„Königspatience – Intrige im Parlament“ von Niels Krause-Kjaer

„Königspatience – Intrige im Parlament“ von Niels Krause-Kjaer
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„Königspatience – Intrige im Parlament“ von Niels Krause-Kjaer ist ein durchaus ungewöhnlicher Krimi, den ich persönlich auch gar nicht als solchen eingeordnet hätte. Vielmehr ist es ein gesellschaftskritischer, hinter die Kulissen blickender Spannungsroman.

Dabei kann man gar nicht sagen, welche Figur eigentlich wie im Mittelpunkt steht, denn es gibt eine ganze Reihe von Figuren, die für die Geschichte unabdingbar sind.

Zu Beginn dieses mitreißenden Romans sorgt ein Autounfall für Spannung, bei dem eine Frau ums Leben kommt und ein hochrangiger Politiker Dänemarks auf der Intensivstation um sein Leben ringt. Die Lebensgefahr des einen löst ein Machtstreben aller anderen aus.

Verwunderlich ist dieser Aspekt sicher nicht, denn wenn ein hohes Tier gezwungen ist, seine Führungsposition aufzugeben, entsteht dieser Machtkampf nicht nur menschlichen Umfeld, sondern ist auch aus dem Tierreich bekannt.

Kennen wir in einer demokratischen Gesellschaft das Streben nach Macht als Wahl, ist dies keinesfalls in allen Ebenen der Fall. Doch auch in einer demokratischen Gesellschaft, in der gewählt wird, entsteht durch dieses Ringen um Macht eine Art Vakuum und einige Menschen, die im Hintergrund die Strippen ziehen, wirken nach außen ganz harmlos.

„Königspatience – Intrige im Parlament“ von Niels Krause-Kjaer: Aus der Perspektive der vielen

Spannend wird dieser gesellschaftspolitische Thriller, der eigentlich ein Spannungsroman ist vor allem durch die Tatsache, dass aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Die Herausforderung für mich als Leserin dieses bestand also darin, die einzelnen Erzählstränge zu einem großen Ganzen zusammen zu leben und gleichzeitig die Übersicht zu verlieren.

Alle Macht dem Volke heißt es in den Demokratien und tatsächlich wird in einer Demokratie häufig auch die Medienlandschaft als eine Art vierte Gewalt oder besser gesagt als eine Art der Aufsicht für Exekutive, Legislative und Judikative angesehen.

Genau diese Aspekte greift der Autor auch in diesem ungewöhnlichen Spannungsroman auf, denn er lässt mit Ulric Torp eine noch recht jungen und unerfahrenen politisch interessierten Journalisten eine Figur auftreten, die ihm selbst nicht ganz unähnlich ist. Niels Krause-Kjaer ist eine der bekanntesten dänischen Journalisten der Gegenwart.

Da es sich bei Ulric aber um einen vergleichsweise unerfahrenen Journalisten handelt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass er vergleichsweise schleichend zum Spielball der Mächtigen wird. Alles in allem könne man hier von einem guten Buch reden, doch „Königspatience – Intrige im Parlament“ ist anders, denn als Leser selbst mit in die Geschichte hineingezogen.

Die Sogwirkung, die hier entsteht ist aber keinesfalls die klassische Spannung eines Thriller, sondern eher eine Folge der Tatsache, dass man als Leser auf die Idee kommen könnte, eine vergleichbare Geschichte könnte sich genauso zugetragen haben.

„Königspatience – Intrige im Parlament“ von Niels Krause-Kjaer: Einblicke in parlamentarische Abläufe

Die Einblicke in parlamentarische Abläufe wurden geschickt in diesen Spannungsroman eingewoben. Somit muss man, wenn man diesen Roman empfehlen möchte ein Interesse für Politik voraussetzen.

Wer jedoch tagtäglich mit politischen Entscheidungen zu tun hat oder sich täglich mit mit etwas vergleichbarem beschäftigt, könnte sich hier zu langweilen anfangen. Zwar handelt es sich um eine überaus lebendige Geschichte, die insbesondere zu Beginn so wird, als wäre man in einem Bienenstock unterwegs, allerdings ist die Handlung selbst auch eine große Herausforderung.

Ursache hierfür ist vermutlich die Tatsache, dass Niels Krause-Kjaer selbst in einigen Praktikern Erfahrungen mit den parlamentarischen Abläufen sammeln konnte. Diese Kenntnis die vermutlich noch viel weiter reicht fängt er gekonnt im Rahmen dieses Romans ein.

Das macht „Königspatience – Intrige im Parlament nun nicht unbedingt zu einem der leichtesten Romane, aber mit Sicherheit zu einem sehr informativen. Wäre dieser politische Thriller in Deutschland angesiedelt, würde ich sagen, dass man ihn unbedingt lesen sollte.

Die Herausforderung für mich als Leserin bestand nämlich darin, mit den zahlreichen dänischen Namen zurechtzukommen und aufgrund der Vielzahl die Übersicht zu verlieren. Ich bin mir daher nicht ganz sicher, ob es nun tatsächlich daran liegt, dass der Spielort in Dänemark liegt, allerdings dauerte es eine ganze Weile, bis ich einen Zugang zu diesem Buch bekam.

„Königspatience“: warum es weniger um Schach geht

hatte ich weiter oben bereits erwähnt, dass es um das Strippen ziehen aus dem Hintergrund geht, möchte ich an dieser Stelle noch anmerken, dass der Begriff der Königspatience auserwählte Schachs kommt, doch geht es in diesem Buch vergleichsweise wenig um Schach, sondern eher um strategische Winkelzüge, die man durchaus als ein raffiniertes Schachspiel ohne Brett bezeichnen kann.

Hier geht es keinesfalls darum einen Krieg zu gewinnen oder jemanden Schachmatt zu setzen, sondern tatsächlich darum auf die Position des mächtigsten Politikers eines Landes zu gelangen. Auf dieser Basis beginnt ein spannender Krimi beziehungsweise Thriller, der doch keine klassischen Elemente eines Thriller oder Krimis aufweist.

Im Verlauf des Buches erfährt man zwar mehr über die Hintergründe des Unfalls und auch über die Machtbestrebungen der einzelnen Menschen im Parlament, und doch könnte man die Raffinesse dieses Krimis eher darin sehen, dass auf den ersten Blick gar nichts untypisches passiert ist.

Ein Unfall, wie man ihn tagtäglich erleben könnte und er doch viel mehr ist als das, was er zu sein vorgibt.

„Intrigen im Parlament“: Das Streben nach Macht und die Einflussnahme

Wie in jedem guten politischen Thriller gibt es bei „Königspatience – Intrigen im Parlament“ eine ganze Reihe von Verwicklungen, sodass mich das ganze irgendwo an einem mittelalterlichen Roman erinnert, in dem die Borgia eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Gut, ich gebe es zu, die Borgia spielen hier keine Rolle, und doch erinnert die Art, wie früher Strippen gezogen wurden auch in der Gegenwart noch sehr daran. Dass dieser Roman der Gegenwart spielt, ist genauso falsch wie richtig, denn als dieser Roman in seiner dänischen Originalfassung auf den Markt kam, spielte er in der Gegenwart jetzt liegt die damalige Gegenwart aber schon in der Vergangenheit.

An den Abläufen selbst dürfte sich zwar nicht so viel verändert haben, und auch muss man wohl sagen, dass dieser Thriller eine Zeitlosigkeit besetzt, mit der man so nicht rechnen konnte.

Die dänische Verfilmung mit Lars Mikkelsen würde ich mir tatsächlich gern einmal ansehen, auch um festzustellen, ob die Lebendigkeit und die Intriganten, die in diesem Thriller thematisiert sind so gekonnt umzusetzen waren, wie man es sich nach dem Lesen dieses Romans wünschen würde.

Leider habe ich keine englische oder deutsche Version dieses Films finden können, sodass ich mich damit zunächst abfinden musste.

Fakt ist aber, dass die lebendige Art der Darstellung gut dafür sorgt, dass ich auch als Leserin eine konkrete Vorstellung der Handelnden bekomme. Auf diese Weise erscheint mir das Streben nach Macht und die Einflussnahme von außerhalb, aber auch von innerhalb eines Gefüges fast so gefährlich wie ein Spinnennetz, in das man sich verwickeln kann und genau diese Gefahr wird anhand von Ulric Torp auch gut thematisiert.

„Königspatience – Intrige im Parlament“ von Niels Krause-Kjaer: Stilistisches

Politische Krimis lese ich eher selten, weil sie mich bei aller Faszination für Strategie meist nicht mitreißen können. Aus diesem Grund kann ich keinen Vergleich zu einem anderen politischen Thriller ziehen und es mit einem politischen Sachbuch vergleichen, wäre wohl auch der falsche Weg.

Mir erscheint es allerdings so, als wäre die sachliche Präzision, mit der dieser Thriller verfasst wurde, genau das richtige um die Geschichte zu erzählen. Mit einer gewissen Präzision und Schärfe gelingt es Niels Krause-Kjaer nämlich den Leser in seinen Bann zu ziehen.

Auf diese Weise erinnert es mich ein wenig an gleich zwei Wirtschaftskrimis von Birand Bingül, die ich vor einiger Zeit gelesen habe, denn als Leser blicken wir ja bekanntermaßen hinter die Kulissen und lernen ganz nebenbei etwas darüber, wie es ist, sich in solchen Kreisen zu bewegen.

Stilistisch leichtfüßig und mit der Sicherheit eines Tänzers auf dem Parkett geleitet uns der Autor durch seinen Roman und wirkt dabei immer wieder unsere Neugier. Dabei kann man nicht sagen, dass er eine Wohlfühlstimmung erzeugt, sondern eher außen vor bleibt, aber genau das hatte ich bei „Königspatience – Intrige im Parlament“ auch erwartet.

Bei aller nüchternen Sachlichkeit merkt man nämlich schnell, dass der Autor hier für seine Sache brannte.

Über den Autor Niels Krause-Kjaer

„Niels Krause-Kjær ist einer der bekanntesten dänischen Journalisten und Leiter des Journalismusprogramms an der Universität Süddänemark. Für den Thriller „Königspatience“ schöpfte er aus seinen Erfahrungen als Pressesprecher im dänischen Parlament. Die Romanverfilmung mit Lars Mikkelsen gewann mehrere Preise.“ (Saga Egmont)

Fazit zu „Königspatience – Intrige im Parlament“

Hatte ich bei diesem Thriller zunächst etwas völlig anderes erwartet, benötigte ich einige Zeit, um mich in den Stil von „Königspatience – Intrige im Parlament“ einzulesen. Insgesamt habe ich bis jetzt keine Idee, warum es mir so schwer fiel, einen Zugang zur Geschichte zu finden.

Ich darf allerdings sagen,dass es mir letztlich doch noch geglückt ist, sodass ich am Ende glücklich sagen kann, diese Geschichte ist nicht ganz leicht und trotzdem lesenswert.

Für Freunde eines politischen Krimis, dürfte dieser Roman für eine gewisse Freude und Euphorie sorgen. Für mich, die selber sehr genau weiß, welche Strippen auf die Medien einwirken, entwickelte der Spannungsroman eine gewisse Tiefe. Er unterhielt mich und amüsierte mich, aber er besaß nicht die Sogwirkung, die ich gemeinhin erwartet hatte, bis ich tatsächlich einen Zugang zur Geschichte gefunden hatte.

Da dieses Buch mit seinen knapp über 200 Seiten nicht sonderlich umfangreich ist, hatte ich eigentlich erwartet, diese Geschichte innerhalb eines Wochenendes oder gar eines Tages lesen, doch zumindest bei mir war dies nicht der Fall, da ich es immer wieder zu Seite legte, um über die einzelnen Episoden, Szenen und strategischen Verwicklungen nachzudenken. Dadurch verzögerte sich die Geschichte und verlor auch gewissermaßen ihren Reiz.

Im Nachhinein kann ich jedoch sagen, dass „Königspatience – Intrige im Parlament“ von Niels Krause-Kjaer vermutlich spannender gewesen wäre, wenn ich es nicht gelesen hätte, wie ein Sachbuch. Auf dieses Buch muss man sich einlassen.

Es braucht Zeit, Interesse an Politik und gleichzeitig eine gewisse Teilhabe an der Geschichte, ich als Leserin erst im Verlauf des Buches kennengelernt habe. Man muss sich ähnlich wie Ulric Torp in Wespennest begeben und die Geschichte mitfühlen. Somit ist es kein Buch, das man mal eben an einem Wochenende liest.

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