“Schneeflöckchen Weißpfötchen” von Petra Schier ist der aktuelle Titel aus der Weihnachtshund-Reihe. Mit Ellie lerne ich als langjährige Leserin dieser Reihe eine Protagonistin kennen, die in vorangegangen Bänden lediglich eine Nebenrolle hatte – Elli, die als Haarstylistin im Salon ihrer Mutter arbeitet und gleichzeitig mit ihren Freunden Jelena und Arian an ihrer Selbstständigkeit arbeitet.
Gleich zu Anfang lernen wir aber auch noch einen weiteren Charakter kennen – Xander, den Reise-Fotografen und Reise-Blogger, der in den letzten zehn Jahren fast immer unterwegs war, aber in der Vergangenheit ebenfalls Teil der Clique war. Die vier Freunde waren – einem Kleeblatt nicht unähnlich – unzertrennlich, bis Xander zu seinen Reisen aufbrach.
Ein Wiedersehen mit Santa Claus und seinen Elfen
Wann immer ich einen Weihnachtsroman von Petra Schier lese, freue ich mich auf ein Wiedersehen mit Santa Claus und seinen Elfen, aber auch auf ein Wiedersehen mit all den liebgewonnenen Protagonisten aus früheren Bänden der Reihe.
Möglicherweise glaubt ihr, mit der zunehmenden Anzahl an Bewohnern könnte es für mich als Leserin unübersichtlich werden, aber dieses Szenario ist nicht ganz richtig, denn die Autorin hat für ihre Weihnachtsromane eine eigene Welt entwickelt und in der Nähe von Köln und Bonn angesiedelt.
Je nachdem, wer die Hauptfiguren des Romans sind, erleben wir als Leserinnen und Leser diese in ihrem Umfeld also stets nur einen Ausschnitt aller in dieser fiktiven Umgebung handelnden Protagonisten. Auf diese Weise erleben wir stets nur einen keinen Ausschnitt, und das, obwohl die Zeit natürlich im gesamten Ort weitergeht. Für mich persönlich macht diese Entwicklung die Romane authentischer und lesenswerter. Schließlich weiß man nie, wem man in dieser Geschichte wann begegnet oder über wen, warum gesprochen wird.
Das ist fast so, als würde man durch seine eigene Nachbarschaft oder vielmehr den eigenen Ort spazieren und dabei alte Bekannte und Freunde treffen, aber auch neue Leute kennenlernen. Die einzige Konstante, die für uns als Leserinnen und Leser verlässlich ist, da sie in wirklich jedem bisherigen Roman vorkamen, sind Santa Claus, Misses Claus, die Elfen und Rentiere.
Sie ziehen in ihrem Paralleluniversum ihre Weihnachtsvorbereitungen durch, beobachten die Menschen auf der Erde und nehmen Anteil. Ganz nebenbei verändert Santa Claus durch geschicktes Eingreifen kleinste Ereignisse und nimmt so Einfluss auf gewisse Entwicklungen. Als Strippenzieher im Hintergrund darf er nicht fehlen und gilt für mich somit als verlässlicher Fixpunkt und Begleiter durch die Reihe.
Als Leserin lernte ich in “Schneeflöckchen Weißpfötchen” zahlreiche Figuren kennen, die mir bislang entweder lediglich als Nebenfiguren begegnet sind oder noch gar nicht. Trotzdem gibt es Berührungselemente mit vorherigen Bänden. So ist uns Ellie natürlich durch ihre Schwester Jana bekannt. Wer die Vorgänger kennt, weiß somit zum Beispiel gleich von Beginn von ihrer Angst vor großen Hunden.
Ein Hund in Not
In der Weihnachtshunde-Reihe kommen erfahrungsgemäß immer Hunde als Helfer des Weihnachtsmanns vor. Sie gelten als Vertraute der Menschen und sind somit die Idealbesetzung – zumindest normalerweise, denn Ellies Hundephobie stellt den Weihnachtsmann vor neue Herausforderungen.
Denn Ellies Angst vor Hunden ist in einem traumatischen Ereignis in ihrer Kindheit begründet, sodass es lange dauert, bis Ellie einem Hund vertraut, wenn überhaupt. Mit Amara gibt es zwar eine passende Streunerin, die dringend menschliche Hilfe und im besten Fall ein liebevolles Zuhause sucht, aber der Hündin läuft die Zeit davon. Schließlich ist die weiße Schäferhündin schon vor einigen Wochen ausgesetzt worden und stromert seitdem durch die Umgebung.
Doch die Zeit hat auch bei der außergewöhnlichen Hündin ihre Spuren hinterlassen. Sie ist völlig zerzaust und abgemagert. Ob Santa Claus Amara wirklich helfen kann und dabei ganz nebenbei Xanders Weihnachtswunsch erfüllen kann?
“Schneeflöckchen Weißpfötchen”: Eine Frau zwischen zwei Männern
Wer Petra Schiers Weihnachtshunde-Reihe bis hierher verfolgt hat, der ahnt bereits, dass auch in diesem Fall nicht ganz so glatt läuft, die Santa Claus sich eigentlich gewünscht hätte. Tatsächlich stolperte ihm dieses Mal ein Mann in seinem Planung, den er so gar nicht auf dem Schirm hatte.
Patrice ist eine Zufallsbekanntschaft, der Ellie im Baumarkt auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk hilft. Das Patrice sich in die zierliche junge Frau mit Pixie-Cut verguckt und gerne mehr Zeit mit Ellie verbringen möchte, mag Ellie ganz gelegen kommen.
Dass Ellie schon seit vielen Jahren mehr oder weniger Dauersingle ist, mag mich als Leserin zunächst überraschen, doch ich kann euch sagen, es ergibt durchaus Sinn, denn letztlich ist sie auf der Suche und Patrice scheint ein guter Fang zu sein.
Im Laufe der Adventszeit verbringt Ellie verhältnismäßig viel Zeit mit Patrice, besucht mit ihm zahlreiche Veranstaltungen und lernt ihn gewissermaßen stets besser kennen. Kann aus dieser zunächst oberflächlichen Bekanntschaft tatsächlich mehr werden?
“Schneeflöckchen Weißpfötchen”: der Wert einer Freundschaft
Mit dem Zusammenstoß mit Patrice und den daraus resultierenden Treffen verbringt Ellie weniger Zeit mit ihrer eigentlichen Clique und muss sich oftmals sogar entscheiden, welche gerade wichtiger ist. Hier thematisiert Petra Schier gekonnt das Thema Freundschaft und wirft irgendwo auch die Frage auf, die mich als Leserin eine ganze Weile verfolgen wird: wie viel ist ein sich eine Freundschaft wert und wann lohnt es sich auch Zeit mit anderen zu verbringen?
Die Tatsache, dass Ellie mehr und mehr Zeit mit Patrice verbringt, wirft die Freundschaft mit Jelena, Arian und Xander durchaus aus ihrer gewohnten Umlaufbahn. Die eingeschworenen Routinen und Absprachen gerade nicht nur in ein mittelschweres Chaos, sondern werden zum Teil einfach außer Kraft gesetzt. All das bedeutet sicherlich Veränderungen für das Kleeblatt der vier Freunde, die sich seit vielen Jahren als eine eingeschworene Gemeinschaft betrachtet haben. Doch birgt die Beziehung zwischen Ellie und Patrice noch weitere Risiken?
Innere Monologe: die Hunde-Perspektive
Da Ellie sich nicht eigenständig um Amara kümmern kann, wird sich schließlich von Xander in Pflege genommen, Ellies bester Freund seit Kindertagen hat schließlich keine Angst vor Hunden und beschließt auch ihr die Angst ein wenig zu nehmen.
Auf diese Weise verbringen sowohl Xander als auch Ellie immer öfter Zeit mit Amara und tatsächlich gelingt es Ellie ihre Panik in Scheu, Respekt und schließlich sogar in Freundschaft zur Hündin zu verwandeln.
Als Leserin kann ich bei dieser Entwicklung praktisch zuschauen, stelle aber ebenso schnell fest, dass diese Entwicklung war Ellie für ein ziemliches emotionales Chaos sorgt, dass die Hündin in Form innerer Monologe nicht nur wahrnimmt sondern in der gewohnt unterhaltsamen Art kommentiert.
Habe ich diese innere Monologe in der Vergangenheit gerne gelesen, freute ich mich auch dieses Mal sehr darüber, dass wir mit diesen inneren Monologen auch Einblicke in die Gedankenwelt des Hundes bekam. Ja, gerade bei den aktuelleren Büchern geriet diese Perspektive ein wenig in Vergessenheit, beziehungsweise sie wurde spürbar weniger eingesetzt und doch ging sie nie gänzlich verloren. Umso mehr freute ich mich darüber, dass Amara wieder stärker eingebunden war und André ihre Gedankenwelt recht anschaulich offenbarte.
Dabei gelingt es Petra Schier nämlich auf gewohnte Art und Weise der weißen Schäferhündin ihren ganz eigenen Charakter zu geben und diesen auch mit einer ganz eigenen Stimme oder einem ganz eigenen Ausdruck zu versehen. Etwas, dass er auch bei den menschlichen Protagonisten ausgesprochen gut gelingt und doch ist ein wenig anders bei den Hunden.
Textnachrichten und und lebendige Dialoge
In ihrem gewohnten lebendigen Stil gelingt es Petra Schier mich als Leserin auf die altbekannte und überaus unterhaltsame Art und Weise zu unterhalten. Ja, mir hat “Schneeflöckchen Weißpfötchen” ausgesprochen gut gefallen und auch, wenn es dieses Mal einige kleinere Änderungen gab, konnte ich mich in dem gewohnten Stil durchaus einfüllen und wurde somit direkt in die Geschichte hineingezogen.
Schließlich gab es bei den vielen neuen Charakteren und Protagonisten auch einige alte Bekannte, die mir irgendwo ans Herz gewachsen waren. Es gab sogar Parallelen und Verbindungen zu Lichterhaven, der Sommerreihe von Petra Schier, die ich so zunächst gar nicht erwartet hatte.
Die gewohnt stilistischen Aspekte wurden dieses Mal noch um Textnachrichten ergänzt, die ich so bislang nicht aus den Weihnachtshund-Büchern kannte, aber durchaus von Petra Schier. Aus diesem Grund kann ich euch sagen, es war alles irgendwo vertraut und doch sorgte der gewohnte, ja sogar vertraute Stil dafür, dass ich mich in diesem Buch irgendwie heimisch fühlte, so als hätte ich mich in eine Kuscheldecke eingewickelt, die ich in den nächsten Stunden nicht abstreifen wollte.
Atmosphärisch dicht verwebt Petra Schier hier die weihnachtliche, winterliche Atmosphäre hier die Leichtigkeit, die ich sonst aus ihrem Lichterhafen-Romanen kenne. Mit diesem Roman lediglich die Autorin zum Wohlfühlen ein. Ich persönlich würde es daher nicht als einen weihnachtlichen Liebesroman einordnen, obwohl es das vielleicht auch ist, sondern eher als einen weihnachtlichen Wohlfühlroman, bei dem ich irgendwie das vertraute Gefühl hatte, nach Hause gekommen zu sein. Nach Hause in die weihnachtliche Winterwelt, die Petra Schier mit ihrem weihnachtlichen Romanen jedes Jahr aufs Neue erschafft.
Über die Autorin Petra Schier
Seit Petra Schier 2003 ihr Fernstudium in Geschichte und Literatur abschloss, arbeitet sie als freie Autorin. Neben ihren zauberhaften Liebesromanen mit Hund schreibt sie auch historische Romane. Sie lebt heute mit ihrem Mann und einem deutschen Schäferhund in einem kleinen Ort in der Eifel.” (Harper Collins)
Fazit zu “Schneeflöckchen Weißpfötchen” von Petra Schier
Wer meine Beiträge schon länger verfolgt, weiß, dass Petra Schier und ihre Weihnachtsromane für mich schon fast so etwas wie eine Tradition sind, jedes Jahr schreibt sie einen Weihnachtshunde-Roman, und jedes Jahr lese ich einen. Im Sommer greife ich auch gerne zu den Lichterhaven-Romanen, die zwar von der Atmosphäre ein wenig anders sind, bei denen aber auch Hunde eine gewisse Rolle spielen.
Aus diesem Grund war es für mich schon fast obligatorisch, dass ich auch in diesem Jahr wieder einen ihrer Weihnachtshunde-Romane lesen würde. Hat mir dieses Buch nun also gefallen? Ja, ich denke, ich kann sagen, dass ich “Schneeflöckchen Weißpfötchen” gerne gelesen habe und doch fühlt es sich in diesem wir irgendwie anders an. Nicht weniger vertraut als sonst, nicht schlechter oder weniger einladend und doch anders.
Ja, ich denke, dass ich eine Reihe entwickelt und ich denke, das hat sie auch dieses Mal getan. Persönlich bin ich gespannt, welche Entwicklung diese Reihe in den kommenden Büchern wohl nehmen wird, wer als nächstes von Santa Claus einen Weihnachtswunsch erfüllt bekommt und mich in diesem Kontext mit romantischer Stimmung unterhalten darf.
Ich freue mich darüber, dass jedes dieser Bücher etwas Vertrautes hat und kann doch nachvollziehen, wenn man sagt, dass diese Bücher irgendwie erwartbaren sind. Bei Petra Schier oder konkret bei dieser Reihe hat man direkt das Gefühl, zu wissen, was man bekommt. Trotzdem gibt es immer wieder überraschende Wendungen und Entwicklungen, die man so vielleicht nicht vorhergesehen hätte.
Freue ich mich über diese Entwicklungen über diese Wendungen? Ja, auf jeden Fall, denn die machen jede Geschichte bei allen vertrauten Elementen zu etwas Besonderem, zu etwas, dass ich nicht vorhersehen konnte. Ich bin gespannt, wie es im kommenden Jahr weitergeht. Genug Potenzial hat dieses kleine weihnachtliche Dorf auf jeden Fall für weitere Geschichten, solange es dabei stets auch ein Wiedersehen mit früheren Hauptfiguren gibt.
Schneeflöckchen Weißpfötchen
"Schneeflöckchen Weißpfötchen" von Petra Schier ist der aktuelle Titel aus der Weihnachtshund-Reihe. Mit Ellie lerne ich als langjährige Leserin dieser Reihe eine Protagonistin kennen, die in vorangegangen Bänden lediglich eine Nebenrolle hatte - Elli, die als Haarstylistin im Salon ihrer Mutter arbeitet und gleichzeitig mit ihren Freunden Jelena und Arian an ihrer Selbstständigkeit arbeitet.
URL: https://www.harpercollins.de/products/schneeflockchen-weisspfotchen
Autor: Petra Schier
Autor: Petra Schier
ISBN: 9783365011737
Veröffentlichungsdatum: 2025-09-23
Format: https://schema.org/Paperback
4.4
Vorteile
- Wiederkehrende Fixpunkte: Santa, Elfen, Rentiere
- Kontinuität durch Einbindung früherer Figuren
- Sympathische Hauptfigur: Ellie (ehem. Nebenrolle)
- Starkes Freundesquartett/Kleeblatt-Dynamik
- Atmosphärisch dichtes, heimisches Weihnachtssetting
- Emotionales Zentrum: Amara, die gerettete Hündin
- Glaubhafte Verarbeitung von Hunde-Trauma
- Hunde-Ich-Perspektive: Charme und Humor
- Lebendige Dialoge + zeitgemäße Textnachrichten
- Vertrauter, leicht konsumierbarer Wohlfühlstil
- Serienpotenzial für weitere Bände
- Überraschungsmomente trotz Serienform
Nachteile
- - Vorhersehbarkeit durch Serienmechanik
- Zahlreiche Nebenfiguren können überfrachten
- Ton bleibt meist gemütlich; wenig Risiko
- Liebeskonflikt (Patrice) teilweise blass
- Trauma nur oberflächlich beleuchtet
