Leukämie bei Kindern: S. Marschall: Lotte und die Chemo-Männchen

Lotte und die Chemo-Männchen Leukämie bei Kindern: S. Marschall: Lotte und die Chemo-Männchen
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„Lotte und die Chemo-Männchen“ von Sonja Marschall ist ein ganz besonderes Bilderbuch. Wie ihr vielleicht schon am Titel erkannt habt, geht es um Krebserkrankungen. Konkreter, um Leukämie bei Kindern.

Ich weiß, dass Leukämie bei Kindern ein schwieriges Thema ist und umso wichtiger ist dieses Bilderbuch. Warum? Es ist wichtig, auch den kleinen Patienten und ihren Freunden eine Möglichkeit zu geben, sich in einer Geschichte über Leukämie bei Kindern wieder zu finden.

DochBilderbücherwie „Lotte und die Chemo-Männchen“ von Sonja Marschall sind selten. Ein Blick auf die Zahlen der Neuerkrankungen bei Kindern macht jedoch deutlich, wie relevant es ist.

Ein paar Zahlen über Leukämie bei Kindern

Werfen wir also einen Blick in die Statistik, die ich euch an dieser Stelle nicht ersparen kann.
In Deutschland treten jährlich etwa 1.800 neu diagnostizierte Fälle von Krebs bei Kindern unter 15 Jahren auf.Das mittlere Erkrankungsalter für unter 15-Jährige liegt bei fünf Jahren und elf Monaten. Die Erkrankungshäufigkeit ist vor dem fünften Lebensjahr etwa doppelt so hoch wie in der Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen.

Von 2009 bis 2013 wurden in der Altersgruppe der Unterfünfjährigen durchschnittlich etwa 350 Neuerkrankungen pro Jahr erfasst. Diese Zahlen bestätigen die Gesundheitsberichterstattung des Bundes und das Deutsche Kinderkrebsregister. Doch was bedeuten diese Zahlen nun konkret? Von 100.000 Kindern, die geboren werden, erkranken 16 Kinder vor dem 16. Geburtstag an Krebs.

Am höchsten ist die die Wahrscheinlichkeit im Kindesalter an Krebs zu erkranken bei Leukämie bei Kindern und genau mit dieser Krebsart beschäftigt sich „Lotte und die Chemo-Männchen“ von Sonja Marschall.

Worum geht es bei „Lotte und die Chemo-Männchen“?

Auf insgesamt 40 Seiten erleben wir im Rahmen dieses Bilderbuchs die Erkrankung eines Mädchens namens Lotte mit. Lotte ist etwa fünf Jahre. Sie geht in den Kindergarten und ist ein fröhliches und aufgewecktes Kind, das viele Freunde hat.

Doch von einem Tag auf den anderen verändert sich alles. Alles beginnt am Abend. Beim Abendessen hat Lotte keinen Appetit. Außerdem ist sie schrecklich müde. Als ihre Mama ihr beim Duschen hilft, obwohl Lotte das eigentlich schon alleine kann, entdeckt Lotte zahlreiche blaue Flecken. Erklären kann sie sich diese nicht.

Am nächsten Morgen fährt Lotte mit der Mutter deshalb noch vor dem Kindergarten zum Kinderarzt. Der schaut sich die blauen Flecken an, fragt, ob Lotte sich diese erklären kann, und nimmt schließlich Blut ab. Danach geht es für Lotte in den Kindergarten. Als wenig später die Ergebnisse vorliegen, schickt der Kinderarzt seine kleine Patientin zur weiteren Abklärung ins Krankenhaus.

Die Diagnose, die Lotte und ihre Mutter kurze Zeit später erhalten, heißt Verdacht auf Leukämie. Lotte bekommt einen Zugang gelegt und es werden weitere Tests gemacht. Zur sicheren Abklärung wird schließlich Blutserum aus dem Becken abgenommen. Dann steht fest, es ist tatsächlich Leukämie.

Lottes Behandlung beginnt und sie durchlebt die Höhen und Tiefen einer Chemo-Therapie. Während dessen wird ihr immer wieder kindgerecht erklärt, was diese Therapie in ihrem Körper tut. Manchmal ist sie ärgerlich (als ihr die Haare ausfallen), manchmal so schlapp, dass sie nur noch schlafen möchte. Auch Schmerzen machen ihr zu schaffen, aber es gibt auch Tage, da geht ihr gut.

Als wenig später ein anderer kleiner Patient stirbt und Lotte dieses erfährt, steht sie unter Schock, ist wütend und beginnt zu verstehen, dass nicht jeder Mensch mit einer Krebsdiagnose diese überlebt.

Warum Sonja Marschall „Lotte und die Chemo-Männchen“ schrieb

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Während ihrer Schulzeit hat Sonja Marschall als Babysitterin gearbeitet. Als das Mädchen, Lotte, an Leukämie erkrankt erlebt sie mit, wie das Gefühl von Ohnmacht allgegenwärtig wird. Gemeinsam mit Lotte macht sie sich auf die Suche nach einem Bilderbuch, das sich kindgerecht mit dem Thema Krebs beschäftigt. Doch ein solches Bilderbuch gibt es nicht.

Also beschließt Sonja Marschall selbst ein solches Buch zu schreiben. Unterstützt wird sie dabei von unterschiedlichen Kliniken und Stiftungen. Sie hält ihr Versprechen und hat nun gemeinsam mit Illustratorin Sonja Kurzbach und ihren Unterstützern ein Buch erschaffen, das dabei hilft etwas gegen das Gefühl von Ohnmacht und Machtlosigkeit anzugehen. Denn das Wissen und Verstehen einer Situation hilft dabei, sie nicht machtlos hinzunehmen.

Kindgerechte Illustrationen

Ebenso wie die Geschichte selbst kindgerecht und mit Details ausgestattet ist, überzeugen auch die Illustration mit feinfühligen und altersentsprechenden Abbildungen. Die farbenfrohe Darstellung lässt es dabei zunächst wie ein ganz gewöhnliches Bilderbuch erscheinen. Im Verlauf zeigt sich dann aber die besondere Ausrichtung.

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Realistisch, aber nicht beklemmend

„Lotte und die Chemo-Männchen“ von Sonja Marschall wurde nicht geschrieben um den Kindern eine heile Welt zu präsentieren. Stattdessen wurde es geschrieben um durch das Wissen über die (eigene) Erkrankung Ängste abzubauen. Dieser Vorsatz ist wichtig und meiner Ansicht nach auch richtig. Sonja Marschall und Sonja Kurzbach haben es geschafft, ein realistisches, kindgerechtes Buch zu präsentieren, das bei aller Realität keine Angst oder Beklemmung verursacht.

Erklärend, ohne zu belehren

Diese gelungene Mischung ist es auch, die „Lotte und die Chemo-Männchen“ zu etwas Besonderem macht. Bei aller Realität ist es nicht beklemmend, stattdessen ist es erläuternd und hilfreich, ohne das es dabei belehren möchte. Es bietet eine Vielzahl an Informationen, die es Kindern und Eltern ermöglicht, sich ernsthaft und angemessen mit der Erkrankung zu beschäftigen.

Nach der Lektüre dieses Buches, das durch die Eltern vorgelesen werden sollte, weiß das Kind mehr über die Hintergründe einer Krebsdiagnose. „Lotte und die Chemo-Männchen“ von Sonja Marschall richtet sich somit an all jene Kinder, die gerade diese Diagnose erhalten haben, aber auch an gute Freunde in Kindergarten, Kita und Grundschule.

Über die Autorin Sonja Marschall

„Sonja Marschall, geboren 2002, hat im Frühjahr 2019 das Abitur gemacht. Als eines ihrer Babysitter-Kinder erkrankte und sie die Sprachlosigkeit um sich herum spürte, beschloss sie, ein Krebsbuch für Familien zu schreiben, das hilft, den Kindern die Krankheit zu erklären. Sie informierte sich bei Ärzten, machte Praktika, nahm Kontakt zu Organisationen auf. Sie ist ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e. V., Stipendiatin und Gastmitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, aktive Kindervertreterin im Beirat der Deutschen Kinderhilfe e.V. und Preisträgerin des „Young Women in Public Affairs-Award Zonta 2019“. Sie lebt in der Nähe von Frankfurt/Main.“(Patmos Verlag)

Über die Illustratorin Sonja Kurzbach

„Sonja Kurzbach wurde 1983 in Aurich/Ostfriesland geboren und zog nach ihrem Abitur für eine Mediengestalter-Ausbildung nach Bremen. Hier arbeitete sie in verschiedenen Agenturen, wo sich ihre Liebe zur Illustration auch in ihren Arbeiten immer weiter in den Vordergrund schob.

2013 gewann sie schließlich bei einem Illustrationswettbewerb ein Stipendium an der Akademie für Illustration und Design Berlin und zog in die Hauptstadt. Hier lebt, studiert und arbeitet sie nun als freie Illustratorin. Wenn sie Zeit findet, erstellt Sie Siebdrucke, die online über ihren Shop zu bestellen sind. Ihre Arbeiten kann man auf ihrer Website shortriver.de ansehen.“(Amazon)

Fazit zu „Lotte und die Chemo-Männchen“ von Sonja Marschall

„Lotte und die Chemo-Männchen“ von Sonja Marschall möchte motivieren, unterstützen und Mut machen. Es richtet sich an die 1800 Familien mit Angehören und Freunden, die jedes Jahr von einer Krebsneuerkrankung bei einem Kind überrascht werden.

Leukämie bei Kindern ist dabei nur eine von zahlreichen Krebsarten, die es im Kindesalter geben kann. Meiner Meinung nach ist dieses Bilderbuch  somit eine Chance, die eigene Ohnmacht in einer solchen Situation abzulegen. Es trägt zum besseren Verständnis bei.

Gleichzeitig jedoch ist „Lotte und die Chemo-Männchen“ von Sonja Marschall somit nicht für alle Familien gedacht, sondern eher etwas für diese spezielle Zielgruppe. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass jede Familie in diese Situation kommen könnte, entweder weil ein eigenes Kind oder gute Freunde betroffen sind. All jenen Familien möchte ich „Lotte und die Chemo-Männchen“ von Sonja Marschall empfehlen.

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