20.15 Uhr, ZDF-Herzkino: “Ein Sommer in der Toskana”

Voraussichtliche Lesezeit: 6 Minuten.

Alessandro della Torre (Kerem Can), Laura Hansen (Wolke Hegenbarth).(c) ZDF/Christiane Pausch

“Ein Sommer in…” feiert seinen 30. Film. Dieser wird heute um 20.15 Uhr im ZDF-Herzkino gezeigt. In diesem spielen Wolke Hegenbarth und Kerem Can die Hauptrollen. Wolke Hegenbarth kenne ich schon aus vielen anderen Formaten. Darunter Serien wie “Alles Clara”. Aber auch wenn wir einen Blick in die entferntere Vergangenheit werfen, erinnern wir uns an “Mein Leben und ich”, ihr erster großer Erfolg als Schauspielerin, und einige andere Filme und Serien. Es ist ihre erste Rolle im Rahmen einer Herzkino-Verfilmung.
Auch Kerem Can ist mir aus einem Herzkino-Film in guter Erinnerung geblieben. Er spielte den Leon Bär in der Märchen-Neuverfilmung “Schneeweißchen und Rosenrot”. In anderen Filmen und Serien hat er häufige Gastrollen, wie zum Beispiel bei “In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte”, wo er als Navid den Ex-Mann von Leyla Sherbaz gibt, der aber leider nicht regelmäßig anwesend ist, da er in London lebt. Durch die gemeinsame Tochter und Enkelin stehen sie doch immer mal wieder in Kontakt.

Zum Inhalt “Ein Sommer in der Toskana”

“Ein Sommer in der Toskana” erscheint nun zunächst als klassischer Urlaubstraum, zumindest möchten viele Menschen gerne in der Toskana Urlaub machen. Doch um die traumhafte Kulisse geht es bei dieser Verfilmung nicht in erster Linie. Steht doch ein trauriger Anlass am Anfang der Geschichte. Das ZDF verrät vorab: “Im Nachlass ihrer erst kürzlich verstorbenen Mutter findet Modejournalistin Laura ein Flugticket nach Pisa und die Adresse eines Hotels in Lucca. Sie reist nach Italien, um herauszufinden, was ihre Mutter vor ihr und ihrem Vater verheimlicht hat. Dabei lüftet sie ein Geheimnis: Einmal im Jahr, immer zur gleichen Zeit am selben Ort, hat sich ihre Mutter Gloria mit Emanuele della Torre getroffen. Die beiden hatten eine Affäre.
Laura verliebt sich ausgerechnet in den Wirtschaftsanwalt Alessandro della Torre. Dieser ist nicht nur Emanueles Sohn. Er ist auch in die Machenschaften verstrickt, für die sich Journalistin Laura aus beruflichen Gründen interessiert: In Prato produzieren rund 300.000 chinesische Arbeiter unter ausbeuterischen Bedingungen Mode “Made in Italy” – auch für europäische Premium-Labels. So gerät Laura in einen Strudel aus Verrat und Betrug, der ihr beinahe den Glauben an die Liebe nimmt.”

Es handelt sich aber nicht um eine Geschichte, die nicht schon einmal in anderer Gestalt erzählt wurde. Sofort fällt dem Zuschauer die Verfilmung “Avanti, Avanti” von Billy Wilder mit Jack Lemmon ein. Diese herrliche Komödie scheint einen ähnlichen Verlauf zu nehmen. Anstelle des Aufeinandertreffens zweier Kulturen geht es hier aber gesellschaftskritischer voran. Die Ausbeutung der chinesischen Arbeiter und die Darstellung der europäischen Modeindustrie werden in diesem Film durchleuchtet. Es gibt hier also mehr gesellschaftliche Relevanz als in der vergleichbar harmlosen Vorgängerverfilmung. Das Thema der Ausbeutung durch die Modeindustrie in Schwellenländern ist aktueller denn je.

Die Hauptdarsteller im Interview

Wolke Hegenbarth im Interview mit dem ZDF

Sie spielen die Hauptrolle im 30. Film der “Ein Sommer in”-Reihe. Was hat Sie am Drehbuch zu “Ein Sommer in der Toskana” begeistert?
Ich freue mich, bei einer so traditionsreichen Reihe mitzuspielen, bei der auch schon so viele tolle Kollegen mitgemacht haben. Ich befinde mich also in bester Gesellschaft. Mit der Hauptrolle habe ich die reizvolle Aufgabe, den Film maßgeblich zu prägen. Das ist für mich als Schauspielerin immer wieder spannend.
Lauras Mutter hatte jahrzehntelang eine Affäre, die sie vor ihrer Familie verheimlicht hat. Wie fühlt sich Laura, als sie schließlich dahinterkommt?
Wie Laura mit dieser unerwarteten Entdeckung umgeht, schaut man sich am besten am 28. April im ZDF an (lacht).
Der Film thematisiert auch die miserablen Bedingungen, unter denen chinesische Arbeiter in Prato Mode “made in Italy” fertigen. Sind Nachhaltigkeit und Fairtrade für Sie relevante Themen? 
Auf jeden Fall. Ich beschäftige mich im Moment intensiv mit dem Thema “Fair Fashion”. Es gibt schon einige Marken, die fair und nachhaltig produzieren, aber man muss umdenken und kann nicht mehr wie bisher in die gängigen High-Street-Läden gehen. Ich finde es wichtig, zu wissen, wer die Kleidung gemacht hat und unter welchen Umständen sie gefertigt wurde. Natürlich kaufe ich ab und zu etwas, aber dann ausgewählt und nicht auf Masse.
Sie engagieren sich ehrenamtlich, verbringen jedes Jahr einige Wochen auf einem Hospitalschiff. Hat man als Individuum in der heutigen Gesellschaft die Möglichkeit, Missständen entgegen zu wirken?
Ja, natürlich. Ich habe die Möglichkeit und sogar die Verpflichtung, auf meine Art Gutes zu tun. Diese Aufgabe haben wir alle. Dafür muss man nicht wie ich nach Afrika reisen, es reicht ja schon im unmittelbaren Umfeld zu schauen und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu helfen.   “

Kerem Can im Interview mit dem ZDF

“Ein Sommer in der Toskana” ist bereits der zweite “Herzkino”-Film, in dem Sie mitspielen. Was macht für Sie den Reiz dieses Sendeplatzes aus?
Der Sonntagabend um 20.15 Uhr ist einer der besten Sendeplätze des deutschen Fernsehens, das sagt eigentlich alles.
Alessandro hat sich von seiner Freundin getrennt, weil ihr die Karriere wichtiger war als Familie. Was sind für Sie absolute No-Gos in einer Beziehung?
Die Beziehung zweier Menschen ist so individuell, wie jeder einzelne Mensch für sich. Gos und No-Gos vorab festzulegen, ist da schwierig, finde ich. Aber wenn ich etwas abstoßend finde, dann sind das Geiz, Ignoranz, Humorlosigkeit, Rauchen und lange Fingernägel.
Laura bricht in die gut situierte Welt von Alessandro und seiner Familie ein, ohne sich verbiegen oder beeinflussen zu lassen. Wären Sie im wirklichen Leben von solch einer unbestechlichen Frau auch beeindruckt?
Definitiv. Laura ist ein Mensch, der uns daran erinnert, dass es wichtig ist, Dingen auf den Grund zu gehen und gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen. Alessandro hat dafür einen Preis bezahlt und hat sich inzwischen in seine Welt der Reichen und Schönen zurückgezogen. Laura erinnert ihn daran, dass es wichtig ist, da wieder rauszukommen. Insofern ist sie wie ein Appell an uns alle hier draußen.
Sie sprechen im Film sehr gut Italienisch. Wie kommt das?
Die Leidenschaft und das Interesse für Sprachen wurden mir in die Wiege gelegt, da ich selbst bilingual aufwuchs und durch meine Großmutter zusätzlich noch in stetem Kontakt mit der französischen Sprache stand. Später kam so eins zum anderen: Ich habe während meines Studiums in einem neapolitanischen Restaurant als Valet [Anmerkung der Redaktion: es handelt sich hierbei um eine Art Autopark-Service. Man gibt sein sein Auto ab, es wird geparkt und nach Bedarf wieder zurück gegeben] gearbeitet und während der Arbeit viel zugehört.
Dann war ich auch mal internationaler Call-Center-Agent und saß da neben Sergio, der die italienische Hotline betreut hat. Zwischen den Calls haben wir uns dann auf Italienisch unterhalten – über Fußball, Politik, den Sinn des Lebens.”

Erwartungen

Ich erwarte an dieser Stelle einen starken, aber auch gesellschaftskritischen Film. Sicherlich steht die Kritik hier nicht im Mittelpunkt der Verfilmung, denn im Herzkino geht es auch immer um die nötigen Wohlfühl-Einheiten, somit rechne ich eigentlich eher, dass die Liebesgeschichte der beiden Hauptfiguren im Mittelpunkt stehen wird. Aber zumindest wird hier mehr Gesellschaftskritik geäußert als in den Rosamunde-Pilcher-Filme. Jede einzelne Herzkino-Reihe weist also ihre individuellen Stärken auf.

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