“Lilly gehört dazu” von Irmgard Partmann und Laura Bednarski

„Lilly gehört dazu“ von Irmgard Partmann und Laura Bednarski
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“Lilly gehört dazu” von Irmgard Partmann und Laura Bednarski ist ein Bilderbuch für Kinder ab 5 Jahren, das kindgerecht Trisomie-21 erklärt. Vorgestellt wurde mir dieses Bilderbuch als ein Bilderbuch über Inklusion.

Trisomie-21 wurde früher auch als Down-Syndrom bezeichnet und gehört zu den bekanntesten Gendefekten. Kinder, die Trisomie-21 haben, sehen ein wenig anders aus und weisen auch ein Entwicklungsdefizit auf.

Trotzdem ist es ihnen möglich, einen Kindergarten ebenso zu besuchen wie ein nicht behindertes Kind. Trotzdem ist ihre Entwicklung natürlich ein wenig anders, sonst würden sie nicht als gehandicapt gelten.

Als ich von dem Bilderbuch “Lilly gehört dazu“ hörte, wurde ich neugierig und wollte dieses Bilderbuch vorstellen, denn auf Basis der Inklusion, ist es wichtig, dass es auch Bilderbücher gibt, die Behinderungen kindgerecht vorstellen.

“Lilly gehört dazu”: Nur wenig über die Behinderung, viel über die Einschränkung

Tatsächlich erfolgte die kindgerechte Vorstellung eines Kindes mit Trisomie-21 in diesem Buch irgendwie unvollständig, denn meiner Meinung nach ist es durchaus möglich, einem Kind näher zu bringen, was eine Behinderung ausmacht.

Bei diesem Buch jedoch wirkt es so, als wollte man nur darstellen, dass auch diese Kinder liebenswürdig sind. Für mich steht diese Frage jedoch gar nicht im Raum, denn meiner Meinung nach lernen Kinder heutzutage bereits im Kindergarten oder sogar früher, dass es normal ist, auf andere Menschen zu treffen, die ein wenig anders sind.

Trotzdem finde ich die Aussage an sich natürlich nützlich, hätte mir jedoch selbst gewünscht, dass weniger stark auf die Einschränkungen und dafür vielleicht ein bisschen mehr auf die Besonderheiten eingegangen worden wäre.

Menschen mit Trisomie-21 gelten als überaus herzliche, meist fröhliche, aber eben auch etwas sture Persönlichkeiten. Somit könnte man sie in diesem Bereich tatsächlich als sozial talentiert bezeichnen. Denn Menschen mit dieser Besonderheit können auf andere zugehen. Letztlich könnte man also sagen, dass Menschen mit Trisomie zu uns und unserer Gesellschaft dazu gehören.

Dies kann auf den ersten Blick etwas überschwänglich wirken, ist aber meiner Meinung nach etwas, das man Kindern erklären kann, um ihnen Ängste vor der Andersartigkeit zu nehmen.

Für mich persönlich stellt sich die Frage, ob die Andersartigkeit, die hier als eine Einschränkung dargestellt wird, nicht durchaus in einigen Bereichen auch Vorteile bietet. Damit meine ich jetzt nicht, dass man sich wünschen sollte, ein Kind mit Trisomie-21 zu bekommen, sondern vielleicht eher, dass man sich nicht zwangsläufig gegen ein solches Kind entscheiden muss.

Wie bei jedem anderen Kind gibt es auch bei Kindern mit Trisomie-21 große Unterschiede.

Tatsächlich hängt bei Kindern mit dieser Einschränkung viel davon ab, wie und in welcher Form sie gefördert wurden. Natürlich verschwindet die Behinderung nicht. Diese Kinder haben natürlich auch im Erwachsenenalter noch ihre Besonderheiten, aber ganz ehrlich, muss ich mir die Frage stellen, ob nicht jeder Mensch seine individuellen Besonderheiten mitbringt.

Jeder von uns hat seine Stärken und Schwächen, aber genau das hat dieses Bilderbuch leider nur unzureichend herausgearbeitet. Mir fehlt ein wenig die Substanz des Themas.

“Lilly gehört dazu”: Aus der Schwester-Perspektive

Die Geschichte über Lilly wird aus Sicht ihrer Schwester erzählt. Diese ist gefühlt etwas jünger als Lilly, geht aber bereits in die Schule. Gleichzeitig verbringt sie mit ihrer Schwester Lilly eine ganze Menge Zeit, so wie das in einer ganz normalen Familie ebenfalls üblich wäre.

Vielleicht ist es dieser Perspektive geschuldet, dass die Kinder, die sich dieses Bilderbuch anschauen, wenig über die Hintergründe der Behinderung erfahren, aber viel darüber, was Lilly alles nicht kann.

Im Gegensatz dazu zeigt es aber auch, dass es einiges gibt, was Lilly sehr gut kann, ohne dabei aber auf die Behinderung und ihre Besonderheiten einzugehen.

“Lilly gehört dazu“: ein Bilderbuch über ein besonderes Kind

Bilderbücher über Kinder mit Besonderheiten gibt es selten. Auch dies war ein Grund, warum ich ausgerechnet dieses Bilderbuch hier vorstellen möchte. Auf den ersten Blick gefallen mir nämlich die Illustrationen von “Lilly gehört dazu“ ausgesprochen.

Auch die Geschichte erscheint gelungen, wäre eine Ergänzung mit Hintergrundinformationen auch noch da gewesen, hätte ich dieses Buch wirklich empfehlenswert gefunden. Bei diesem Buch jedoch fehlt mir ein zusätzlicher Abschnitt für die Eltern.

Denn gerade in der heutigen Zeit kann ich mir vorstellen, dass viele Eltern dieses Bilderbuch kaufen, um ihren Kindern zu erklären, warum sich ein Kind in der Nachbarschaft oder im Kindergarten oder der Schule möglicherweise ein wenig anders entwickelt.

Doch dafür wäre nicht nur die Perspektive der Schwester und der Hinweis auf die Liebenswürdigkeit dieser Menschen hilfreich gewesen, sondern möglicherweise auch ein kleiner medizinischer Hintergrund, der den Eltern etwas an die Hand gibt, sodass es ihnen leichter fällt, den Kindern die Besonderheit zu erklären.

Ich spreche hier nicht davon, dass man einen Fachtext hätte schreiben müssen, der sich nur an die Eltern richtet, sondern vielleicht verdeutlicht, dass man durch ein Kind mit Einschränkungen im Freundeskreis oder in der Gruppe oder Klasse keine eigenen Einschränkung und Nachteile hat.

“Lilly gehört dazu”: Leider nur wenig über Inklusion

Hätte man “Lilly gehört dazu“ als ein Bilderbuch über eine Familie mit einem behinderten Kind angekündigt, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, an dieser Stelle zu sagen, dass es mir zu wenig um Inklusion geht.

Tatsächlich jedoch muss ich diese Einschränkung nun vornehmen, denn Lilly wird in diesem Bilderbuch nicht als Teil einer Gruppe dargestellt, sondern als Teil ihrer Familie. In einer Familie gewöhnt man sich aber an die Besonderheiten, die jedes einzelne Familienmitglied mitbringt.

Hätte man Lilly auch als Teil einer Gruppe gezeigt, hätte man zeigen können, wie gut Inklusion auch bei Trisomie-21 gelingen kann. In einigen Fällen zielgleich, in anderen eher zieldifferent. Man hätte darauf kommen können, dass Kinder mit Trisomie-21 genauso vielseitig und vielschichtig sind, wie nicht behinderte Kinder auch.

Aufgrund des fehlenden Gruppenaspekts fehlt mir hier jedoch der Bezug zur Inklusion.

“Lilly gehört dazu”: kindgerechte Sprache und starke Illustrationen

Da mir die Geschichte als solche ausgesprochen gut gefallen hat, möchte ich hier auch noch kurz etwas über den Stil der Erzählung und Illustration sagen.

Irmgard Partmann ist es gelungen, Lillys Geschichte aus Sicht ihrer Schwester so kindgerecht zu erzählen, dass ich selbst diese Geschichte durchaus als kindgerecht betrachte. Sie ist warmherzig und liebevoll, herzlich und lebendig. Es ist eine Geschichte über die Familie, die hinter einem Kind mit Behinderung steht.

Diese Lebendigkeit, das Warmherzige und Liebevolle wird noch einmal durch die Illustrationen unterstrichen. Die ausgewählten Farben unterstreichen die Lebendigkeit, mit der Lilly am Leben ihrer Familie teilnimmt.

Für mich ist es schön zu sehen, dass Lilly in ihrer Familie so genommen wird, wie sie ist. Wollte man dies zeigen, ist es überaus gelungen, möchte man wirklich den Inklusionsgedanken aufzeigen, so müsste man möglicherweise über eine Fortsetzung nachdenken.

Diese könnte dann zeigen, wie Lilly gemeinsam mit ihrer Schwester den Kindergarten besucht hat oder in die Grundschule geht. Meiner Meinung nach wäre eine Fortsetzung, die zeigt, inwieweit der Alltag eines Kindes mit Behinderung sich von dem eines nicht behinderten Kindes unterscheidet, sowieso sinnvoll.

Fazit zu “Lilly gehört dazu“

“Lilly gehört dazu“ ist ein Bilderbuch für Kinder ab fünf Jahre, das zeigt, dass auch Menschen mit Behinderung überaus liebenswerte Persönlichkeiten sind, sie aber auch genauso ihre schlechten Tage haben, wie andere nicht behinderte Menschen auch.

Trotzdem bin ich mir nicht ganz sicher, ob der Titel tatsächlich zu seiner Handlung passt, da Lilly bislang immer nur als Teil ihrer Familie betrachtet wird, nicht aber als Teil einer größeren Gruppe. Vielleicht wären ja weitere Bücher hilfreich.

Für wen wurde “Lilly gehört dazu“ geschrieben?

Die Frage, für wen dieses Buch geschrieben wurde, lässt sich einerseits ganz einfach beantworten, andererseits jedoch auch etwas umfangreicher. Geschrieben wurde dieses Buch für Kinder ab fünf Jahre, aber auch für Eltern, die ihren Kindern Toleranz und Nächstenliebe erklären möchten.

Wer darüber hinaus allerdings erwartet, dass die Kinder die Besonderheit eines Kindes mit Trisomie-21 kennen und wissen, was bei diesen Kindern anders ist, der sollte möglicherweise zu einem anderen Bilderbuch greifen.

Wer sein Kind darauf vorbereiten möchte, dass in der Kita-Gruppe oder der Grundschulklasse ein Kind mit besonderen Bedürfnissen sitzt, sollte dieses Buch zum Anlass nehmen, um mit seinem Kind ins Gespräch zu kommen, sich aber auch noch einmal nach einer kindgerechten Erklärung der Einschränkungen umsehen, denn an dieser Stelle ist mir dieses Buch einfach nicht deutlich genug.

Aus diesem Grund muss ich abschließend noch einmal hervorheben, dass ich es wichtig fände, wenn es mehr Bücher dieser Art gäbe, die vielleicht mit unterschiedlichen Schwerpunkten unterschiedliche Situationen und Besonderheiten beleuchten.

“Lilly gehört dazu” ist ein Buch, das einen Einstieg bieten kann, jedoch meiner Meinung nach mehr als das sein sollte. Wer seinem Kind die Angst vor dem Anderssein nehmen möchte, sollte zulassen, dass es sich mit Kindern, die anders sind, beschäftigen kann, diese im Alltag erlebt und offen mit ihnen umgeht.

Letztlich sollte es allerdings nicht darum gehen, die Behinderung in den Mittelpunkt zu stellen, sondern den Austausch und das Miteinander. Tatsächlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kinder sehr offen mit Dingen umgehen, die auf den ersten Blick anders erscheinen.

Diese Offenheit sollte man fördern, indem man den Umgang und Austausch miteinander fördert. Oftmals scheint es nämlich so, dass Eltern viel mehr Sorge darum haben, etwas falsch zu machen, etwas nicht bedacht zu haben oder nicht besorgt genug gewesen zu sein. Vielleicht sollte man also eher den Eltern die Berührungsängste nehmen, als den Kindern.

Genau hierfür kann “Lilly gehört dazu“ ein guter Anlass sein, denn meiner Meinung nach ist Familie ein gutes Beispiel dafür, dass Behinderung irgendwann normal ist.

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