichts anderes, als Menschen helfen. Aus diesem Grund flieht sie auch nicht selbst, sondern schließt sich ihrerseits ebenfalls dem Widerstand. Das birgt für sie eine gewisse Gefahr.

Geneviève ist nicht reich, wurde aber von Amiels Mutter Unterstützung gefördert. Sie hat sich ganz der Musik verschrieben und versucht, als Pianistin Karriere zu machen. Der Weg nach oben ist für sie gewissermaßen eine Herausforderung, aber eine, für die sie bereit ist zu kämpfen. Aus diesem Grund sympathisierte sie zunächst mit den Besetzern, da diese es ihr ermöglichen, weiterhin aufzutreten.

„Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte: historische Atmosphäre

Dass die Freundschaft von Marie, Amiel und Geneviève vor der atmosphärischen Kulisse des Zweiten Weltkriegs spielt, war für mich zugegebenermaßen eine echte Herausforderung, da ich normalerweise keine oder fast keine historischen Romane über diese Zeit lese oder höre.

Für Lea Korte habe ich aber bewusst eine Ausnahme macht, obwohl mir diese Ausnahme gerade in der aktuellen Zeit nicht leicht gefallen ist, denn die Freundschaft der drei Frauen lässt sich auf nahezu jeden Krieg übertragen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb kann ich sagen, dass Freundschaften gepflegt werden müssen und dass genau dieser Aspekt vor der kriegerischen Kulisse des Zweiten Weltkriegs gut herausgearbeitet wurde.

Somit kann ich sagen, dass bei diesem Roman stärker um Freundschaft als um die kriegerischen Handlungen geht und trotzdem ist dieser Roman emotional dicht mit den Entwicklungen des Zweiten Weltkriegs verknüpft. Für all jene, die derzeit versuchen einen Krieg auszublenden, mag es somit aktuell nicht die richtige Zeit für diesen Roman sein.

Auch ich selbst hätte diesen Roman normalerweise aktuell ein wenig nach hinten geschoben, aber Lea Korte und ihre Bücher begleiten mein mich und meinen Blog praktisch von Anfang an. Sei es „Die Maurin“ oder auch „Die Nonne mit dem Schwert„- ich habe die historischen Romane von Lea Korte immer gerne gelesen.

Also freute ich mich auch, als ich dieses Buch entdeckte mich Lea einige Zeit später selbst auf dieses Buch aufmerksam macht. Auch sie erinnerte sich noch an meinem Blog. Ein Kompliment nach über zehn Jahren.

Dass Lea Korte atmosphärisch dicht schreibt, wusste ich also bereits von ihren vorangegangenen historischen Büchern. Dass es so emotional werden würde, hatte ich dann trotzdem nicht erwartet.

„Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte: starke Kulisse

Was die Kulisse angeht, bin ich mir nicht sicher, ob sie deshalb so stark ist, weil es sich um Paris handelt, oder ob nicht er die gesamte Szenerie inklusive Atmosphäre dazu beiträgt, dass sich die Kulisse selbst als stark wahrnehme.

Fakt ist, dass ich das Gefühl habe, die drei Frauen durch das zerbombte und zerstörte Paris zu begleiten, auch diese Wahrnehmung der Kulisse macht diesen Roman überaus anspruchsvoll und sogar zu einer emotionalen Herausforderung.

Sprachlich lässt er sich gut lesen, doch die starke Kulisse zwingt mich dazu, diesen Roman immer wieder kurze Seite zu legen um mich in die Gegenwart zurückzuholen. Hier ist es Lea Korte gelungen, mich in eine Zeit zu entführen, bei der ich froh bin, sie selber nicht erlebt zu haben und bei der das daran erinnert werden dennoch so wichtig ist.

„Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte: willensstarke Charaktere

Dass es sich bei Marie, Amiel und Gigi um drei willensstarke Charaktere handelt, möchte ich an dieser Stelle noch einmal herausstellen, obwohl ich Euch die Geschichte jeder einzelnen Figur bereits weiter oben geschildert habe. Jede einzelne ist in ihrem Charakter durchaus stabil.

Genau dieser Aspekt ist auch, der für die drei Freundinnen zu einer echten Herausforderung wird. Gigi, die ihren eigenen Weg nicht verlassen möchte, sondern weiterhin auf der Bühne stehen möchte. Amiel, die nicht bereit ist, ein Leben auf der Flucht zu führen oder auch nur ihrem Beruf aufzugeben.

Zuletzt auch noch Marie, die nach dem Selbstmord ihres Bruders mit sich selbst hadert und gleichzeitig alles dafür tut um dem Tod ihres Bruders einen Sinn zu geben und genau aus diesem Grund dem Widerstand angehört.

„Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte: empathische Dialoge

Dialoge, so sagt man, stellen den Charakter von Figuren erst richtig heraus und tatsächlich ist es Lea Korte gelungen, die einzelnen Charakteren insbesondere durch ihr miteinander und ihre Dialoge noch einmal deutlicher herauszuarbeiten, als sie dies allein über die Handlung könnte.

In Dialogen, die in diesem Buch nicht zu kurz kommen, stellte die Beweggründe und Handlungsabsichten der Figuren dar. Das macht es mir als Leserin dieser überaus emotionalen Geschichte leichter, die einzelnen Figuren zu verstehen.

Manch einer sagte über das Buch, es wäre pathetisch. Ich persönlich fand es jedoch nicht unbedingt pathetisch, sondern eher etwas stur und eigensinnig. Jede der drei Freundinnen besitzt eine gewisse Sturheit oder besser gesagt Erfahrungen, die sich in der gegenwärtigen Gegenwart zeigen.

Auf diese Weise lässt sich über jede einzelne der Erfahrungen auch das Handeln der Figuren erklären. Mit Pathos oder gar Hochmut hat das ganze für mich wenig zu tun.

Im Gegenteil ich empfinde es als authentisch und benötige für diese Authentizität genau diese emphatischen Dialoge, die die Beweggründe letztlich offen legen.

„Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte: pure Emotionen

Alles in Allem muss man wohl sagen, dass der Roman vor allem mit den Emotionen des Lesers oder der Leserin spielt. Letztlich geht es uns in fast jedem Roman so, dass er in uns irgendein Gefühl weckt.

Im Fall von Lea Korte entstehen hier zwei oder vielleicht sogar drei Gefühle, die sich durch die gesamte Dauer des Buches ziehen. Zum einen gibt es da eine gewisse Grundmelancholie, die mit der Hoffnung einhergeht, dass alle drei am Ende überleben, da die Figuren zwar alle ihren eigenen Kopf haben aber für sich genommen überaus liebenswert sind.

Zum anderen entsteht irgendwo das Gefühl des Mitfieberns. Durch dieses wird uns deutlich gemacht, dass der Autorin gelungen ist, einen Spannungsbogen zu konstruieren, obwohl wir doch eigentlich genau wissen, wie das in der düsteren Zeit war.

Das dritte Gefühl ist eine Mischung aus in den Arm nehmen wollen und kräftig schütteln, wann immer die Figuren sich selbst um Kopf und Kragen bringen. In diesem Moment möchte man kurz einmal in das Buch hinein steigen, die eine oder andere bei den Schultern packen und fragen: „Mädchen, ist das jetzt wirklich Dein Ernst?“

Alleine diese Frage zeigt bereits, dass wir es mit Frauen von 20 oder vielleicht 25 Jahren zu tun haben, die zwar bereits ihren Platz im Leben gefunden haben, aber noch nicht ganz sicher im Sattel sitzen.

Über die Autorin Lea Korte

„Schon mit 12 wusste Lea Korte, dass sie später Romane schreiben will und noch heute ist das Bücherschreiben ihre große Leidenschaft. Bisher hat sie neun Romane bei Heyne, Lübbe, Aufbau und Droemer Knaur veröffentlicht, drei weitere Romane sind in Arbeit.

Außerdem bildet sie in ihrer Online-Akademie „Romanschmiede“ seit zehn Jahren sehr erfolgreich Autoren aus. Lea Kortes Liebe zu Frankreich und Spanien zeigt sich auch darin, dass sie dort immer wieder lange Monate mit Schreiben verbringt.

Paris ist ihre große Liebe und die Heimatstadt ihres Mannes. Frankreich war schon immer ihre große Liebe – die sie dann auch vor einen französischen Traualtar geführt hat.“ (Piper Verlag)

Fazit zu „Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte

Obwohl es sich bei „Morgen werden wir glücklich sein“ von Lea Korte um einen Roman handelt, der den Zweiten Weltkrieg thematisiert, habe ich dieses aufmerksam und bewusst gewesen und das obwohl ich selbst ja wenig Romane über diese Zeit lese.

Meiner Meinung nach ist es der Autorin gut gelungen, die Stimmung jener Zeit dieses Wechselbad der Gefühle aus hoffen und bangen einzufangen und doch bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich dieses Buch jedem gleichermaßen uneingeschränkt empfehlen kann, da ich weiß, dass Bücher wie diese Zeit einigen Menschen sehr schwer fallen.

Andere sind vielleicht mit dem Volk eines anderen Kriegs konfrontiert und möchten demnach nichts über eine kriegerische Zeit lesen. Aus diesem Grund kann ich den Roman nur all jenen empfehlen, die sich bewusst dafür entscheiden, einen Roman dieser Art zu lesen.

Meiner Meinung nach ließ sich dieser Roman ebenso gut lesen, wie Lea Kortes mittelalterliche Romane und doch muss man die Entscheidung für diesen Roman treffen, denn im Vergleich zum Mittelalter liegen die Ereignisse von 1940 nicht so lange zurück, dass sie mich auch noch Auswirkungen auf die aktuelle Generation haben können.

Treffen wir also bewusst die Entscheidung „Morgen werden wir glücklich sein“ zu lesen, sollten wir uns auf einen überaus emotionalen aber gleichzeitig auch authentisch Roman einlassen. Ich empfehle diesen Roman zu lesen, wenn man sich die Zeit nehmen kann, sich auf diese Geschichte einzulassen.

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