Als ich damit anfing, “Lichterzauber in New York” von Mary Kay Andrews zu lesen, hätte ich nicht damit gerechnet, wie abwechslungsreich und vielfältig die Kunden sind, die an einem Stand für Tannenbäume ihre Weihnachtsbäume kaufen. Mary Kay Andrews ist für ihre Weihnachtsromane bekannt, das wusste ich, aber auch dass ich bislang kein Buch der Autorin gelesen habe.
Mit knapp über 300 Seiten ist die Geschichte nicht sonderlich umfangreich. Dass sie mich bereits nach den ersten Seiten so gut unterhält, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte, hatte ich so nicht erwartet, aber auch das gerade die kurzen Kapitel sehr einladend erscheinen.
Die Unterschiedlichkeit von Geschwistern: Kerry und Murphy, die Betreiber des Weihnachtsbaumstands
Als Kerrys Mutter Birdie ihre Tochter Kerry Clare Tolliver um einen dringenden Gefallen bittet, ahnt diese nicht, dass dieser Gefallen zunächst ihre ganze Weihnachtszeit und schließlich sogar ihr ganzes Leben gehörig auf den Kopf stellen würde.
Da ihr Vater schwer erkrankt ist, ist es ihm diesem Jahr unmöglich, seinen Sohn Murphy, mit Spammy, dem Wohnwagen nach New York zu begleiten. Sein Ausfall könnte das Ende der Tolliver-Plantage für Weihnachtsbäume sein. An seiner Stelle soll nun Kerry ihren Bruder begleiten, die Dienste des Vaters übernehmen und die Familie auf diese Weise unterstützen.
Obwohl sie sich die Adventszeit ein wenig entspannter vorgestellt hatte, fügt sie sich und begibt sich gemeinsam mit Ihrem Bruder auf die große Fahrt von den Südstaaten nach New York an den Big Apple.
Als aufmerksame Leserin bemerkte ich schnell, dass Kerry und Murphy, die seit der Trennung der Eltern unterschiedlich aufwuchsen, auf den ersten Blick nur wenig verbindet. Gemeinsamkeiten, die die beiden Geschwister einander näher bringen könnten, erkenne ich auf den ersten Blick keine.
Sie, die zarte und feinfühlige Künstlerin, er der robuste starke Holzfäller und Farmer. Doch auf Geheiß ihrer Eltern raufen sie sich zusammen und bringen ihre jeweiligen Fähigkeiten am Weihnachtsbaumstand mit ein.
Der Traum vom Big Apple
Vermutlich stellen sich viele Leserin und und Leser dieses Buches das Leben in New York als einen Traum vor. Ich selbst hatte diese Vorstellung nicht. Stattdessen stelle ich mir das Leben in New York stressig vor und glaube, dass der Wohnraum dort genauso knapp ist, wie in jeder anderen Großstadt weltweit.
Trotzdem machte mich “Lichterzauber in New York” neugierig, da ich die weihnachtliche Lichterdeko sehr heimelig und einladend finde. Einen echten Lichterzauber gab es dann aber doch irgendwie nicht, stattdessen erwarteten mich die turbulenten Aktivitäten der Großstädter während der Adventszeit und die Möglichkeit zu erleben, wie sich Kerry mehr und mehr angekommen fühlt.
Sie knüpft zahlreiche Bekanntschaften und sogar einige Freundschaften. Mir als Leserin machen die Entwicklungen, dass das Leben in New York weniger anonym ist, wie man meinen könnte, wenn man sich auf das Leben der anderen und das Leben mit anderen einlässt. Als Leserin blickte ich so ein wenig hinter die Kulissen und lernte neben Kerry und Murphy auch noch Heinz, Austin, Patrick und zahlreiche weitere Figuren kennen und auf eine skurrile Art auch lieben.
“Lichterzauber in New York”: Protagonisten mit Herz, Verstand und Tiefe
Ohne euch zu viel zu verraten, sage ich euch, dass hier ein Puzzleteilchen ins andere greift, da es neben klassischen Nebenfiguren auch solche Figuren gibt, die eine Hintergrundgeschichte haben, die sich mir als Leserin erst im Verlauf des Romans offenbart.
Mary Kay Andrews gelingt es, mich mit einer Leichtigkeit zu überraschen, die vermutlich daher kommt, dass ich die vorherigen Bücher der Autorin nicht kenne, sondern “Lichterzauber in New York” mein erster Weihnachtsroman der allseits beliebten Autorin ist. Tatsache ist, dass die relevanten Protagonisten in diesem Roman weitaus vielschichtiger aufgebaut sind, als man dies anfangs für möglich hält.
Jede einzelne Figur erscheint zu Anfang warmherzig und herzlich. Die tiefgründigen Aspekte, die mich als Leserin wirklich überzeugen konnten, kann ich euch an dieser Stelle nicht vorweg nehmen, ohne euch den Spaß beim Lesen zu nehmen. Was ich euch allerdings vorweg sagen kann, ist, dass die in der Vergangenheit liegenden Beweggründe der Protagonisten authentisch, emotional und nachvollzierbar erscheinen.
Der Alltag als Weihnachtsbaumproduzent und -verkäufer
Neben den empathischen Hintergrundgeschichten erfahre ich ganz nebenbei auch einiges über den Alltag als Weihnachtsbaumproduzent und Weihnachtsbaumverkäufer. Da sich die Autorin auch hier die Mühe gemacht hat, diese Szenen authentisch darzustellen, kämpfen Kerry und Murphy hier mit alltäglichen Herausforderungen.
Zu Beginn verkaufen sich die Bäume eher schleppend. Dann gibt es günstigere Konkurrenz und schließlich stellt auch der Alltag im Wohnwagen eine Herausforderung dar. Persönlich freute ich mich hier sehr über die Authentizität, mit der die Protagonisten – und ich spreche hier bewusst nicht nur von Murphy und Kerry – Lösungen für diese Herausforderungen suchen und schließlich auch gemeinsam finden.
In diesem Roman geht es häufig um Freundschaften und um den Zusammenhalt und letztlich auch darum, dass man gemeinsam für jedes Problem eine Lösung findet und schließlich einfach besser zurecht kommt.
“Lichterzauber in New York”: lebendig und authentisch, aber nicht kitschig
Wer sich bei diesem Roman auf einen warmherzigen und winterlich anmutenden Weihnachtsroman gefreut hat, wird mit Sicherheit nicht enttäuscht. Als Leserin begleite ich ich Kerry nämlich durch die New Yorker Vorweihnachtszeit.
Kerrys und Murphys bereits weiter oben herausgearbeiteten vielschichtigen und gegensätzlichen Charaktere werden auch sprachlich und atmosphärisch herausgearbeitet. Sie zeigen sich vor allem in überaus lebendigen Dialogen. Ihre Gegensätzlichkeit zeigt sich vor allem im Gespräch miteinander, wohingegen sie ihre Stärken situativ oder im Gespräch mit anderen nutzen.
Über die Autorin Mary Kay Andrews
“Mary Kay Andrews wuchs in Florida, USA, auf und lebt mit ihrer Familie in Atlanta. Im Sommer zieht es sie zu ihrem liebevoll restaurierten Ferienhaus auf Tybee Island, einer wunderschönen Insel vor der Küste Georgias. Seit ihrem Bestseller »Die Sommerfrauen« gilt sie als Garantin für die perfekte Urlaubslektüre.” (Fischer Verlage)
Fazit zu “Lichterzauber in New York” von Mary Kay Andrews
“Lichterzauber in New York” von Mary Kay Andrews bietet mir als Leserin eine gute Gelegenheit in die vorweihnachtliche Stimmung New Yorks einzutauchen. Machte mir das atmosphärische Lesen bereits viel Spaß, wurde mein Lesevergnügen durch die emotionale tiefere Ebene der Geschichte noch einmal verstärkt.
Ich kann euch also durchaus empfehlen, diesen Roman ebenfalls zu lesen und bin mir meinerseits sicher, dass ich weitere Romane dieser Autorin lesen werde. Für mich hat sich das Kennenlernen dieser Autorin durch diesen Roman wirklich gelohnt.
Lichterzauber in New York
Als ich damit anfing, "Lichterzauber in New York" von Mary Kay Andrews zu lesen, hätte ich nicht damit gerechnet, wie abwechslungsreich und vielfältig die Kunden sind, die an einem Stand für Tannenbäume ihre Weihnachtsbäume kaufen. Mary Kay Andrews ist für ihre Weihnachtsromane bekannt, das wusste ich, aber auch dass ich bislang kein Buch der Autorin gelesen habe.
URL: https://www.fischerverlage.de/buch/mary-kay-andrews-lichterzauber-in-new-york-9783596711864
Autor: Marie Lanfermann
Autor: Mary Kay Andrews
ISBN: 978-3-596-71186-4
Veröffentlichungsdatum: 2025-09-24
Format: https://schema.org/Paperback
4.4
Vorteile
- Kurzkapitel, hohe Lesefreundlichkeit
- Heimelige Weihnachtsatmosphäre ohne Kitsch
- Authentischer Weihnachtsbaum-Alltag
- Vielschichtige Hauptfiguren
- Starke Geschwister-Dynamik
- Fokus auf Zusammenhalt und pragmatische Lösungen
- Lebendige, natürliche Dialoge
- Vielfältiges, liebenswertes Figurenensemble
- Realistisches, unromantisiertes New‑York-Bild
- Guter Einstieg in Mary Kay Andrews
Nachteile
- Kurzer Umfang, begrenzte Tiefe
- Einige Entwicklungen vorhersehbar
- Erwarteter „Zauber“ teils zurückhaltend
- Lokalkontraste teilweise oberflächlich
- Manche Konflikte konstruiert
- Für anspruchsvolle Leser zu leichtgewichtig
- Nebenfiguren teils unterausgebaut
