Bei Büchern: Alles eine Frage des Alters

Das Alter eines Protagonisten sagt meiner Meinung nach eine ganze Menge über die Zielgruppe des Buches aus. Zwar bedeutet es nicht das Protagonist und Leser gleich alt sein müssen, in den meisten Fällen entstammen Leser und Protagonist aber zumindest der gleichen Generation. Manchmal ist der Leser auch bis zu einer Generation älter.

Eindrücke beim Lesen: Das Alter eines Protagonisten

Wie komme ich auf diese Behauptung? Nun zunächst einmal möchte ich sagen, dass die hier getroffene Aussage mein Eindruck ist. Ich kann und will also keine Allgemeingültigkeit unterstellen. Stattdessen würde ich das Thema gerne mit euch diskutieren: Sagt das Alter eines Protagonisten wirklich etwas über die Zielgruppe des Buches aus?

Wie komme ich darauf, eine solche Meinung zu vertreten? Nun, ich denke die folgende kleine Geschichte verdeutlicht es: Kürzlich habe ich ein Buch beendet, bei dem die Protagonistin Anfang 30 war (Rezension folgt!, davor habe ich ein Buch gelesen mit einer Protagonistin, die Anfang zwanzig war . Ich selber bin Ende 20. Beide Protagonistinnen boten mir die Möglichkeit, mich mit ihnen zu vergleichen und ja, möglicherweise auch die Möglichkeit der Identifikation.

Da beide Bücher thematisch sehr unterschiedlich waren und auch die Protagonisten sehr unterschiedlich waren, kann man nun sagen, schön, dass mir beide gefallen haben. Und ja, das ist tatsächlich schön, denn die (virtuellen) Seiten beider Bücher flogen nur so vor meinen Augen. Es war großartig.

Das Alter des Protagonisten: Ein Problem?

Nun jedoch lese ich ein Buch, das mich thematisch angesprochen hat. Ja, es ist gut. Die Handlung spricht mich an, doch die Protagonistin lässt sich nicht so recht fassen, sie ist für mich keine Identifikationsfigur. Ihre Handlung erscheint für mich zwar realistisch, irgendwie in der Ferne liegend. Die Frau ist Mitte vierzig, hat bereits viele Abenteuer erlebt, hat Probleme mit ihrer Familie, die bislang ungelöst sind. Das alles weiß ich nach dem Lesen der ersten hundert Seiten. Sogar eine Beschreibung ihres Äußeren und ihrer Weltanschauung könnte ich euch geben und doch bleibt sie als Figur abstrakt. Abstrakt nicht im Sinne von theoretisch, unlebendig oder unkonkret. Ihre Welt und die damit verbundene Anschauung dieser erscheinen mir jedoch irgendwie unvorstellbar. Ja, ich kann mir zwar die Realisierung aller ihrer Handlungen vorstellen.

Es ist also nicht realitätsfern, und trotzdem für mich und meine Weltanschauung nicht greifbar. Ist es wirklich so, dass Menschen durch ihre Erfahrungen geformt werden? Für mich ist es so. Die Erfahrungen, welche die Figur gemacht hat, scheinen auch sie beeinflusst zu haben und doch sind ihre Erfahrungen andere als meine. Wie sollte es auch eine Romanfigur anders sein? Normalerweise hatte ich damit kein so großes Problem. Bei diesem Buch jedoch ist es anders. Die Vielzahl, dessen was sie gleichzeitig zu erzählen, versucht, die Vielzahl an Eindrücken dieser 40-jährigen Frau ist ein wenig erschlagend.

Kein Problem der Handlung

Dieses ist jedoch nicht in ihrer Handlung begründet, die wirklich verhältnismäßig ruhig ist. Nein, vielmehr zeigt sich das Problem in ihren Gedanken. Die Protagonistin denkt und ich denke anders. Meine Handlung wäre anders als ihre, weil ihre Erfahrungen sie anders geprägt haben als meine. Sie in einer anderen Zeit aufgewachsen, erwachsen geworden, hat andere Dinge erlebt, die sie prägten.

Vermutlich wird ein Mensch, der heute 40 ist mit diesem Buch weniger Probleme haben, weil er in einer ähnlichen Zeit aufgewachsen ist wie die Protagonistin im Buch. Beeinflusst also das Alter der Protagonistin oder besser gesagt ihr Geburtsjahr bei der gegenwärtigen Literatur die Zielgruppe. Könnte ich einen jüngeren Protagonisten in der gegenwärtigen Literatur besser greifen?

Vermutlich, denn das Buch was ich aktuell lese, ist nicht über die Maßen kompliziert, die Geschichte gut konzeptioniert. Und doch ist es vermutlich eher ein Leser oder eine Leserin aus dem Geburtsjahr der Autorin oder auch der Protagonistin, die diese Geschichte anspricht.

Nicht alleine das Alter prägt uns

Natürlich nicht alleine das Alter, das uns prägt, es ist die Summe unserer Erfahrungen .Doch möchte ich behaupten, dass eine Frau in den vierziger Jahren andere Erfahrungen hat als jene in den dreißiger. Wovon ich rede es nicht, dass die Dame mehr Lebenserfahrung hat, sondern dass sich vermutlich etliches mehr verändert hat im Leben der 40-jährigen im Vergleich zu 30-jährigen als im Leben der 30-jährigen im Vergleich zu 20-jährigen. Die Technisierung unserer Welt ist vorangeschritten.

Unsere Lebenserfahrungen heute sind geprägt von Computern, Handys, öffentlichen Verkehrsmitteln und einigen mehr. Wenn eine Frau um die 40 mir also in einem Buch erklären will, dass ihr ein Leben in einem Schutzgebiet genauso schön ist wie ein Leben in unserer heutigen Welt, mit all ihren Animositäten, so ist es für mich erst einmal schwer vorstellbar und auch wenn ich kürzlich ein Buch über den Schutz unserer Erde verpackt in einem Roman gelesen habe, erscheint mir dieses Buch doch näher an meiner Wirklichkeit als mein aktuelles.

Gibt das Alter des Protagonisten nun also Aufschluss über seine Zielgruppe?

An dieser Stelle möchte ich nicht eindeutig auf diese Frage antworten, ich möchte hingegen einige Fragen stellen.

Wenn uns unsere Umgebung prägt und wir uns in gegenwärtiger Literatur bewegen, dann ist die Summe unserer Erfahrungen doch vermutlich die Grundlage für das, was wir lesen, oder nicht? Geht es also darum unsere Erfahrungen, die von anderen Einflüssen geprägt wird, in einer Protagonistin zu verarbeiten, und entspricht dann Zielgruppe dem Alter der Protagonistin, weil sie womöglich einen ähnlichen Erfahrungsschatz hat, wie man selbst?

Unterhaltungsliteratur ist anders als Gegenwartsliteratur

Wie bereits ausgeführt unterscheidet sich die Gegenwartsliteratur im klassischen Bereich von der Unterhaltungsliteratur auch die Anforderungen, die wir an ein Buch stellen, sind womöglich andere. Bei der Literatur geht es um eine Vergrößerung der eigenen Erfahrung um das Blicken über den Tellerrand auf Basis einer gemeinsamen Grundlage. Es ist anders als das Lesen von Klassikern, die zwar auch zu ernsthafteren Literatur gehören, allerdings auch noch in einer Zeit spielen, die fernab unserer Zeit ist, was die Sache erleichtert.

Fragt man mich, was ich lieber lese, so kann ich sagen, ich lese vermutlich öfter Unterhaltungsliteratur. Wenn ernste Literatur, dann Klassiker. Mit der Gegenwartsliteratur habe ich so meine Probleme, nicht etwa, weil ich sie nicht mag, sondern weil die meisten Autoren dieses Genres nicht in meinem Alter sind. Die meisten Bücher aus diesem Spektrum erscheinen mir also fernab meiner Lebenswirklichkeit. Gäbe es mehr jüngere Autoren in diesem Genre, würde ich es vermutlich auch öfter einmal lesen. So jedoch erscheint ein Buch dieses Genre schwieriger zu lesen, als meine übrigen Bücher.

Aus diesem Grund werde ich bei besagtem ein wenig anders vorgehen und es euch im Rahmen eines kleinen Lesetagebuchs intensiver vorstellen. Mir ist dabei klar, dass die meisten von euch nicht die beschriebene Zielgruppe darstellen, wie ich es hier geschrieben habe.

Dennoch finde ich es wichtig, dieses Buch vorzustellen, da es eine Menge spannender Themen enthält, die uns ebenso interessieren müssten. Mindestens ebenso stark interessieren wie die Zielgruppe, für die es geschrieben wurde. In Zukunft werde ich für jedes Buch, das in diese Kategorie fällt oder fallen müsste ein solches Vorgehen durchführen. Was heißt das also? Ihr dürft euch zukünftig auf eine Menge kleinerer Lesetagebücher einstellen.

Ich freue mich dabei natürlich immer auf eure Meinung und eine rege Diskussion.

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Bei Büchern: Alles eine Frage des Alters
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Das Alter eines Protagonisten sagt meiner Meinung nach eine ganze Menge über die Zielgruppe des Buches aus.
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2 Comments

    • Marie

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