„Die Rose der Welt“ von Peter Prange ließ mich…

Voraussichtliche Lesezeit: 4 Minuten.

„Die Rose der Welt“ von Peter Prange ließ mich angesichts ihrer detaillierten Geschichtsbeschreibung staunend zurück. Habt ihr euch schon einmal mit der Geschichte der Universität an der Sorbonne in Paris beschäftigt? Die Sorbonne gilt weltweit als erste Universität und an ihr durften nicht nur Adel und Klerus lernen, sie war allen offen.
Jeder Interessierte, der zur Sorbonne kam, hatte das Recht dort zu studieren. Vorausgesetzt er verfügte über das notwendige Wissen. Ganz so ist es auch für Robert und Paul, die beide nicht unbedingt aus dem reichsten Haus stammen. Beide haben Väter, die handwerklichen Berufen nachgehen.

Peter Pranges Protagonisten sind Menschen ihrer Zeit

Peter Prange gelingt es mit den beiden Protagonisten eine gesellschaftliche Szene darzustellen. Diese Szene war so typisch für die Zeit der Gründung der ersten Universität. Denn jeder, der um Zulassung bat und das entsprechende Wissen mitbrachte wurde aufgenommen. Vorausgesetzt der Leumund stimmte und der Bewerber war männlich.

Mit Robert und Paul schuf Peter Prange also zwei starke Protagonisten, die viele Gemeinsamkeiten miteinander teilen. Ihre Eigenschaften sind sie jedoch so unterschiedlich, dass man sie gut auseinander halten kann. Der eine gründet eine Schreibwerkstatt. Der Andere lebt seinen Traum vom Studium an der Sorbonne. Das Leben der beiden Protagonisten ist dennoch alles andere als einfach. Denn es geht nicht länger nur um die Freiheit des Wissens, es geht auch nicht nur um finanzielle Unabhängigkeit. Über allem steht die Liebe zu einer Frau, die die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe stellt.

Warum ich „Die Rose der Welt“ von Peter Prange hören wollte

Insgesamt versprach bereits der Klappentext eine spannende Geschichte. Mit 512 Seiten jedoch auch eine sehr umfangreiche. Dennoch erhoffte ich mir eine abwechslungsreiche Handlung. Ja, ich erwartete einen Roman, der auf Grund seines Wissens nicht nur im fiktiven Bereich überzeugen konnte.

Wer sich mit der Geschichte der Universitäten beschäftigt, der weiß, dass die Sorbonne in Paris die weltweit erste Universität war. Hier sollte jeder Mann das Recht haben zu lernen. Doch wie ihr vielleicht ebenso wisst, gab es zu Zeiten ihrer Gründung noch den Konflikt zwischen Kirche und Wissenschaft. So war es auch kein Wunder, dass die Kirche sich bei ihrer Ausübung der Religion immer stärker bedrängt fühlte.

Die neuen Studenten folgten dem Drang auf einen freien Geist, fernab von allem, was die Religion bisher vorgelebt hatte, zu vertrauen. Sie wollten forschen, wissen und erfahren anstelle einfach alles zu glauben.

So kam es wie es kommen musste, schon bald wurde die Kirche während einer Karnevalsfeier (einer „Eselsmesse“)  zum Gespött und reagierte mit harter Hand. Sie ging gegen die feiernden  Studenten der Universität vor, wollte mehr Einfluss bei der Frage nach der passenden Bildung bekommen und provozierte einen Streik. Einen Streik, der alles verändern sollte.

Mit eben jenem Streik hatte ich mich bereits vor einiger Zeit einmal beschäftigen dürfen. Das war vermutlich auch der Grund, warum mich diese Geschichte so reizte. Ich wollte mehr über die Gründungen der ersten Universitäten erfahren.

Das Hörbuch, eine besondere Erfahrung

Als ich das Hörbuch schließlich bei audible entdeckte, wollte ich es unbedingt hören. Wie ihr ja wisst, bin ich seit vielen Jahren audible-Kunde, nutze also regelmäßig das Hörbuchabo und freue mich jedes Mal über die riesige Auswahl dort. Normalerweise stöbere ich dort immer erst mal ein wenig und treffe dann eine Auswahl. Doch dieses Mal fiel mir die Auswahl leicht, denn von diesem Hörbuch hatte ich bereits eine Menge gehört. Genauer gesagt zwar nicht vom Hörbuch, sondern vom Buch, aber ich wollte der Geschichte eine Chance geben.

Was ich bekam war eine ziemliche Überraschung. Denn Reinhard Kuhnert schafft es, den an sich nüchternen Text in erlebte Handlung zu versetzen. Durch diesen Sprecher wird die Geschichte der Sorbonne also noch einmal lebendig, sodass ich als Hörer die Geschichte nicht nur erzählt bekomme, sondern sie praktisch miterlebe. Somit stellte sich mir die Frage, ob es sich hierbei tatsächlich noch um einen Roman handelt. Oder nicht eher um eine angereicherte Reportage mit fiktiven Elementen? Diese Frage stelle ich bewusst. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Aspekte in dieser Form tatsächlich passiert sein können.

„Die Rose der Welt“ entwickelt also einen ziemlichen Sog, der den Hörer fast ebenso in seinen Bann zieht, wie die Protagonisten durch die Eselsmesse in ihren Bann gezogen wurden.

Fazit

Ich bin mir nicht sicher, ob ich „Die Rose der Welt“ wirklich jedem Leser mit gutem Gewissen empfehlen kann, denn obwohl es mitreißender Epos ist, setzt dieses Buch ein großes Interesse an Geschichte und Universitätsgeschichte voraus. Sicher ist, dass „Die Rose der Welt“ für all jene Hörer interessant ist, die eben jenes geschichtliche Wissen mitbringen, die sich für geschichtliche Erzählungen begeistern können. Allen anderen sei gesagt, dieses Hörbuch hebt sich deutlich von dem ab was die meisten von uns vom historischen Genre gewohnt sind. Obwohl es hier starke Protagonisten gibt, unterscheidet sich diese Art historischen Romans deutlich von anderen.

Dieses Hörbuch war für mich ein Experiment, ob es bei jedem interessierten Leser gut ankommt, kann ich natürlich nicht wissen, aber wer Lust hat kann sich bei audible ja einmal an der Hörprobe versuchen.

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Die Rose der Welt von Peter Prange, gelesen von Reinhard Kuhnert
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