“Trügerische Sicherheit”: ZDF, 20.15 Uhr

„Trügerische Sicherheit“: ZDF, 20.15 Uhr
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Magnus Mittendorf (Christian Berkel, l.) lernt seine neue Pressesprecherin Katharina Borba (Friederike Becht, r.) kennen und lobt ihre Ideen. Von ihrer diskret gehaltene Beziehung zu seinem Personenschützer Jonas Neimann (Max Simonischek, M.) weiß er jedoch nichts. (c)ZDF/Christine Schroeder

Mit “Trügerische Sicherheit” zeigt das ZDF heute Abend um 20:15 Uhr einen ungewöhnlichen Krimi mit Christian Berkel in der Rolle des fiktiven Lokalpolitikers Magnus Mittendorf. Angesichts der in diesem Film angedeuteten sexuellen Übergriffe könnte man natürlich gleich an die sogenannte #Metoo-Debatte denken.

Spannung dürfte bei diesem Thriller, der eigentlich eher ein Drama ist garantiert sein, da ein sexueller Übergriff definitiv etwas ist, dass das Leben nachhaltig verändert. Normalerweise hätte ich von einer Empfehlung dieses Films Abstand genommen, allerdings weiß ich einerseits um die Brisanz des Themas und andererseits um die gute Besetzung.

Auch die besondere Perspektive führt dazu, dass ich euch diesen Film trotz aller Skepsis vorstellen möchte. Denn normalerweise werden #Metoo- Debatten allzu häufig aus der Perspektive von Frauen erzählt. Frauen sind die Opfer des Übergriffs.

In diesem Punkt macht der Film keine Ausnahme, allerdings wird der gesamte Film aus Sicht der männlichen Perspektive dargestellt. Nicht aus Sicht der Täter oder der Opfer, sondern aus der Sicht all jener Männer, die sonst noch etwas über den Vorfall sagen können.

Zu behaupten, dass ich mich auf den Film heute Abend freue, wäre wohl das falsche Signal. Vielmehr ist es so, dass die Brisanz dieses Themas aus der ungewöhnlichen Perspektive meine Neugier geweckt hat.

Die Geschichte, die erzählt wird ist eine klassische #Metoo-Geschichte, also keinesfalls so extrem wie bei dem Roman “Meine dunkle Vanessa” von Kate Elisabeth Russell. Gleichwohl muss an dieser Stelle davon ausgegangen werden, dass der Film, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin, ob es sich nun um einen Krimi oder ein Drama handelt, auch nicht verharmlost.

Worum geht’s “Trügerische Sicherheit”?

Kriminalkommissar Jonas Neimann ist seit Jahren der Personenschützer des Lokalpolitikers Magnus Mittendorf und der gesamten Familie verbunden. Doch eines Tages gerät er in ein Dilemma.

Mit der neuen Pressesprecherin des Teams, Katharina Borba, führt er eine noch diskret gehaltene Beziehung. Nach einer Feier des Teams zu einem gelungenen Wahlauftritt ist Katharina für Jonas plötzlich nicht mehr zu sprechen. Hat er Grund zur Eifersucht?

Hat er Katharina falsch eingeschätzt? Deren neidischer Pressechef Lenterer macht anzügliche Bemerkungen: Katharina würde sich der Karriere halber an Mittendorf heranmachen.

Schließlich erzählt Katharina, dass Mittendorf auf der Feier sexuell übergriffig geworden sei, sich später dafür mit einem Blumenstrauß entschuldigt habe. Jonas drängt Katharina, den Vorfall umgehend anzuzeigen, doch sie zögert. Denn es gibt keine Beweise.

Jonas steht zwischen seinen Gefühlen zu Katharina und der Loyalität zu Mittendorf. Als es zu einem bedrohlichen Vorfall kommt, weiß Jonas, dass er sich entscheiden muss, um seinen Job weiter ausüben zu können. Jonas handelt.

“Trügerische Sicherheit”: Ist die Zeit reif für einen solchen Film?

Dass sich auch das ZDF selbst der Brisanz dieses Films bewusst ist, macht Karina Ulitzsch deutlich, die als Redakteurin der Redaktion Fernsehspiel zwei für diesen Film verantwortlich war. Sie erklärt in einem Statement:

“Kann man einen #MeToo-Fall aus der männlichen Perspektive erzählen? Ja, ich denke, es ist an der Zeit, das Thema auch einmal aus der männlichen Perspektive heraus anzusehen – freilich nicht aus der Perspektive der Täter, aber wohl aus der von Männern, die ein solches Vergehen mitbekommen.

Diese Geschichte erzählt den Täter und den Freund des Opfers, der Verantwortung übernimmt, als er von dem Übergriff erfährt. Letzterer darf gerne als Vorbild gelten. Aber kann man so weit gehen, innerhalb einer Geschichte, die hauptsächlich den Beruf des Personenschützers zum Thema hat, einen sexuellen Übergriff als Subplot zu erzählen? Das bleibt zumindest, meine ich, heutzutage noch eine herausfordernde Gratwanderung.

Es lag also auf der Hand, dass es während der Entwicklung manche hitzige Diskussion geben würde. Wie viel Raum gibt man der weiblichen Figur? Was muss, Subplot hin oder her, von ihr erzählt werden? Wie viel Information kann man in wenige Bilder packen?

Die vielfach typische, so fatale Selbstbeschuldigung der Betroffenen, ihre drängend in Unordnung geratene Gefühlslage und eine rationale Analyse, wie mit dem Übergriff in diesem Fall am besten umzugehen ist – all das steckt hier in einem komplexen Bild, das Friederike Becht wunderbar zerrissen zwischen Emotion und rational präziser, kühl abwägender Analyse spielt.

Katharinas Analyse ergibt, dass eine Anzeige ihr mehr schaden als nutzen würde. Es schmerzt mich, das erzählen zu müssen. Viel lieber wäre mir persönlich ein ermunterndes “Geh’ zu, zeig’ an” gewesen, als Ermutigung für alle betroffenen Frauen.”

“Trügerische Sicherheit”: Die Besetzung

Jonas Neimann wird von Max Simonischek gespielt. Jonas Neimann ist Personenschützer und somit für die Sicherheit von Magnus Mittendorf zuständig. Max Simonischek ist die eigentliche Hauptfigur in “Trügerische Sicherheit“.

Wobei man auch die Rolle von Christian Berkel, der zweiten männlichen Hauptrolle in “Trügerische Sicherheit“ eine gewisse Wichtigkeit zuordnen sollte. Christian Berkel übernimmt diese heikle Rolle und verkörpert den Lokalpolitiker vermutlich gewohnt eloquent.

Katharina Borba ist die Pressefrau von Magnus Mittendorf und gleichzeitig sein vermeintliches Opfer. Gespielt wird diese ebenfalls nicht leichte Rolle von Friederike Becht. Tatsächlich bin ich gespannt, wie es ihr gelingt, glaubwürdig das Opfer eines sexuellen Übergriffs zu mimen, ohne zu viel Mitleid oder gar Sympathie auf sich zu ziehen.

Damit sind die drei wichtigsten Figuren schon einmal vorgestellt. Darüber hinaus spielt Benjamin Schroeder die Rolle von Nik Mell. Jogi Kaiser spielt Ivo Kocic. Johannes Lenterer wird von Christian Clauss gespielt. Die Rolle der Ulrike Schmidt spielt Lisa Karlström.

Friedrich Gohla wird von Andy Gätjen gespielt. Mit Theresa Berlage, Hannah Dahlmeyr und Victoria Steiber spielen zudem drei Frauen jene Frauen, die im Leben von Magnus eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Konkret geht es um Ehefrau Sandra, sowie die Töchter Theresa und Vanessa.

Darüber hinaus gibt es mit Georg Trenz und Reimar Schatz, gespielt von Sascha Weingarten und Helge Tramsen zwei weitere männliche Rollen. Auffällig erscheint mir, dass in “Trügerische Sicherheit“ viele mir unbekannte Schauspieler mitwirken.

Mit Ausnahme von Christian Berkel ist mir zumindest keiner der Schauspieler so bekannt, dass ich sagen könnte, ich hätte sie schon einmal in einem anderen Film gesehen. Täusche ich mich? Oder ist diese etwas unbekanntere Besetzung vielleicht sogar ein weiterer Grund, diesen Film zu schauen?

Denn tatsächlich ist zumindest Friederike Becht schon häufig in durchaus schwierigen Rollen besetzt worden. Zuletzt beispielsweise in Ökozid.

Lohnt es sich also im Anschluss an “Trügerische Sicherheit” noch einmal einen Blick auf die Besetzung zu werfen, sich einige Filme, in denen die Schauspielerinnen und Schauspieler mitwirken er vorzunehmen und sie ebenfalls zu schauen? Dank diverser Streamingsangebote dürfte das ja mittlerweile gut möglich sein.

Erwartungen an “Trügerische Sicherheit”

“Trügerische Sicherheit“ ist ein Film bei dem man sich nicht ganz sicher sein kann, ob man nun einen Krimi vor sich hat, ein Drama oder irgendwas dazwischen. Fakt ist, dass “Trügerische Sicherheit“ ein Thema in die Öffentlichkeit trägt, über das sonst häufig geschwiegen wird.

Dabei ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz längst kein Kavaliersdelikt. Frauen geraten häufiger in brisante und ehrverletzende Situationen. Zumindest scheint es so, denn viel zu häufig wird immer noch angenommen, dass der Mann ein starkes Geschlecht die Möglichkeit hat, sich gegen solche Übergriffe zu wehren.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb es wichtig, dieses Thema nicht nur aus Opferperspektive zu betrachten. Ja, es gibt sexuelle Übergriffe von Männern auf Frauen, aber ebenso gibt es sicherlich auch ähnliche Situation in umgekehrter Besetzung.

Meiner Ansicht nach müsste unsere Gesellschaft den gegenseitigen Respekt unabhängig vom Geschlecht ermöglichen, in dem es offen und tabulos über genau solche Themen berichtet. Statt zu tabusieren ist also sinnvoll und richtig, ja sogar wichtig hinzuschauen und das Thema gesellschaftlich zu thematisieren.

Tatsächlich würde ich mir sogar wünschen, dass ein Film wie “Trügerische Sicherheit“ dazu beiträgt, das Thema Respekt in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Der respektvolle Umgang muss dabei nicht unbedingt etwas mit sexuellen Übergriffen zu tun haben, sondern damit, tolerant miteinander umzugehen.

Genau aus diesem Grund finde ich es auch wichtig, dass dieses an sich heikle Thema in “Trügerische Sicherheit“ nur eine Nebenhandlung darstellt und es tatsächlich in erster Linie um die Zwickmühle geht, in der der Personenschützer sich befindet.

Für meinen Teil kann ich also sagen, dass ich hohe Erwartungen habe, was den Film „Trügerische Sicherheit angeht. Meiner Ansicht nach sollte man hier auf jeden Fall einschalten. Persönlich freuen sich viele aber auch wahrscheinlich einfach, dass Christian Berkel hier wieder in einer Hauptrolle zu sehen ist.

Auch wenn “Trügerische Sicherheit“ sicher kein leichter Film sein wird, verspricht er eben doch ein Highlight zu werden. Ein Highlight, das möglicherweise in den kommenden Tagen auch öffentlich diskutiert wird.

Wer den Film heute Abend dennoch verpasst, könnte die Gelegenheit nutzen, ihn später in der Mediathek anzuschauen. Es ist auf jeden Fall ein Thema mit gesellschaftlicher Brisanz, das hier thematisiert wird.

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