“Jubilate!” von Johanna Alba und Jan Chorin

Voraussichtliche Lesezeit: 5 Minuten.

“Jubilate!” von und ist der fünfte Teil der Papstkrimis um Petrus II. Na, wenn das kein Grund zum Feiern ist: Es ist Zeit für das alljährliche Sommerfest, das praktischer Weise immer immer mit Kardinal Federicos Geburtstag verbunden ist. Anlass genug für Federico, auch in diesem Jahr wieder die gesamte Familie Santini, um sich zu scharren. Schließlich hat er hat noch eine Bekanntgabe zu machen: Federico hat von seinem Arzt eine niederschmetternde Diagnose erhalten und befürchtet schon bald zu sterben. In Erwartung seines baldigen Todes möchte er sein Testament ändern und diese Änderungen mit der Familie besprechen.

Erbin wider Willen

Da das einstige Vermögen der aus dem Hochadel stammenden Familie aufgebraucht ist, macht sich niemand große Gedanken. Doch dann offenbart Federico, dass er der Hüter Familienmilliarden sei und seinem baldigen Tod entgegensieht. Sein Erbe ginge an eine intelligente Person, die eine Familie gründen könne und das Vermögen vermehre. Seine Wahl sei auf seine Nichte, Contessa Giulia, gefallen. An das Erbe sei aber eine Bedingung geknüpft: Giulia müsste innerhalb von sieben Tagen heiraten.

Heiraten entspricht allerdings so gar nicht ihrem Lebensplan. Giulia liebt ihre Freiheit und der einzige Mensch, der für sie in Frage käme, ist ausgerechnet Franziskaner-Mönch und der Privatsekretär des Heiligen Vaters. Mit Francesco könnte sie sich von ihrem Lebensentwurf verabschieden, aber Francesco hat sich ja lebenslang an Gott gebunden.

Giulia überlegt also bereits abzusagen, doch am nächsten Tag kommt es zu einem Zwischenfall, der sie doch noch einmal überlegen lässt. Jemand trachtet ihr nach dem Leben und möchte das Erbe verhindern.

Braut wider besseren Wissens

Natürlich wird damit Giulias Kampfgeist geweckt und sie nimmt die Herausforderung an. Eine Hochzeit binnen von sieben Tagen zu organisieren ist kein Problem und auch einen passenden Kandidaten gäbe es ja schließlich, wäre dann deutlich die Sache mit der Dispens. Aber dafür weiß Petrus II doch sicher Rat. Also stürzt sich Giulia gemeinsam mit Francesco, Tante Eugenia und Papst Petrus II in die Ermittlungen.

Wer war überhaupt bei dem ersten Anschlag zugegen? Fünf Leute, die alle die Möglichkeit hatten, ihren Kaffee zu vergiften. Ungünstig, dass nahezu jeder dieser fünf ein Motiv hat, wie sie nach und nach herausfinden werden. Doch Giulia traut eigentlich niemandem diese auf den ersten Blick ebenso niederträchtige wie unüberlegte Tat zu. Doch irgendwer muss dahinter stecken.

Papst Petrus II hat mittlerweile natürlich die Ermittlungen des Falls übernommen und plant und koordiniert alles. Jeder hat seine Aufgabe und Tante Eugenia, die eigentlich alles andere als eine Nonne ist, geht sogar in das Urlaubsressort des Nonnenklosters der bußfertigen Begonninen um etwas über die Haushälterin das Kardinals zu erfahren.

Natürlich nimmt der Papst es bei ihr mit den Regeln der Nonnen nicht ganz so genau, unterstützt sie sogar dabei, heimlich Wein und andere Leckereien hinein zu schmuggeln und somit die Klosterälteste auf ihre Seite zu ziehen. Alles in allem sind die Ermittlungen wieder einmal äußerst kreativ.

Ein unglaublich moderner Gedanke

Gleichermaßen humorvoll, wie auch spannend gestaltet sich dieser Fall, der für Giulia in einer Ehe enden könnte oder in einem tragischen Tod. Letzteres gilt es natürlich auf jeden Fall zu verhindern. Und auch wenn Papst Petrus II bei Ersterem unkonventionelle Wege gehen muss, scheint er doch nichts gegen die Beziehung seiner Pressesprecherin zu seinem Privatsekretär zu haben. Oder etwa doch?

Gelungene Mischung aus Chaos, Romantik und Spannung pur

Ja, so oder so ähnlich ließe sich die Atmosphäre in dieser Geschichte zusammenfassen. Denn das Chaos entsteht absolut gewollt, durch die Vielzahl der verdächtigen, aber auch durch die Tatsache dass so viele ein echtes Motiv hätten, oder zu mindestens ein scheinbares. Letztendlich steckt natürlich nur eine einzige Person hinter den Anschlägen auf Giulia. Doch diese zu ermitteln, erscheint alles andere als einfach noch dazu, da er parallel die Hochzeitsvorbereitungen stattfinden müssen, notfalls auch nur um den Schein zu wahren.

Neben dem leicht chaotischen Familienfest ist es natürlich auch noch eine Spur romantisch, da man als Leserin oder Leser dem Brautpaar tatsächlich nur das Beste wünscht, nämlich endlich ihr Happy End zu bekommen. Ob es das am Ende geben wird oder was es verhindern kann, verrate ich euch an dieser Stelle natürlich noch nicht. Bei diesem Buch empfiehlt es sich dringend, vorab die vorangegangenen Teile zu lesen, da man sich sonst die gesamte Vorgeschichte der beiden Protagonisten, die für jedes einzelne Buch von und von Wichtigkeit waren, nimmt.

Spannend ist der aktuelle Fall natürlich ebenfalls, denn bis zuletzt wäre mir die Auflösung dieses Falls in der hier aufgezeigten Form nicht eingefallen. Jeder einzelne der verdächtigen gefiel mir ausgesprochen gut, auch wenn jeder sein Motiv gehabt hätte, hätte ich es doch eigentlich niemandem zugetraut. Natürlich gab es Indizien, die von Papst Petrus II völlig korrekt interpretiert wurden und dennoch glaube ich, dass diese Anschläge niemals dem wahren Verursacher zuzutrauen gewesen wären. Gerade das macht auch den Reiz dieser Geschichte aus.

Über und

ist Kulturjournalistin und Kunsthistorikerin. Sie hat unter anderem in Rom studiert, wo sie in einer Künstler-WG gleich hinter dem Vatikan wohnte. Heute schreibt sie für verschiedene namhafte Magazine über Literatur, Kunst und Geschichte.
ist Historiker und hat sich auf europäische Religions- und Geistesgeschichte spezialisiert.
Die Autoren sind verheiratet und leben mit ihren Kindern in München.” (Über die Autoren)

Fazit

Auch hier konnten mich die Papstkrimis wieder einmal voll und ganz überzeugen. Gerade dieser letzte Fall, von dem ich zunächst nicht sicher war, ob es sich vielleicht um ein Reihen-Finale handelt, hat neben den ganzen Spannungselementen, der zweifelsfrei aufweist, auch noch seine ganz besondere Charakteristik. Ja, dieses Buch übt auf moderne Weise Kritik am Zölibat, an der Ehelosigkeit in der katholischen Kirche und sicher auch an einigen anderen Dingen. Dennoch attackiert es die Kirche nicht und respektiert gleichwohl die Meinungen, die dort vertreten werden.

Dieses Buch ist sicherlich nichts für all jene, die konservativ dem altbewährten hinterher rennen, sondern erst wenn diejenigen, die durchaus auch einmal über einige Aspekte nachdenken möchten, an die man vielleicht gar nicht rütteln sollte oder möchte.

Kann ich das Buch also empfehlen? Auf jeden Fall! Dieses Buch bietet neben Unterhaltung auch einigen Stoff zum kritischen Hinterfragen, zum über den Tellerrand hinausblicken.Ich persönlich würde mich über eine Fortsetzung dieser Reihe sehr freuen und hat mir sogar über Instagram mitgeteilt, dass ihnen die Ideen noch nicht ausgegangen sind. Also darf ich wohl auf eine Fortsetzung hoffen. Ich bin gespannt.

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