Sophia von Dahlwitz: Das Licht zwischen den Zeiten

Voraussichtliche Lesezeit: 6 Minuten.

Sophia von Dahlwitz zeichnet in Das Licht zwischen den Zeiten das Bild einer Familie, die über lange Zeit das Ansehen des Adels oder Großgrundbesitzes besaß. Es ist das Bild ihrer Familie. Doch darüber hinaus ist diese Familiensaga vielmehr auch ein gesellschaftliches Bild, ein historischer Roman und tatsächlich eine Geschichte mit historischem Hintergrund. Sachlich, fast nüchtern und doch mit viel Tiefgang erzählt Sophia von Dahlwitz die Geschichte ihrer Familie in der Zeit zwischen den Kriegen.

Das Bild einer Zeit

Jedes einzelne Familienmitglied stellt dabei eine eigene Charaktere dar und ist gleichzeitig ein Abbild eines scheinbar idealtypischen Darstellers seiner Zeit. Dass Sophia von Dahlwitz hierbei auf reale Personen zurückgreift erscheint auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig, wurde dieses Buch doch als Roman angekündigt und genau genommen ist es das eben nicht, es ist eine biografische Geschichte, die auf eine Zeit zurückgeht und die auf entsprechenden Recherchen basiert und von ihrer Familie erlebt wurde.

Handelt es sich somit um einen Roman? Nun, diese Frage kann ich nicht eindeutig beantworten, denn ich muss mich auf das verlassen, was über die Autorin bekannt wurde. Das Sofia von Dahlwitz und einem Pseudonym geschrieben hat macht die Sache nicht unbedingt leichter. Auch die Tatsache, dass es sicherlich viel Material über die Zeit zwischen den Kriegen und den entsprechenden Hintergründen gibt, lässt mich nicht unbedingt stärker einordnen, was an dieser Geschichte tatsächlich real und was Fiktion ist. Vermutlich war und ist dieses aber auch die Absicht der Autorin, die keinesfalls ihre Familie in dem Blickwinkel ihres Romans setzen wollte.

Aktuell erscheinen wieder viele historische Bücher über die Kriegszeit. Augenscheinlich begründet sich dieser Umstand in der Tatsache, dass der erste Weltkrieg nun genau 100 Jahre zurückliegt. Doch genau an dieser Stelle sei eine Frage gestattet: Warum greift eine Frau, die keinerlei Interesse daran hat ihre Familiengeschichte öffentlich zu machen, diese in einem sehr bewegenden, aber gleichermaßen auch sehr wertfreien Roman auf?

Vom Sinn zurück zu blicken

Versteht mich bitte nicht falsch, ich finde es gut, dass es Romane dieser Art gibt und doch ist es für mich keinesfalls einfach, dieses Buch tatsächlich einzuordnen, denn vermutlich haben die wenigsten von uns in dieser Zeit gelebt. Faktisch gibt es heute nur noch sehr wenige Menschen, die genau in dieser Zeit gelebt und diese bewusst erlebt haben.

Aus diesem Grund brauchen wir Menschen, die wie diese Autorin zu recherchieren beginnen und schließlich ihre eigene Familie dazu nutzen, die Geschichte zu erzählen. Denn nur, wenn wir die Vergangenheit immer und immer wieder reflektieren und uns an sie erinnern, dann werden wir in der Zukunft eine vergleichbare Entwicklung verhindern können.

Möchten wir wirklich noch einmal in eine Zeit rutschen, die unweigerlich und unvermeidbar zu zu einem Kriegsgeschehen führen muss? Nein, keiner von uns wünscht sich weitere Weltkriege, also ist es an der Zeit 100 Jahre nach dem der erste Weltkrieg zu Ende ging einmal an die Geschehnisse zu erinnern und einen Blick darauf zu werfen, welche Tragik zu genau dieser Entwicklung führte.

Pointiert und klar

Sophia von Dahlwitz ist dies ausgesprochen gut gelungen und doch gibt es sicherlich Bücher, die emotional stärker, weniger objektiv und somit nahbarer erscheinen. Ob sie lesenswerter sind, möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen, denn Sophia von Dahlwitz überzeugt mit einer Klarheit und eine Raffinesse. Sie schreibt pointiert und eben ohne ihre eigene Familiengeschichte zu bewerten.

Sie möchte weder Trauer noch Wut oder Aggression verursachen, aber auch kein Mitleid, keine Freude oder was auch immer man Angesicht einer solchen Familiensaga mit durchaus realen Hintergründen fühlen möchte. Vielmehr gibt sie dem Leser und damit mir als Leserin die Gelegenheit, mit diesem Roman zu erleben, wie zerrissen Familien angesichts dieser politischen Entwicklung waren.

Klare Handlung und doch alles andere als leichte Kost

Ja, es gibt so etwas wie eine klare Handlung und tatsächlich könnte ich euch hier an dieser Stelle nun den Klappentext abbilden, doch vermutlich würde euch dieser Klappentext nur einen kleinen Einblick der in das geben, was euch bei diesem Buch erwartet, denn dieses Buch ist alles andere als leichte Kost und tatsächlich ist die Handlung eine Art alltägliches Geschehen eine Familie in der Zeit zwischen den Kriegen in der es dunkle und lichte Momente gibt.

Wie alles in dieser Zeit ist nicht in dieser Familie nur schwarz oder weiß, die Entwicklung ist vielmehr eine Mischung zu grau, die letztendlich zu einem der schwärzesten Zeiten unserer politischen Menschheitsgeschichte geführt hat.

Blicken wir also gemeinsam zurück? Blicken wir zurück eine Zeit, die unserer heutigen in vielerlei Hinsicht entgegengestellt ist, und doch zu dem geführt hat, was wir heute sind. Nach der Lektüre dieses Buches sollten wir darüber nachdenken, uns wieder stärker einzumischen, unsere Meinung nicht nur im Geheimen zu pflegen, sondern auch für sie einzutreten. Zu keiner Zeit war die eigene Meinung wichtiger als immer wieder in der Gegenwart und ein Blick in die Vergangenheit zeigt uns genau das.

Sicher muss man sagen, dass man ein gewisses Interesse an dieser Zeit haben muss, um mit dem Stil der Autorin und den Ereignissen zurechtzukommen und diese richtig einordnen zu können, aber dieses Buch, dieser Roman, der eigentlich viel mehr ein erzählerisches Sachbuch ist, wirkt Augen öffnend.

Über die Autorin: Sophia von Dahlwitz

Über Sophia von Dahlwitz ist ein ich gar nicht so viel bekannt, denn es handelt sich ja wie schon gesagt um ein Pseudonym und dennoch wird vielerorts folgendes mitgeteilt: „Sophia von Dahlwitz ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Unter ihrem Klarnamen hat sie bereits acht Romane veröffentlicht, von denen vier verfilmt und fünf in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Sophia von Dahlwitz lebt mit ihrer Familie in München.
DAS LICHT ZWISCHEN DEN ZEITEN basiert auf ihrer eigenen Familiengeschichte.“(Droemer Knaur)

Wer sollte es lesen?

Es war keinesfalls leicht, dieses Buch zu lesen, dennoch war es eine gute Entscheidung, denn obwohl aufgrund der Wichtigkeit seiner Thematik schwierig zu lesen, war es doch interessant und obwohl im klassischen Sinn nicht fesselnd, war es doch lesenswert, spannend und auf seine ganz besondere Weise bewegend.Dennoch ist dieses Buch eines ganz sicher nicht, für jedermann gleichermaßen lesenswert. Denn für dieses Buch sollte man als Leser ein gewisses Interesse an der deutschen Geschichte mitbringen und nicht nur ein Interesse, sondern auch bereits weitergehende Kenntnisse. Ich weiß nicht, ob dieses Buch somit als tatsächlich unterhaltend gelten sollte, auch wenn es durchaus auch so etwas wie eine Liebesgeschichte gibt. Dieses Buch ist aufgrund seiner Tiefe eben nicht nur Liebesroman, nicht nur Familiengeschichte oder -saga. Es ist eine Gesellschaftskritik seiner Zeit.

Fragt man mich, wer dieses Buch lesen sollte, so würde ich es durchaus jemandem empfehlen, der nicht nur nach guter Unterhaltung sucht, sondern tatsächlich auch nach Tiefgang und Information. Ist dieses Buch belletristisch? Ja, ganz sicher finden sich einige fiktive Anteile in diesem Buch, denn die Autorin selbst wollte ihre vollständige Familiengeschichte ja nicht öffentlich machen, die Möglichkeit die Geschichte ihrer Familie nun als Roman zu erzählen, gibt dir die Möglichkeit zu gewisser fiktiver Freiheit oder erzählerischer Freiheit und doch ist dieser Roman doch auch ein Sachbuch, eine Gesellschaftskritik und ein Sittengemälde.

Fazit

Auch wenn dieses Buch sicherlich nicht für jeden gleichermaßen interessantes, sollte es viel öfter Bücher dieser Art geben, Bücher, die uns die Möglichkeit geben zurück zu blicken. Dies vor einem fiktiven Hintergrund zu tun ist dabei sicherlich eine Erleichterung, denn das klassische Sachbuch ist zumeist weniger fesselnd als dies ein sachbezogener Roman sein kann. Dieses Buch empfiehlt sich dennoch nicht unbedingt für jeden Leser gleichermaßen, denn wie schon gesagt, letztes einen gewissen Interessenshintergrund und entsprechende Kenntnisse voraus. Auch ist dieses Buch dafür gemacht, sich an einem Wochenende ausreichend Zeit zum Nachdenken zu nehmen, denn da zu fordert dieses Buch immer und immer wieder auf: Denkt nach und reflektiert!

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Sophia von Dahlwitz: Das Licht zwischen den Zeiten
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