„Der Holländer“ von Mathijs Deen

„Der Holländer“ von Mathijs Deen
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„Der Holländer“ von Mathijs Deen ist ein Roman, der das Gefühl von Weite und Freiheit vermittelt. Gleichzeitig zeigt dieser Roman aber auch die Grenzen des Einzelnen auf. Dass sich dieser Wattwanderungsroman auch Krimi-Elemente besitzt, macht diese auf den ersten Blick zarten Roman voller unberechenbarer Natur, zu einem Krimi, in dem es vorwiegend um Beobachtung geht.

Hätte ich gleich zu Beginn gewusst, dass „Der Holländer“ die scheinbare Gegensätzlichkeit versöhnen und verbinden kann, hätte es vermutlich nicht derart lange gedauert, bis ich mich mit diesem Roman beschäftigt hätte.

„Der Holländer“ von Mathijs Deen: Wattwandern – ein berauschendes Gefühl

Man sagt, während man wattwandert, würde man die Natur ganz anders erleben. Sie richtig kennenlernen. Vielleicht ist deshalb das Wattwandern so beliebt bei den Touristen an der Nordsee.

Tatsächlich ist das Wattenmeer ein großes Naturschutz-Gebiet in das man nicht ohne einen Führer hineingehen sollte, da es gewisse Gefahren birgt. Man kann im Wattenmeer ertrinken und wenn man es durchwandert, während die Flut zurückkehrt, dann wird es richtig gefährlich.

Für viele Tiere bietet das Wattenmeer einen unnachahmlichen Lebensraum, den man schützen sollte um die dort lebenden Tiere zu erhalten. Von Wattwürmern, Seehunden und Möwen bietet das vor allem eine gefühlt schier grenzenlose Weite, Ruhe und eine salzige Luft, die die Nase und die Gedanken freipustet.

Diese Mischung aus Freiheit und Gefahr ist es möglicherweise auch, die den Reiz des Wattenmeeres ausmacht und in diesem Fall drei Wattwanderer ins Watt gehen lässt, davon zwei gemeinsam, aber nur zwei zurückkehren lässt.

Genau mit diesem Reiz liebäugelt und spielt auch dieser Roman und macht den Adrenalinschub durch das Wattenmeer zu wandern richtig greifbar. Gleichzeitig jedoch ist es ein verhältnismäßig ruhiger und entspannter Kriminalroman, der dazu einlädt, mal wieder Urlaub in den Nationalparks des Wattenmeeres zu machen.

Dies macht diesen Roman vielleicht auch zu einem guten Begleiter, wenn man wieder einmal Urlaub an der Küste plant, dabei ist es ganz gleich, ob es an der deutschen Nordseeküste ist oder an der holländischen.

„Der Holländer“ von Mathijs Deen: Der Zusammenhalt einer Mannschaft

Da man sich auch im Watt verlaufen oder verletzen kann, kommt es hier sowohl bei den Ermittlern als auch bei den Opfern des Watt Zwischenfalls darauf an, dass es einen Zusammenhalt gibt. Wurde bei den Ermittlern lediglich ein Kompetenzgerangel gibt, ist das Problem der Wattwanderer auf den ersten Blick größer, denn einen Kumpel im Bad zurückzulassen, dass geht gar nicht.

Auch die Rettungseinsätze, sind nur als Team möglich, denn nur als Team können Sie so interagieren, dass ihnen am Ende gelingt, den Einsatz erfolgreich zu beenden. Dabei geraten die Gezeiten dann fast in Vergessenheit. Glücklicherweise aber nie ganz, denn ansonsten würde es sehr gefährlich.

Für diesen etwas ungewöhnlichen Sommerkrimi bedeutet das aber auch, dass stets eine leise Gefahr mitschwingt um gleichzeitig der Wunsch, mehr erfahren zu wollen, als das, was man derzeit bei.

Ein Wattwanderer macht allein eine Tour in der Nähe von England (Aron Reinhard), zwei andere (Klaus Symrna und Peter Lattmann) sind zwischen dem deutschen Festland und Borkum unterwegs. Nur einer der beiden  (Peter) kehrt am Ende auf Borkum ein und gerät in Verdacht einen Mord  am anderen (Klaus) begangen zu haben.

Ob er wirklich Schuld am Tod seines Freundes hat, kann man zu Beginn nur erahnen, er selbst bestreitet seine Schuld. Stattdessen schildert er den Unfall in vielen Einzelheiten, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen oder gar Gefühle zuzulassen.

Emotionen sind das Gegenteil vom rationalen Handeln und könnten im Wattenmeer den Tod bedeuten. Gab es möglicherweise genau einen solchen Zwischenfall? Oder gibt es am Ende eine ganz harmlose Erklärung für all das?

„Der Holländer“ von Mathijs Deen: Nichts als Weite

Eine Besonderheit des Wattenmeeres ist sicherlich auch, dass es einem das Gefühl von Freiheit vermittelt und genau das scheint auch der Grund, warum es bei vielen Extremsportlern oder Extremwanderern so beliebt ist.

Wer dem Blick in die Ferne schweifen lässt, kann man Wattenmeer bis zum Horizont blicken wird nicht anderes sehen als Wattenmeer. Uns als Leserinnen und Leser dieses Romans vermittelt dieser Roman genau durch diesen Eindruck eine gewisse Sehnsucht, die Nordsee mal wieder zu erleben.

Ich persönlich war als Kind nicht nur einmal an der Küste, habe selbst schon einmal eine Wattwanderung gemacht und kann sie daher nur empfehlen, aber am besten in geführter Form, denn dann ist es erlaubt und sicher. Die grenzenlose Weite lässt sich so auf jeden Fall noch ein wenig besser nachvollziehen, als nur durch den Roman.

Wer also gerade eine Reise an die Nordsee plant, ist mit diesem Roman als Begleiter gut aufgestellt, er bietet sich allerdings insbesondere für all jene an, die das Wattenmeer schon einmal wahrhaftig erlebt haben.

„Der Holländer“ von Mathijs Deen: ein eher leiser Roman

Das Cover versprach einen Roman voller Weite und Ruhe und genau das ist auch, was diesen Roman auszeichnet: das Gefühl von grenzenloser Freiheit. Wer allerdings glaubt, dass es sich hierbei einen langweiligen Roman handelt, der irrt.

Denn durch den Leichenfund die Rekonstruktion des was passiert ist mit einer stetigen, unterschwelligen aber stets präsenten Spannung durchlaufen. Nach diesem Leichenfund möchte man praktisch stets wissen, was es zu wissen gibt. Wer ist der Tote, was zeichnet ihn aus? Wie kam es zu dem tragischen Tod?

Die Tatsache, dass ein Toter im Watt gefunden wurde, ließ mich gleich an die erste Episode von Mamma Carlotta denken. Im Vergleich zu „Die Tote im Watt“ von Gisa Pauly ist „Der Holländer“ aber vergleichsweise ruhig.

Dieser Umstand sorgt aber auch dafür, die beiden Romane wirklich miteinander vergleichbar sind, denn wo Gisa Paulys Urlaubskrimis lebendig und farbenfroh erscheinen, erscheint der Krimi von Mathijs Deen ruhig wie das Wattenmeer und schroff wie die See.

„Der Holländer“ von Mathijs Deen: klare Sprache

Dass der Autor über eine gute Beobachtungsgabe verfügt und diese in eine schnörkellose klare Sprache übersetzt, unterstreicht, das Flair, dass diesen Krimi auszeichnet. Es verstärkt sowohl die leisen Töne als auch die unverstellte Rauheit der See. Beide Charakteristika erscheinen in diesem Buch so ausgewogen wie der Wechsel der Gezeiten von Ebbe und Flut.

Dieses Wechselspiel ist innerhalb dieses Romans stark herausgearbeitet worden und gewissermaßen merkt man, dass sich der Autor selbst mit den Gezeiten auskennt. Ihm gelingt es aber auch emotional dieses Gezeitenspiel aufzugreifen und seine klare ausdrucksstarke Sprache dafür zu nutzen, das Gefühl von Freiheit, Kraft, aber auch von Verletzbarkeit und Gefahr herauszuarbeiten.

„Der Holländer“ von Mathijs Deen: ein Roman, der in der Gegenwart spielt

Dass es sich bei „Der Holländer“ um einen Roman handelt, der in der Gegenwart spielt, mag ungewöhnlich sein, letztlich ist es jedoch vor allem ein wenig überraschend. Trägt dieses auf den ersten Blick stilistische Konzept, den Roman in der Gegenwart zu schreiben, etwa zur Spannung bei?

Ja, so ist es auf jeden Fall, denn letztlich essen wir so nicht mehr als die Ermittler oder die Wandernden. Somit erfahren wir immer genau das, was auch die Figuren wissen und das, obwohl es in der dritten Person geschrieben wird.

Es handelt sich um einen personalen Erzähler und nicht um einen auktorialen. Somit haben wir natürlich keine Inneneinsichten, aber genau dies lässt bis kurz vor Ende die Frage offen, was denn jetzt eigentlich passiert ist. Den Todesfall selbst erleben wir nämlich auf den ersten Seiten keinesfalls mit, sondern stattdessen den Leichenfund.

Mit Zeitungsartikel und Twitter-Beiträgen wir uns der Todesfall ebenfalls näher gebracht, sodass wir als Leser zwar einerseits außen vor bleiben, aber trotzdem immer mehr über den Todesfall und die Toten erfahren.

Wir persönlich haben vor allem die szenischen Betrachtungen gut gefallen, bei denen man das Gefühl haben konnte, man wäre selbst anwesend. Letztlich ist es doch ein wenig anders, ob man einen Twitter-Beitrag, einen Zeitungsartikel oder eine Szene liest.

Vielleicht ist „der Holländer“ von Mathijs Deen nicht unbedingt leichte Kost, aber genau das richtige, wenn man gerade einen Urlaub an der Küste macht.

„Der Holländer“ von Mathijs Deen: eine literarische Betrachtung

In vielerlei Hinsicht ist „Der Holländer“ ein literarischer Roman, der eben auch einen gewissen Anspruch besitzt, der sprachliche Ausdruck ist offen, aber ebenso sachlich wie nüchtern. All dies lässt mich eher von einer literarischen Betrachtung von außen reden, denn von einer Nähe zu den Charakteren.

Als Leser bleibe ich in vielerlei Hinsicht außen vor und erleben nur durch die Dialoge mit, was die Figuren denken und wodurch ihr Handeln möglicherweise geprägt ist. Betrachtet man diese Besonderheit ein wenig genauer, so könnte man den Eindruck erhalten, dass dieser Roman ein wenig reserviert erscheint.

Tatsächlich jedoch dürfte er ebenso sehr für die Einsamkeit oder die Ruhe stehen, die beim Wattwanderer entsteht. Somit entsteht durch dieses Buch auch eine interessante Selbstwahrnehmung, ohne dabei eine Wattwanderung mit zu machen. Die neu gewonnene eigene Betrachtung wirkt durchaus einige Zeit nach.

Über den Autor Mathijs Deen

„Mathijs Deen, geboren 1962, ist Schriftsteller und Radioproduzent. Er veröffentlichte Romane, Kolumnen und einen Band mit Kurzgeschichten, der für den renommierten AKO-Literaturpreis nominiert war. 2018 wurde ihm für die literarische Qualität seines Werks der Halewijnpreis verliehen.“(mare verlag)

Fazit zu „Der Holländer“ von Mathijs Deen

Ein eher literarischer Urlaubskrimi, der einen gleichzeitig entspannen lässt, hatte ich bei „Der Holländer“ von Mathijs Deen erwartet. Dass er so mitreißend die Kulisse thematisiert, konnte ich hingegen nicht erwarten.

Bleiben die Figuren dabei blass? Nein, denn die Figuren zeichnen sich durch ihre Dialoge und ihre Gegensätze ebenso aus, wie dies durch die Kulisse selbst dargestellt wird.

Allerdings muss man wohl sagen, dass dieser Roman einen durchaus hohen Anspruch besitzt, bei dem es sich nicht unbedingt um einen klassischen aber sehr wohl um einen Krimi handelt.

Dies zeigt sich vor allem in der Tatsache, dass eine Leiche gibt und dass ermittelt wird, ansonsten erhält dieser Roman, der er vordergründig ist, aber seine gewohnte Ruhe und Gelassenheit, die man so wohl nur im Wattenmeer erleben kann.

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