„Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“ von Anne-Laure Bondoux und Jean-Claude Mourlevat…

… klang für mich ähnlich wie „Gut gegen Nordwind“ und versprach doch ganz anders zu werden, denn im Vergleich zu dem genannten Buch ist „Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“ ein Buch mit einer gewissen inhaltlichen Tiefe, das als Hörbuch gleich noch einmal ganz anders rüberkommt. Wo Emmi und Leo mich nur unterhalten konnten, mich amüsierten, brachten mich die Protagonisten dieser Geschichte zum Nachdenken.

Die Protagonisten als solche sind dabei eigentlich aus dem Leben gegriffen. Denn es geht um ihr Leben. Nun gut, vielleicht ist nicht jeder Otto Normalverbraucher Autor oder hat sich aus seinem Leben zurückgezogen und doch sind die Erlebnisse, die Pierre-Marie Sotto hier mit Adeline teilt und andersherum aus dem Alltag eines jeden gegriffen.
Dass sich beide Protagonisten ihr jeweiliges Leben dabei ein wenig zurecht biegen, macht die Geschichte erst möglich und interessant.

Der Inhalt

„Als der berühmte Schriftsteller Pierre-Marie Sotto ein dickes Kuvert in seinem Briefkasten findet, hat er zunächst nur eines im Sinn: Zurück damit an die Absenderin! Denn was kann in dem Kuvert schon anderes stecken als ein höchstens mittelmäßiges Manuskript. Also bittet Pierre-Marie die Dame kurz angebunden um ihre Adresse. Doch, anstatt Adeline und ihre mysteriöse Sendung so schnell wie möglich wieder loszuwerden, kommen sich die beiden – per E-Mail – schon bald so nahe, dass einer ohne die Nachrichten des anderen gar nicht mehr sein kann. Bis das ominöse Paket seine Überraschung preisgibt…“ ((Klapentext)

Ja, die Geschichte des Buches klingt alltäglich und ist doch alles andere als das. Es ist eine Geschichte, wie nur das Leben schreiben kann. Zwei Autoren die sich zusammen getan haben um ein Buch zu schreiben, dass es keinesfalls selten und doch kommt es in dieser Raffinesse sehr selten vor. Denn beide Teile der Geschichte, sowohl der männliche als auch der weibliche Part, sind jeweils von einer Person geschrieben. Die Verquickung der Geschichte jedoch ist einzigartig, da die einzelnen Teile miteinander interagieren.

Die Zielgruppe

Die Zielgruppe dieses Buches ist überhaupt ungewöhnlich, denn wenn wir uns einmal überlegen, wer dieses Buch wohl am ehesten lesen würde, so komme ich nicht zu der Überlegung, dass es sich um ein typisches All-Age-Buch handelt. Vielmehr ist es eine Geschichte für Menschen, die bereits eine gewisse Lebenserfahrung mitbringen, vielleicht gerade eine Scheidung hinter sich haben und mit ihrem Leben noch viel anfangen wollen, aber sich noch nicht sicher sind, was sie eigentlich wollen. Für all jene ist diese Geschichte ideal.

Stilistisches

Stilistisch betrachtet ist dieses Buch eine recht ungewöhnliche Leistung, denn obwohl es auf den ersten Blick einfach erscheint, ist es doch höchst anspruchsvoll. Gemeint ist hierbei nicht, dass die Sprache hochtrabend oder hochgestochen und abstrakt ist, vielmehr passt der Stil der Geschichte zu dem Alter der Protagonisten. Es sind Protagonisten, die so voller Reife sind, dass ihre Lebenserfahrung versprachlicht haben. Aus ihren Sätzen spricht Weisheit, ebenso wie Melancholie, Frustration, Lebensfreude und Zweifel. All jene Faktoren, die so gegensätzlich zu sein scheinen, finden sich in diesem Buch und all jene sind es, die man als Leser mit den Protagonisten durchlebt.

Die Leistung der Sprecher

Über dieses Hörbuch habe ich vergleichsweise lange gegrübelt, da ich mir nicht sicher war, ob ich die Leistung der Sprecher nun als besonders hoch einstufen sollte oder das Gegenteil davon. Tatsächlich wurde relativ viel aus E-Mails vorgelesen. Aus Briefen also, die in digitaler Form übertragen wurden, die jedoch in ihrer Form ein wenig Distanz schufen und gleichzeitig doch sehr lebendig waren. All jene Aspekte wurden durch die Sprecher umgesetzt und so fühlte sich der Zuhörer als ein Teil der Geschichte, obwohl er, doch ähnlich einem Zaungast, nur Zuhörer war und nicht mitwirkte.

Die Sprecher

„Thomas Sarbacher, geboren 1961, startete seine Karriere als Schauspieler bei der Bremer Shakespeare Company. Es folgten Engagements an verschiedenen deutschsprachigen Bühnen. In der Rolle des Hauptkommissars in der Krimireihe Der Elefant – Mord verjährt nie wurde er 2002 einem breiten Fernsehpublikum bekannt. Des Weiteren spielte er in Kinofilmen wie Underdogs und Die Welle. Für literarische Lesungen und Hörspielproduktionen sitzt er regelmäßig hinterm Mikrofon. Er las u. a. Im Frühling Sterben von Ralf Rothmann.“ (Hörbuch Hamburg)

In der Rolle des Pierre-Marie Sotto hat sich Thomas Sarbacher selbst übertroffen. Er liest gleichermaßen charmant wie zynisch, unaufgeregt und frustriert. Seine Stimme holt den Zuhörer ab, ohne ihn zu sehr mitzureißen. Insgesamt schafft es so, die Figur des Pierre-Marie Sotto lebendig werden zu lassen.

„Tessa Mittelstaedt (Adeline) war an Theatern in Bochum, Wuppertal und Dresden engagiert. Bekannt wurde sie durch ihre Rolle als Assistentin im Kölner Tatort und ist als Staatsanwältin in der ARD-Vorabendserie Heiter bis tödlich: Morden im Norden zu sehen. Sie las bereits Romane von Nora Roberts und Ellen Berg.“ (Hörbuch Hamburg)

Auch mit der Rolle der Adeline konnte Tessa Mittelstaedt überzeugen. Zwar wirkt die Rolle der Adeline weniger aufgeregt, dafür aber um einiges lebendiger. Tessa Mittelstaedt hatte somit die Aufgabe dieses einerseits lebendige, andererseits reservierte Verhalten der Protagonistin stimmlich auszufüllen. Dieses gelingt ihr gleichwohl ihre Rolle nicht ganz so distanziert erscheint. Ja, auch Adeline steht irgendwo am Rand ihres Lebens und überlegt wie es weitergeht, aber doch erscheinen sie sehr viel näher.

Doch dieses ungewöhnliche Hörbuch lebt nicht nur durch die beiden Sprecher, die ich bereits angesprochen habe, vielmehr bekommen auch scheinbar außenstehende Dritte eine kleine Rolle, die sehr zum Erfolg und zum Fortgang des Buches beitragen. So sind es zum Beispiel Freunde Sottos, wie auch sein Lektor, die der Geschichte immer wieder einen ganz anderen Dreh geben. Ihre Rollen sind zwar im Vergleich zu den beiden Hauptfiguren klein und womöglich auf den ersten Blick unscheinbar, doch möchte ich Sie hier nicht vergessen zu erwähnen.

Fazit

Wer von diesem Hörbuch erwartet, dass es in eine ähnliche Richtung geht wie „Gut gegen Nordwind“ der liegt einerseits genau richtig. Andererseits könnte er nicht weiter von diesem Hörbuch entfernt sein. Ja, natürlich ist der Aufbau der beiden Geschichten auf Briefen basierend. Die Geschichten, die in diesen Briefen erzählt werden jedoch grundlegend verschieden. Manchmal fühlte ich mich auch ein wenig an „Die Sehnsucht des Vorlesers“ erinnert, aber auch hier ist die Atmosphäre eine andere.

Kann ich dieses Hörbuch empfehlen? Nun ja, ja mit einer Einschränkung. Ich möchte ich darauf hinweisen, dass die Geschichte sicherlich nichts für Jedermann ist. Der Philosophie und Tiefgang, bejaht das Leben einerseits und hinterfragt es andererseits. Dieses Hörbuch ist etwas für Menschen, die den Tiefgang in Geschichten mögen. Es ist jedoch nichts für diejenigen, die auf der Suche nach einer leichten Unterhaltung sind.

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„Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“
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