“Tomte Tummetott” von Astrid Lindgren

Voraussichtliche Lesezeit: 5 Minuten.

s “Tomte Tummetott” ist ein Bilderbuch, dass hierzulande häufig in der Advents- und Vorweihnachtszeit gelesen wird. Es geht bei diesem Bilderbuch um eine lange Winternacht auf einem abgelegenen Bauernhof. Neben einer Familie mit Kindern und zahlreichen Tieren wohnt hier seit vielen Jahrhunderten auch ein kleiner Wichtel. Sein Name ist Tomte Tummetott. Er ist, zumindest dem Namen nach, ein Heinzelmännchen. Aus dem Schwedischen übersetzt lautet sein Name “Heinzelmännchen Däumling”.  Dass ihn niemand je gesehen hat, ist nicht weiter erstaunlich, ist er doch ein echter Winzling. Einzig seine kleinen Fußabdrücke im Schnee zeugen von seiner Existenz. Jede Nacht besucht er die anderen Bewohner des Gehöfts, wenn sie schlafen und sorgt sich um sie. Während der Hof und seine menschlichen und tierischen Besitzer zur Ruhe kommen und träumen, richtet er ein Selbstgespräch, dass vom Frühling handelt, an sie. In seinem Monolog geht er dabei auch auf das Thema Geduld ein.

Das Thema Jahreszeit

Atmosphärisch dicht spielt in ihrem Buch mit der winterlichen Atmosphäre. Dabei setzt sie nicht nur auf die Zurückgezogenheit, sondern gibt auch dem Schnee eine Bedeutung, denn nur durch den Schnee werden ja Tomtes Fußspuren sichtbar. Möglicherweise ist es aber auch die winterliche Atmosphäre, die dieses Buch klassischerweise zu einem echten Weihnachtsbuch-Klassiker für Kinder macht. Einen echten Bezug zur Weihnachtszeit gibt es auf den ersten Blick nämlich nicht. Viel eher ist es ein Buch über den Wechsel oder den Umbruch der Jahreszeiten, kommt es selbst ja immer wieder darauf hin, dass der Frühling naht.

Das Thema Geduld

Somit stellen wir auch den Bezug zum Thema Geduld her, denn eine klassische Weihnachtsgeschichte ist Tomte Tommetott nicht. Vielmehr stellt sich der Bezug zu Weihnachten wohl über das Thema Geduld her. Wie oft fragen gerade kleine Kinder ihre Eltern: “Mama / Papa, wie lange noch bis Weihnachten?” Gerade für diese Zeit gibt es heute aber auch zahlreiche Adventskalenderbücher, die die Zeit bis Weihnachten nicht nur verkürzen, sondern auch anzeigen. Dennoch ist Tomte Tummetott schlicht und ergreifend ein Klassiker. Somit ist Weihnachten eine gute Gelegenheit, den Kindern diesen Klassiker näher zu bringen.

Fürsorge und Verantwortung

Auch wenn die Hofbesitzer wenig über ihren winzigen Gast wissen, außer eben, dass er da ist, übernimmt das Heinzelmännchen Däumling Verantwortung für seine Mitbewohner und gibt sich Mühe, in der Nacht für Ruhe, Entspannung und Zufriedenheit zu sorgen. Man könnte also sagen, er sorgt sich um ihr Wohl und tut sein Bestes, um mit seiner Anwesenheit und der Übernahme von kleineren Tätigkeiten für sie da zu sein. Auf diese Weise trägt er zum Familienfrieden bei. Wenn man möchte, bietet es sich während des Vorlesens an, den Kindern etwas über das Leben miteinander und das Thema Verantwortung zu erzählen oder sich mit ihnen über diese Themen auszutauschen.

Über

wurde am 14. November 1907 als Astrid Anna Emilia Ericsson auf dem Hof Näs nahe der Kleinstadt Vimmerby in Småland geboren. Mit ihren drei Geschwistern Gunnar (1906-1974), Stina (1911-2002) und Ingegerd (1916-1997) verlebte sie eine glückliche Kindheit auf dem Bauernhof ihrer Eltern Hanna und Samuel August Ericsson.”(Oetinger Verlag) Sie gehört auch heute noch zu den bekanntesten Kinderbuchautoren der Welt. Diese Berühmtheit verdankt sie Figuren wie Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Madita, Kalle Blomquist und Ronja Räubertochter. Nicht vergessen werden darf in dieser Auflistung meiner Ansicht nach auch Karlson vom Dach. wurde unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Alternativen Nobelpreis, dem Schwedischen Staatspreis für Literatur sowie dem Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet. Dies erfährt, wer den Klappentext über die Autorin liest.

Eine Geschichte zum Vorlesen

Da es sich bei Tomte Tummetott um ein klassisches Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahren handelt, ist es schwierig, dieses Buch nicht auch als ein potenzielles Erstleser-Buch zu sehen. Da es aber aus dem Jahr 1960 stammt, entspricht es nicht der heutigen Gestaltung eines typischen Erstleser-Buches. So sind die Nomen / Hauptwörter nicht durch Bilder ersetzt. Sollte aber ein Kind tatsächlich die Motivation besitzen, es selbstständig lesen zu wollen und dieses Buch schon kennen, halte ich es nicht für unmöglich, es mit diesem Buch zu versuchen. Dafür sprechen beispielsweise der geringe Umfang oder die angenehme Schriftgröße.

Der historische Ursprung

Die Geschichte, die hier erzählt, entspricht einem Gedicht, dass aus dem Jahre 1881 stammt. Viktor Rydberg erzählt darin die Geschichte eines Heinzelmännchens mit Bart und Haaren und einer roten Zipfelmütze. Diese Heinzelmännchen gehören zur schwedischen Kultur und sind eng mit der Lucia-Tradition verwoben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Luciafest traditionell am 13. Dezember gefeiert wird. Dieser Tag galt bis zur Einführung des Gregorianischen Kalenders als der kürzeste Tag des Jahres. Ab diesem Tag wurden die Tage also wieder länger. Durch die Einführung des Julianischen Kalenders hat sich die Wintersonnenwende allerdings nach hinten verschoben, wodurch der Bezug nicht mehr ganz so offensichtlich ist. Der Bezug zum Wichtel wird offensichtlich, wenn man sich mal mit der Tradition des Luciafests beschäftigt. Hierbei findet nämlich oft eine Kerzenprozession statt, an der auch Kinder in der Verkleidung eines Wichtels teilnehmen. Ich möchte euch an dieser Stelle nicht den kompletten Bezug des Luciafests darstellen, allerdings gibt mir dieser historische Bezug die Erklärung, warum ein Buch, das auf den ersten Blick nichts mit Weihnachten zu tun hat, eben doch vielerorts als Weihnachtsbuch gelistet wird. Das Luciafest gehört nämlich traditionell zur schwedischen Weihnachtstradition.

Über die Illustrationen des Buches

Es handelt sich dabei um Vollbild-Illustrationen, die jedoch vielleicht auch aufgrund ihres mythologischen Zusammenhangs, ein wenig unscharf sind und somit fast magisch erscheinen. Gerade mit diesen Bildern macht es aber sicherlich viele Kinder neugierig. Gleichzeitig ist dieses Buch ehr abstrakt illustriert und minimalistisch gehalten. Somit ist dies keine Geschichte, die mit vielen kleinen Details illustriert ist und zum “ich sehe was, was du nicht siehst”-Spiel einlädt. Viel mehr fördert es die Fantasie der Kinder.

Über Harald Wiberg

“Harald Wiberg (1908 – 1986), in Hallingeberg/Schweden geboren, arbeitete als Plakatmaler und studierte Malerei. Für seine stimmungsvollen Tier- und Naturbilder erhielt er 1982 den renommierten schwedischen Elsa-Beskow-Preis. Ein gemeinsames Kunstwerk von (Prosa) und Harald Wiberg (Illustration) sind die Bilderbücher »Tomte Tummetott« und »Tomte und der Fuchs«. Nach einem schwedischen Gedicht von Viktor Rydberg aus dem Jahr 1881 erzählen sie das Wintermärchen vom Wichtelmann Tomte, der als guter Geist über Haus und Hof wacht. Die Geschichte ist auch als Animationsfilm bei Oetinger erschienen und wurde international mehrfach preisgekrönt.” (Oetinger Verlag)

Fazit

Tomte Tummetott ist sicher etwas für die Kleinen, die gerade zum ersten Mal bewusst den Winter erleben. Dennoch ist es für mich kein klassisches Weihnachtsbuch, sondern eher ein Winterbuch, was daran liegt, weil wir hierzulande das Luciafest nur in wenigen Gemeinden feiern. s Geschichte ist dabei kindgerecht und mit liebevollen Details ausgestattet.

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"Tomte Tummetott" von Astrid Lindgren
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