“Shitshow” von Richard Russo: ein Kurzroman über 1 Ehepaar?

“Shitshow” von Richard Russo: ein Kurzroman über 1 Ehepaar?
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“Shitshow” von Richard Russo ist ein Kurzroman, mit gerade einmal 80 Seiten, bei dem ich angenommen hatte, dass es um die erste Amtszeit von Donald Trump gehen würde.

Tatsächlich zeichnet der Autor auch ein Bild der amerikanischen Gesellschaft, welches sich direkt nach der Wahl ergeben hat. Es gab Menschen, die ihn gewählt haben, und solche, die seine Wahl nicht verstanden haben.

Genau diese Gegensätzlichkeit sorgte letztendlich dafür, dass sich die Gesellschaft mehr und mehr spaltete.

Doch tatsächlich ist die Geschichte, die im Rahmen von “Shitshow” von Richard Russo erzählt wird, noch ein wenig anders, denn sie reduziert das Problem einer Gesellschaft auf das Wesentliche: entweder man ist dafür oder oder dagegen.

“Shitshow” von Richard Russo: wenn man plötzlich anfängt, alles infrage zu stellen

An dem Abend, der auf den Wahlabend folgte, laden Ellie und David ihre Freunde zum Grillen ein. Eigentlich wollen sie den Abend gemeinsam erleben und sich gemeinsam darüber ärgern, dass Donald Trump die Wahl gewonnen hat.

Die beiden befreundeten Paare haben die beiden schon länger nicht mehr gesehen, genauer gesagt hatten sie bis zu etwa vor einem Jahr alle möglichen Gemeinsamkeiten und es gab sogar Parallelen in ihren Biografien, doch das hat mit dem Umzug der beiden Paare ein Ende.

Seitdem haben sie sich noch nicht wieder gesehen und doch hofft David darauf, dass der Abend doch so ähnlich verläuft, wie er es von früher kennt. Seine Frau Ellie hingegen ist skeptisch.

Überraschend verläuft der Abend frei von Komplikationen und das Grillen wird sogar eigentlich sehr angenehm. Doch das Problem beginnt, kurze Zeit nachdem sich die drei Ehepaare voneinander verabschiedet hatten.

Ellie entschied sich dazu, die Spuren des Grillen noch aufzuräumen und so nimmt der Abend eine ungewöhnliche Wendung. Denn tatsächlich findet sie menschliche Fäkalien im Whirlpool.

Der ungewöhnliche Fund bringt die ältere Dame ein wenig durcheinander, doch David sieht die Sache entspannt. Zunächst, doch als sich die Sache wiederholt, schaltet das Ehepaar schließlich die Polizei ein, die auch tatsächlich einige Nachforschungen anstellt und mit einigen gut gemeinten Ratschlägen aushilft.

Es soll einige Zeit dauern, bis sich die Sache klären lässt und diese Zeit ist für Ellie fast genauso schwer zu ertragen, wie die Wahl von Donald Trump. Am liebsten würde sie zu ihrer Tochter und ihrem Enkel nach Kalifornien umziehen, doch David will das Haus nicht unter diesen Umständen verlassen.

Die Vorfälle häufen sich und belasten zunehmend die Ehe des langjährigen Paares. Für Ellie spitzt sich die Lage immer weiter zu, sodass sie schließlich zunächst Urlaub bei der Tochter macht und dann zu Freunden geht. Kann David die Vorfälle aufklären und seine Ehe retten?

“Shitshow” von Richard Russo: Eine Ehe als Metapher im Kurzroman

Tatsächlich könnte man sagen, dass sich die Geschichte so eins zu eins nicht unbedingt nachvollziehen lässt, denn die Handlung ist wahrlich überspitzt. Trotzdem oder gerade deshalb kann man aus dieser Geschichte einige Facetten übertragen.

David und Ellie glauben zunächst, dass die Ereignisse um ihren Whirlpool und ihr Haus etwas mit der Wahl Trumps zu tun haben. Sie selbst stand nämlich auf der Seite von Hillary Clinton.

Ob wirklich jemand dahintersteckt, der sich nur an ihnen rächen möchte, weil sie nicht für Trump gestimmt haben oder ob etwas ganz anderes dahintersteckt, lässt sich erst am Ende der 80 Seiten nachvollziehen.

Was die Geschichte aber deutlich zeigt, ist das Neid oder politische Orientierung definitiv für Zwistigkeiten und Stress sorgen können. Dieser Roman ist also tatsächlich weniger ein Roman über eine Ehe. Obwohl es vordergründig so erscheint, ist es letztlich eher ein Roman über die gesellschaftliche Spaltung, die sich auch in dieser Ehe zeigt.

Die Frage, ob sich die Ehe reparieren lässt, bleibt bis zuletzt offen und auch in Bezug auf unsere Gesellschaft ist eine Frage, ob sich die US Gesellschaft wieder miteinander versöhnen kann. Dieser Kurzroman ist also praktisch eine kurze Darstellung der gesellschaftlichen Lage in den USA.

Es ist ein politischer und gesellschaftlicher Roman, obwohl die Politik eine eher untergeordnete Rolle spielt. Zwar wird die Wahl und der Wahlkampf von Donald Trump und Hillary Clinton immer mal wieder thematisiert.

Doch erscheint dieses auf den ersten Blick eher nebensächlich. Wenn man nicht genau hinschaut, hat man also einen unterhaltsamen kleinen Roman, den man innerhalb weniger Stunden lesen kann.

Wer jedoch genau hinschaut und auf die Zwischentöne achtet, der findet eine gesellschaftliche Kritik, die man so diesem Roman gar nicht zugetraut hätte.

“Shitshow” von Richard Russo: eine Parabel

Habe ich diesen Kurzroman von Richard Russo weiter oben noch als ein Kurzroman bezeichnet, möchte ich mich an dieser Stelle nun ein wenig korrigieren, denn tatsächlich ist “Shitshow“ von Richard Russo mehr als ein Kurzroman.

Es handelt sich nämlich aufgrund der vielen Metaphern immer mal wieder um Anspielungen auf die Politik, wobei die leise Kritik für jeden, der ein wenig genauer hinschaut, in der Metapher der kriselnden Ehe deutlich werden.

Zunächst stellt sich die Frage, wofür das Haus steht. Meiner Ansicht nach steht das Haus entweder für die gesamte US-Gesellschaft oder sogar wenn man noch ein wenig größer denken möchte für die Weltbevölkerung.

Die Fäkalien stehen für das Problem. Die Ehe wiederum steht für den Konflikt, der durch das Problem, also in der Geschichte durch die Fäkalien entstanden sind.

Aufgrund der Vielzahl der Metaphern, die sich innerhalb dieses kurzen Romans deutlich herausstellen lassen, handelt es sich bei “Shitshow” von Richard Russo nicht nur um einen kurzen Roman, sondern viel eher um eine Parabel.

“Shitshow“ von Richard Russo: Ein sinnbildlicher Erzählstil

Aufgrund dieser Parabelform möchte ich auch noch darauf eingehen, dass der Erzählstil, in dem der Autor Richard Russo die Geschichte rund um “Shitshow” erzählt, nicht nur sehr lebendig, sondern auch sehr bildreich beschreibt.

So kann man sagen, dass sich in “Shitshow“ zeigt, dass der Autor die Sprache beherrscht und trotz einer vermeintlich derben Sprache und scheinbar vulgäre Ausdrücke genau auf diese beiden Facetten verzichtet.

Obwohl “Shitshow“ als Titel auf den ersten Blick nicht sonderlich appetitlich klingt, zeichnet Richard Russo mit diesem Abbild einer scheiterten Ehe das Abbild einer ebensolchen Gesellschaft.

Als Leser, der die Metaphern kritisch hinterfragt, stellt man sich also eine konkrete Frage: Wer hat eigentlich den derzeitigen US-Präsidenten gewählt?

Über den Autor Richard Russo

“Richard Russo, geboren 1949 in Johnstown, New York, studierte Philosophie und Creative Writing und lehrte an verschiedenen amerikanischen Universitäten. Für ›Diese gottverdammten Träume‹ (DuMont 2016) erhielt er 2002 den Pulitzer-Preis.

Bei DuMont erschienen außerdem ›Diese alte Sehnsucht‹ (2010), ›Ein grundzufriedener Mann‹ und ›Ein Mann der Tat‹ (beide 2017), der Erzählband ›Immergleiche Wege‹ (2018) sowie zuletzt ›Jenseits der Erwartungen‹ (2020).”

Fazit zu “Shitshow“ von Richard Russo

Wer sich die Mühe macht, bei “Shitshow” von Richard Russo einmal hinter dem Bilder zu schauen und während des Lesens der knapp 80 Seiten die bildhaften metaphorischen Aspekte interpretiert, der kommt schnell dahinter, dass dieses Buch eine Gesellschaftskritik ist.

Der Autor, der mit diesem Buch einmal mehr sein ganzes Können unter Beweis stellt, beweist damit, dass es möglich ist, Kritik an einer Gesellschaft zu üben, ohne die Gesellschaft tatsächlich auch nur anzusprechen.

“Shitshow” von Richard Russo lädt dazu ein, gerade jetzt so kurz vor der US-Wahl genau zu überlegen, wem man seine Stimme gibt und wem besser nicht.

Das Buch bietet sich da als Einstimmung sehr gut an und ist keinesfalls nur für US-Bürger unterhaltsam, denn aufgrund der ganzen verbindlichen ist dieses Buch nicht nur Tiefgang, sondern auch Unterhaltung.

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