“Anonym” von Ursula Poznanski und Arno Strobel

Voraussichtliche Lesezeit: 8 Minuten.

Zu meiner Rezension von “Anonym” von Ursula Poznanski und Arno Strobel gibt es eine kleine Geschichte, die ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte. Aktuell liegt “Invisible” bei mir auf dem Nachttischchen bereit und eigentlich freute ich mich schon sehr aufs Lesen dieses Buches. Doch beim Blick auf den Klappentext fiel mir auf, dass es sich bei “Invisible” um den zweiten Teil der Reihe um Nina Salomon und Daniel Buchholz handelt. Über Amazon entdeckte ich dann, dass “Anonym” der Vorgänger-Band ist und ich ihn zuerst lesen sollte.

“Anonym” kaufen, leihen, streamen oder über audible hören?

Wie also erfahre ich etwas über diesen ersten Teil? Amazon empfahl mir “kindle jetzt kaufen!” Klar, aber brauch ich das?

Vielleicht also doch besser in einer Onleihe ausleihen? Ja, dass wäre eine Möglichkeit. Denn hier könnte ich es nachdem Lesen auch wieder zurückgeben. Obwohl, das wäre schon irgendwie schade, denn ich erwartete eine gute und spannende Geschichte, schließlich gehört Ursula Poznanskimit zu meinen Lieblingsautorinnen und auch von Arno Strobel habe ich schon viel Gutes gehört und sogar seinen Jugendthrillergelesen. Also doch kaufen?

Nein und wenn doch, dann lieber als Hörbuch. Denn bei Thrillern mit mehreren Perspektiven habe ich gute Erfahrungen mit Hörbücher gemacht.

Also, schnell bei audible geschaut, aber hier hatte ich leider gerade kein Guthaben frei und diesen Thriller gibt es sowohl in langer als auch in kurzer Fassung.

Welche Alternative blieb also? Im Gespräch mit einer Bekannten, riet sie mir es gebraucht bei medimops oder rebuy zu ordern. War das eine Alternative? Nein, denn eigentlich wollte ich ja sofort loslegen. Am Abend schickte mir dann besagte Bekannte einen Spotify-Link. Ohne etwas dazu zu sagen. Also habe ich einfach mal reingehört. Es handelte sich um die ungekürzte Fassung von “Anonym” und ich war über die Hörbuchfassung so erfreut, dass ich diese an nur einem Wochenende komplett gehört habe. Aber zum eigentlichen Teil, dessen, was ich euch hier erzählen wollte.

Inhalt

Stell dir vor, es gibt ein Forum in den verborgenen Teilen des Internets, im Dark Net, in dem du die Möglichkeit hast, eine Person deiner Wahl zum Tod zu nominieren. Daraus würde dann eine Liste erstellt mit potentiellen Kandidaten. Andere User würden für diese Nominierten abstimmen und am Ende gäbe es einen Sieger, einen der wenig später tot ist.

Grausam, ja, natürlich, aber für einige Nutzer des Forums “Morituri” auch der ultimative Nervenkitzel, denn Trajan, der Admin von Morituri würde doch nicht wirklich, oder doch? Doch schon bald gibt es den ersten Toten und alles deutet auf Trajan und das Morituri-Forum hin.

Daniel Buchholz nimmt die Ermittlungen auf und lernt während dessen Nina Salomon kennen, seine neue Kollegin, die gerade erst aus  Bremen nach Hamburg versetzt wurde. Gemeinsam folgen die Beiden den Spuren ins Forum, doch Nina hält sich nicht an die Regeln und kommt Trajan gefährlich nah. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn es geht längst um mehr als nur den Nervenkitzel, für Trajans Opfer und für die Ermittler geht es um Leben und Tod.

Stilistisch aus einem Guss

“Anonym” ist ein Buch, das von zwei Autoren geschrieben wurde. Dennoch wirkt es so, als wäre nur ein Autor im Schreibprozess  beteiligt gewesen. Wie also geht das? Sicherlich über ein gutes Lektorat, aber das dürfte nur ein Teil des Geheimnisses sein, denn auch die Struktur der Geschichte dürfte meine Wahrnehmung begünstigt haben.

Die Geschichte selbst wird aus zwei Perspektiven erzählt. Nina Salomon erzählt von ihren Eindrücken und Gesprächen, wohingegen Daniel Buchholz von seinen Eindrücken und Erlebnissen berichtet. Das beides ist natürlich schon unterschiedlich, aber kein Bruch in der Geschichte, sondern eine stilistische wie sinnvolle Ergänzung, denn die Figuren bekommen durch diese Differenzierung eine eigene Stimme. Ich vermute, dass hier auch die Unterscheidung der beiden Autoren eine Rolle gespielt hat. Vermutlich hat Ursula Poznanski die Perspektive der Nina Salomon übernommen und Arno Strobel erzählt aus der Perspektive von Daniel Buchholz.

Oder vielleicht auch andersherum? Nun, dass es sich für mich als Leser nicht so leicht identifizieren, aber für mich ist dieser Umstand ebenfalls ein Qualitätsmerkmal. Apropos Qualität, sicherlich auch von Vorteil gewesen, dass sich ein Autor auf die Gefühlswelt seiner Figur einstellen konnte, so konnte er richtig richtig in die seelische Tiefe seiner Figur abtauchen konnte. Möglicherweise entsteht durch diesen Umstand auch so etwas wie eine Vielschichtigkeit. Denn eines ist sicher, die Hauptfiguren, die in diesem Buch eine Rolle spielen, sind dreidimensional.

Figurenkomplexität der Hauptfiguren

Auffällig ist, dass die Figuren, die in dieser ersten Geschichte angelegt wurden, sowohl eine Vorgeschichte als auch eine Nachgeschichte haben. Das heißt, sie wurden sowohl von Ereignissen in ihrer Vergangenheit geprägt, als dass sie auch von der Gegenwart geprägt werden.

Tatsächlich gehe ich davon aus, dass in der Fortsetzung, dem zweiten Band der Reihe auf die Ereignisse des ersten zurückgegriffen werden. Dies ist insbesondere in der Idee begründet, sich die Figuren weiter entwickeln und das haben sie auch bereits im ersten Teil getan.

„Anonym“, das war kein Thriller nach Lehrbuch, „Anonym“ zeichnet sich insbesondere durch seine Komplexität der Handlung aus. Es ist ein hohes technisches Know-how von Seiten der Autoren nötig, um dieses Buch schreiben zu können und es für den Leser so einfach, wie lebendig und genial zu machen. Ja, „Anonym“ ist sicher kein Buch für Leser mit schwachen Nerven, aber allein, was die Figuren Komplexität ausgeht, zeichnete sich durch eine sehr hohe Lebendigkeit aus. Fast schon könnte man meinen, es sei möglich, die beiden Protagonisten irgendwo auf der Straße zu treffen, aber natürlich weiß man, dass hier tatsächlich alles Fiktion ist.

Spannung und Nervenkitzel von Anfang bis Ende

Obwohl man weiß, dass in dieser Geschichte alles Fiktion ist, spielen die beiden Autoren sehr wohl mit Realitäten und Möglichkeiten. Möglichkeiten, die es mir als Hörer oder Leser der Geschichte unmöglich machen, mich ihr zu entziehen.

Dieses „Was-wäre-wenn“-Spiel, ist so intensiv, gerade weil man nicht ausschließen kann, dass es tatsächlich irgendwo im Dark Net ein solches Forum geben könnte. Genau dieses Element dieses Mögliche ist es aber auch, was den Reiz der Geschichte ausmacht. Denn, obwohl sie natürlich frei erfunden ist, hoffe ich zumindest, ist es doch so dicht an der Realität geschrieben, dass man Zweifel an den technischen Möglichkeiten hegt.

Genau diese Zweifel sind es aber auch, die für den Leser oder Hörer zu einer psychischen oder nervlichen Belastungsprobe werden. Ganz davon abgesehen, dass auch Nina Salomon eine ganz schöne Nervensäge zu sein scheint. Einige Verhaltensmuster, die sie gegenüber ihren Kollegen zeigt, verweisen dabei auf so etwas wie eine Angststörung, die bei dieser Figur tatsächlich vorzuliegen scheint, ihre Motive bleiben jedoch lange im Dunkeln. Nach und nach entwickelt sich allerdings zwischen den Lesern oder Hörern und den Figuren einer Art empatisches Empfinden und man versucht, sich irgendwie mit ihnen zu arrangieren, bevor man sie schließlich nur noch in den Arm nehmen und wieder aufbauen möchte.

Ja, dieser Thriller ist von einer permanenten Spannung, ich möchte hier sogar von einer Anspannung reden, geprägt, die kaum einmal nachzulassen scheint und selbst in den scheinbar privaten Momenten unterschwellig verfügbar ist.

Über Ursula Poznanski

“Ursula  Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie war viele Jahre als Journalistin für medizinische Zeitschriften tätig. Nach dem Erfolg ihrer Jugendromane «Erebos», «Saeculum» und der Trilogie «Die Verratenen», «Die Verschworenen» und «Die Vernichteten» landete sie bereits mit ihrem ersten Thriller «Fünf» auf der Bestsellerliste. 2013 folgte «Blinde Vögel». «Stimmen» ist der dritte Fall des sympathischen Ermittlerduos Beatrice Kaspary und Florin Wenninger. Ursula Poznanski lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien.” (Autorenprofil)

Über Arno Strobel

“Arno Strobel, 1962 in Saarlouis geboren, studierte Informationstechnologie und arbeitete bis Anfang 2014 bei einer großen deutschen Bank in Luxemburg. Im Alter von fast vierzig Jahren begann er mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, die er in Internetforen veröffentlichte, bevor er sich an einen Roman heranwagte. 2007 erschien Arno Strobels erster Roman „MAGUS – Die Bruderschaft“, 2010 gelang ihm mit seinem Psychothriller „Der Trakt“ der Durchbruch. Seither zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Thrillerautoren, alle seine Romane sind Bestseller. Arno Strobel lebt mit seiner Familie in der Nähe von Trier.” (Autorenprofil)

Die Umsetzung als Hörbuch

Natürlich ist auch für ein Hörbuch die Geschichte selbst wie ein Motor, der angetrieben wird. Die Spannung ist dabei im Buch im Hörbuch wichtig. Trotzdem oder gerade deshalb kommt es aber auch auf den Sprecher oder in diesem konkreten Fall auf die Sprecher an.

Christiane Marx und Sascha Rotermund sind dabei keinesfalls Neulinge in der Welt der Thriller. Beide habe ich auch schon in anderen Hörbüchern als Sprecher erleben dürfen und dennoch blieben beide hier ein wenig hinter meinen Erwartungen zurück. Dies lag keinesfalls in der Tatsache, dass sie schlecht gelesen haben, nur hatte ich für beide Figuren andere Stimmen erwartet.

Einzig die Stimme von Richard Barenberg hatte ich tatsächlich mit seiner Rolle über einbringen können. Dies lag aber vor allem in der Tatsache geschuldet, dass er es geschafft hat, seine Szene noch greifbarer zu machen. Leider bin ich mir nicht ganz sicher, ob der Eindruck der ersten beiden Sprüche in der Tatsache geschuldet ist, dass ich das Hörbuch in großen Teilen eben am Computer gehört habe. Möglicherweise hätte ein anderer Lautsprecher mit einem anderen Bass durchaus noch mehr aus der Geschichte herausholen können. So fand ich die Sprecher leider wenig lebendig.

Hörprobe

Vielleicht habt ihr ja Lust einmal selbst in die Hörprobe hinein zu hören, zu diesem Zweck habe ich euch den Spotify-Player einfach unterhalb dieser Rezension eingerichtet.

 

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"Anonym" von Ursula Poznanski und Arno Strobel
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