Rezension: „Es wird keine Helden geben“ von Anna Seidl

So gesehen könnte man meinen, das Thema “Amoklauf” ist in Deutschland kein Thema. Das gibt’s doch nur in den USA. Doch spätestens seit Winnenden weiß man, dass Amoklauf auch hier in Deutschland ein Thema ist. Die Autorin Anna Seidl hat sich genau mit diesem Thema in ihrem Debüt-Jugendbuch beschäftigt. Kein einfaches Thema für ein Debüt und doch so wichtig!
Sie hat ein Werk geschaffen, das nachdenklich macht, das aufzeigt, wie es nach einem Amoklauf weiter geht.

Sehr intuitiv und detailliert beschäftigte sie sich mit den unterschiedlichen Möglichkeiten. Ihre Protagonistin Miriam verliert durch den Amoklauf nicht nur ihren Freund, sondern auch den Rückhalt durch Freundinnen und Klassenkameraden. Diese sind ebenso wie Sie selbst damit beschäftigt, das alles zu verarbeiten.

Der Attentäter des Amoklaufs in diesem Roman ist ein fiktiver Mitschüler. Die Geschichte könnte jedoch so durchaus auch tatsächlich passieren. Hierzu braucht es weder Miriam, noch Tobi oder Joanne. Auch Matias ist nicht unbedingt notwendig. Seine Geschichte hingegen beweist, wie schnell man zum Außenseiter wird, sich ausgestoßen aus der Gesellschaft fühlt und einfach nicht weiß, wie es weitergehen soll.
Die Geschichte dieser Schüler ist so natürlich ausgedacht, es ist ein Roman, ein Jugendroman. Und doch ist er eines: Erschreckend realistisch und so auch auf viele Schulen in Deutschland übertragbar.

Man muss sich fragen, ob Mobbing nicht für vieles ein Auslöser ist. Manche verschließen sich dadurch, andere werden brutal und aggressiv. Mobbing ist ein Thema, das uns alle angeht. Und doch interessiert es wenige. Mobbing, das betrifft mich nicht, denken viele, bis sie dann in der Situation sind. Es ist wie bei Charles Darwin: Entweder man frisst oder man wird gefressen. Genau das zeigt Anna Seidl auf einfühlsame Weise.

Sie versetzt den Leser in die Rolle der Opfer ohne dabei wirklich eine reine Opferrolle einzunehmen. Sie stellt Fragen, die so bisher von mir noch in keinem Buch gelesen wurden. Über einen Amoklauf wird insbesondere in amerikanischen Büchern manchmal berichtet. Die Frage, wie es den „Opfern“ danach geht, bleibt jedoch in vielen Fällen unbeantwortet.

Das Thema “Amoklauf” ist sicherlich kein schönes einfaches Thema, aber es ist ein notwendiges Thema, eines das viel zu selten in dieser drastischen Form aufgegriffen wird. Es ist eine Folge von etwas anderem, über das in manch einem Jugendbuch durchaus berichtet wird: Mobbing.
Auch hier wird aus der Opferrolle heraus berichtet. Wie soll mit Mobbing umgegangen werden? Das ist eine Frage, die in diesen Büchern häufiger als alles andere aufgegriffen wird. Doch darum geht es gar nicht vordergründig, denn nicht jeder besitzt die Stärke sich frühzeitig Hilfe zu holen und sich gegen Mobbing zu wehren und genau diese Menschen sind hinterher entweder suizidal oder sogar Amoklauf gefährdet. Sie können selbst zum Amokläufer werden.

Wann immer man im Fernsehen oder in der Zeitung von diesem Thema liest, wird eine Frage immer und immer wieder gestellt. Es ist die Frage, nach dem „Warum?“. Schließlich muss es ein Warum geben. Das alles muss einen Grund und eine Ursache haben. Doch oftmals bleiben die Gründe verborgen. Die Art und Weise, wie Anna Seidl sich diesem Thema nähert, ist provokativ, anschaulich und gesellschaftsrelevant.
Die Sprache, in der sie dieses Thema aufgreift, ist nicht provozierend, aggressiv oder in irgendeiner Weise brutal. Vielmehr entsteht der Eindruck der Realitätsnähe durch das, was sie erzählt. In nüchterner, einfacher, anschaulicher Sprache, schildert sie zunächst den Amoklauf um dann in Rückblenden aus dem bisherigen Leben der Protagonistin Miriam zu erzählen. Immer wieder geht es auch um die Gegenwart. Miriam blickt nicht nur zurück, sie beginnt auch sich mit der neuen Situation zu arrangieren und ein neues Leben aufzubauen. Ein Leben, das ganz anders ist, als alles, was sie bis jetzt erlebt hat.
Sicher, Probleme hat jeder mal, aber es ist nichts im Vergleich zu dem, was man erlebt, wenn man in einen Amoklauf hineingerät. Es ist nichts, was man wiederholen möchte und doch kann man daraus lernen, dass ein jeder Überlebender seinen eigenen Weg findet, mit diesem „Ich habe überlebt!“ umzugehen.

Jeder entwickelt seinen eigenen Weg, mit dem umzugehen, was man erlebt hat und aus jedem macht jedes Erlebnis einen neuen Menschen. Jeder Mensch ist nun die Summe seiner Erfahrungen und seiner Handlungen. So oder so ähnlich könnte man die Moral dieses Buches zusammenfassen.
Mir hat dieses einerseits erschreckende, andererseits aber auch realistische Buch sehr viel zum Nachdenken gegeben. Es zeigt nämlich, dass ein jeder nur die Summe seiner Möglichkeiten ist.
Mir persönlich hat dieses Buch einerseits aufgrund seiner Realitätsnähe sehr gut gefallen, andererseits möchte ich so etwas nicht ständig lesen. Es ist kein Buch, das man mal eben liest, dieses Buch hängt nach. Es spornt ein an: „Los, denkt über mich nach!“

Wer ein wirklich gutes Jugendbuch sucht, das spannend ist und zum Nachdenken anregt, der ist mit diesem Buch wahrscheinlich ebenso gut bedient, wie mit einem Buch von Morton Rhue. Mich erinnerte dieses Buch nämlich sehr, an Bücher wie „Ich knall euch ab“. Nach meinem Verständnis, hat das Buch auch einen ähnlichen Anspruch.
“Anna Seidl, 1995 in Freising/Bayern geboren, dachte sich schon als Schulkind eigene Geschichten aus. Heute ist sie freie Autorin und lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen in der Nähe von Frankfurt.” (Quelle: Oetinger.de)

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„Es wird keine Helden geben“ von Anna Seidl
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