„Die Lebenden und die Toten“ von Nele Neuhaus (Hörbuch gelesen von Julia Nachtmann)…

… ist ein Hörbuch, dass es in dieser Vielschichtigkeit und Atmosphäre, ja ich möchte sagen, in dieser Form selten gibt. Bei diesem Hörbuch ging ich praktisch ohne Erwartungen an die Geschichte heran. Gut, ich hatte die ersten Bücher von Nele Neuhaus gelesen, war aber irgendwie in „Böser Wolf“ stecken geblieben und habe das Buch dann aus der Hand gelegt. Es liegt hier noch bei den angefangenen und abgebrochenen Büchern und ich überlege auch, es noch mal in die Hand zu nehmen. Bei „Die Lebenden und die Toten“ war ich mir nicht ganz sicher, wie es nun bei diesem Buch wird. Dennoch wollte ich es unbedingt lesen oder hören, um zu erfahren wie die Geschichte so ist. Ich war neugierig auf dieses Buch, nicht zuletzt auch, da ich gehört hatte, dass sich Nele Neuhaus mit diesem Buch einiges vorgenommen hatte. Vorstellen konnte ich es mir aber zunächst nicht, dass sich dieses Buch tatsächlich von ihren vorherigen Büchern unterscheiden sollte.

Tatsächlich war dieses Buch das, was man als eine Überraschung beschreiben könnte. Es war vielschichtig, informativ, gleichzeitig aber auch unterhaltsam und ja ich möchte sagen ein bisschen zynisch.

Zu den Hintergründen von „Die Lebenden und die Toten“

Vielen von euch ist bereits bekannt, dass es in Deutschland zu wenig Organspender gibt und auch was die Blutspender angeht ist es manchmal ein wenig knapp. Umso mehr verblüfft es mich, dass Nele Neuhaus sich genau dieses Thema für ihren aktuellen Fall „Die Lebenden und die Toten“ ausgesucht hat. Für diesen Fall muss sie unfassbar viel recherchiert haben, abgewogen und bewertet. Sie selbst muss sich also sehr genau mit dem Organspendethema beschäftigt haben, bevor sie dieses an ihre Leser weitergab.

Genau das ist es auch was dieses Buch so spannend macht.

Doch worum geht es eigentlich bei „Die Lebenden und die Toten“?

Nun, da ich euch keinesfalls zu viel über diesen Krimi erzählen möchte, halte ich mich zurück, obwohl es schwer fällt, denn eigentlich möchte ich euch viel mehr über dieses durchaus spannende Thema berichten.

Da ich euch aber gleichzeitig nicht mit Spoilern den Spaß an diesem Hörbuch nehmen möchte, begnüge ich mich an dieser Stelle mit dem Klappentext:

„Dezember 2012. Eigentlich will Pia Kirchhoff, die heimlich ihren Lebensgefährten Christoph Sander geheiratet hat, in die Flitterwochen fahren. Doch dann geschieht ein Mord. Eine ältere Frau wurde beim Hundespaziergang erschossen. Weder ihre schockierte Tochter noch jemand aus ihrem Bekanntenkreis hat eine Erklärung, die ermordete Ingeborg Rohfelder war eine Seele von Mensch und in der ganzen Stadt beliebt. War sie ein Zufallsopfer? Nur drei Tage später wird eine Frau beim Plätzchenbacken durch das Küchenfenster ihres Hauses erschossen – mit derselben Waffe. Und dann gibt es weitere Tote. In der Bevölkerung macht sich Angst breit. Fieberhaft versuchen Pia und Bodenstein, die Verbindung zwischen den Mordopfern zu finden. Denn sie ahnen bald, dass der Mörder, der sich ‚Der Richter‘ nennt, eine Mission hat. Und noch nicht am Ende ist.“ (Klappentext)

 Der Stil

Der Stil in diesem Hörbuch ist sachlich, nüchtern und unterschwellig doch voll geladen mit Emotionen. Mit Emotionen, die man so auf den ersten Blick vielleicht gar nicht sieht, wenn man das Buch einfach liest. Meistens sind es in diesem Buch die kleinen Formulierungen, die Emotionen vermuten lassen. Meist sind es die kleinen Details, die zum Nachdenken anregen. Details, über die man beim Lesen möglicherweise gar nicht gestolpert wäre. Umso mehr freue ich mich darüber, dass ich diese Geschichte nicht selber gelesen habe, sondern es als Hörbuch gehört habe.

Julia Nachtmann – Sprecherin mit Talent die Geschichte zum Leben zu erwecken

Wer also ist eigentlich die Sprecherin, die es geschafft hat, mich mit ihrer Erzählweise so sehr in den Bann der Geschichte zu ziehen, dass ich praktisch gar nicht aufhören konnte zuzuhören?

“Julia Nachtmann gehörte von 2007 bis 2013 zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg und wurde für ihre darstellerische Leistung mit dem Boy-Gobert-Preis ausgezeichnet. Darüber hinaus wirkte die Schauspielerin in der Kinokomödie Die Kirche bleibt im Dorf, in Fernsehfilmen und -serien wie Der Dicke und Doppelter Einsatz sowie in zahlreichen Hörbuchproduktionen mit. 2013 wurde sie mit dem Sprecherpreis OSTERWOLD ausgezeichnet.”(HörbuchHamburg)

Ich selbst habe bereits einige andere Produktionen von Julia Nachtmann gehört und muss sagen, in kaum einem hat sie mir besser gefallen, als in diesem Hörbuch. Wobei sie bei keinem wirklich schlecht gelesen hat, bei den meisten allerdings weniger stark gefordert zu sein schien. Ich möchte keine Produktion abwerten, sondern lediglich aufzeigen, dass dieses Hörbuch augenscheinlich einen anderen Anspruch hatte. Während ich Julia Nachtmann lauschte, fragte ich mich immer: „Warum hat Nele Neuhaus gerade dieses Thema gewählt?“

Nun, ich kann es nur vermuten, aber ob die Vermutung so stimmt, ist noch eine ganz andere Frage.

Nele Neuhaus – Autorin für aufwühlende Themen

Nele Neuhaus hat mit ihren Büchern schon früh für Spannung gestanden, sich dabei aber insbesondere bei den letzten beiden Büchern thematisch noch einmal ein wenig verändert, denn ihre Themen wurden komplexer, heikler und dabei natürlich gesellschaftskritischer.

Mir persönlich sagte dieser Stilwandel nicht von Anfang an zu, da ich gerade zu Beginn ihrer Reihe eine locker leichte Unterhaltung mit ihren Büchern verband. Dieses veränderte sich allerdings schon mit “Wer Wind sät” nicht nur beim zweiten Anblick. In diesem griff sie zu einem Thema, das keinesfalls zeitlos war, sondern einen aktuellen Bezug vorzuweisen hatte. Diesen Aktualitätsbezug griff sie seitdem immer wieder auf und ich muss sagen, dass mir diese heiklen Themen durchaus nicht immer leicht fallen zu lesen, aber gleichzeitig sind es Themen, die in den Mittelpunkt

der gesellschaftlichen Betrachtung gehören. Warum also nicht mal kritisch nachfragen wie es um den Umweltschutz steht, warum nicht kritisch nachfragen wie es mit dem Thema Pädophilie aussieht, oder wie im aktuellen Buch mit dem Thema Organspende. Auch zuvor waren ihre Bücher durchaus spannend, nun haben sie jedoch auch noch einen klaren gesellschaftlichen Auftrag. Nele Neuhaus fordert ihre Leser zum Nachdenken auf, dazu sich gesellschaftlich zu positionieren und zu hinterfragen, in welcher Welt sie denn leben wollen. Als Autorin ist Nele Neuhaus seit ihrem ersten Buch nicht nur versierter geworden, sie hat sich auch thematisch weiter entwickelt. Wer aber ist die Frau, die hinter den Büchern steckt?

“Nele Neuhaus, Jahrgang 1967, arbeitete in einer Werbeagentur und studierte Jura, Geschichte und Germanistik. Heute lebt die begeisterte Pferdenärrin im Vordertaunus. Mit ihren Krimis um das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff, der mit Die Lebenden und die Toten inzwischen im siebten Band angekommen ist, hat sich Nele Neuhaus eine begeisterte Fangemeinde geschaffen und gehört zu den meistgelesenen deutschen Krimiautoren.”

Fazit

Ich denke, dass bei dieser Rezension, aufgefallen sein dürfte, dass insbesondere der thematische Bezug zum aktuellen Leben gut gefällt. Gleichzeitig betrachte ich ihn aber auch kritisch. In diesem Buch „Die Lebenden und die Toten“ ist es sowohl der Autorin als auch der Sprecherin gelungen mich mit der Handlung in ihren Bann zu ziehen. Bei „Böser Wolf“ hingegen bin ich irgendwo verloren gegangen. Woran das liegt, kann ich noch niemals so genau sagen, ich denke, dass gerade bei „Die Lebenden und die Toten“ sehr viel Herzblut der Autorin drin steckt und gleichzeitig ist irgendwo einen persönlichen Bezug zu dieser Geschichte geben muss, da das Buch trotz einer Nüchternheit sehr emotional angelegt ist.

Wer mich nun fragt, ob es lesen soll, fragt mich etwas, dass ich so einfach nicht beantworten kann. Fakt ist, es ist ein Buch für das man starke Nerven braucht. Es ist ein Buch, dass ein fesselt und seine Zeit einfordert und es ist ein Buch das unbedingt gehört werden will. Gehört in gleich zweifacher Hinsicht zum einen empfehle ich euch zum Hörbuch zugreifen, zum anderen ist das Thema nicht nur fesselnd, sondern auch relevant.

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„Die Lebenden und die Toten“ von Nele Neuhaus
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