“Der letzte Champagner” von Carsten Sebastian Henn

Voraussichtliche Lesezeit: 5 Minuten.

“Der letzte Champagner” von ist der fünfte Teil der Adalbert Bietigheim-Reihe, die ich bereits seit vielen Jahren verfolge. Dieser fünfte Teil passte nun ausgesprochen gut in die Reihe und grenzte sich dennoch ab. Mit diesem fünften Teil verhält es sich allerdings noch ein wenig anders. Denn bislang gab es in jedem Buch einen Handlungsort und zahlreiche Verdächtige. Nun, letztere gibt es auch bei diesem Buch, dennoch lässt sich sagen, dass der Handlungsort nicht nur auf einen Ort begrenzt ist.  Vielmehr gab es in vielen Kapiteln einen Wechsel des Spielorts.

Adalbert Bietigheim als illustrer Protagonist

Prof. Dr.Dr.Dr.h.c. Adalbert Bietigheim ist dabei stets ein guter Protagonist, der einerseits greifbar, aber doch auch unberechenbar wirkt. Er ist eine schillernde Persönlichkeit, der insbesondere aufgrund dieser Persönlichkeit mit jedem zu einem Kultcharakter wird. Adalbert Bietigheim ist sicherlich niemand, der nicht auch auf Misstöne stößt. Er ist ein Mensch, der sich für Kultur und Kulinaristik begeistert und sehr an guter Etikette interessiert es. Dieses Interesse lässt ihn in manchen Situationen ein bisschen bizarr reagieren.

Ein kulinarischer Mordfall

Ebenso bizarr wie der Professor sind auch die Mordfälle. Bei „Der letzte Champagner“ ermittelt Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Bietigheim im Fall des kürzlich ermordeten Ghislain Montgolfier. Dieser war ein beliebter Winzer und zudem ein alter Bekannter von Adalbert. Da sich zudem auch noch um einen kulinarischen Mord handelt ist es zudem nicht weiter verwunderlich. Ermordet wurde der Winter nämlich auf die gleiche Art und Weise wie man eine Flasche Champagner köpft. Schnell stößt er dabei auf die ersten Hindernisse, dann auf erste Verdächtige und schließlich auf eine weitere Leiche.

Ein starker Spannungsbogen in unter 300 Seiten erzählt

Tatsächlich ist dieses Buch nicht so dick, wie man es vielleicht erwarten würde. Die eigentliche Geschichte (ohne Rezepte und Glossar) ist dabei in unter 300 Seiten erzählt. Dennoch ist dieser Krimi eher eine der leichteren. Er bietet neben Spannung auch Humor und gute Unterhaltung. Dies ist eben der Tatsache geschuldet, dass neben Adel der Bietigheim auch noch weitere höchst unterhaltsamen Charaktere auftreten.

Da ist zum einen Adalberts treuer Freund Pit, der in klassischer Rockermanier gekleidet auf jeden – und somit auch auf den Leser – wie ein Schläger wirkt und doch eigentlich jede Form der Gewalt zu vermeiden versucht. Insgesamt ist der Krimi somit auch weitestgehend unblutig und konzentriert sich vielmehr darauf den Genuss und die Leidenschaft für gutes in den Mittelpunkt zu stellen. Auf diese Weise erfährt man eine Menge über Champagner, der in diesem Fall die wichtigste Rolle spielt.

Im Vergleich zu den beiden anderen Hauptprotagonisten erscheint Renate Ballinger, die aber zumeist nur Rena genannt wird, als ausgleichende Gegenspielerin. Diese drei Protagonisten übernehmen sozusagen die Hauptrollen in „Der letzte Champagner“ und sorgen gewissermaßen auch dafür, dass der Professor auf die gewohnt effiziente, wie gleichwohl unterhaltsame Weise ermitteln kann. Sein Augenmerk liegt dabei weniger auf den möglichen Motiven, als vielmehr auf den kulinarischen Aspekten.

Ein Krimi wie ein Sachbuch

Aus diesem Grund lässt sich sagen, dass diese Art des kulinarischen Krimis sich auch als Sachbuch eignet, denn der kriminalistische Fall wird durch den Autor stets dazu genutzt auch gleich einmal die wichtigsten Vokabeln rund um das Thema zu erklären. Im Fall von Champagner sind diese Vokabeln dem Wein sehr ähnlich, wenn auch nicht identisch. Gleichzeitig mit den wesentlichen Informationen bekommt der Leser also eine Mischung aus Emotion und Spannung, so das man sich das Grundwissen über Champagne und Schaumweine mit diesem Roman aneignen kann.

Dennoch ist und bleibt es natürlich ein Krimi, denn neben all den Vokabeln, die man sich merken kann oder auch nicht, steht eben ein origineller wie gleichermaßen bizarrer Mordfall im Mittelpunkt. War euch bewusst, dass man auf kulinarische Weise Menschen töten kann? Nun, ich selbst habe es ja in den anderen Teilen dieser Reihe schon öfter lesen dürfen, dennoch staune ich immer wieder über die Kreativität und den Sachverstand, mit dem sich jedem einzelnen dieser kulinarischen Gegenstände nähert.

Stilistik

Neben der Unterhaltung und dem Spannungsgehalt überzeugt dieser Krimi auch noch durch eine ungewohnte Stilistik, denn das merkwürdige Verhalten des Professors zeigt sich auch in seiner Ausdrucksweise und somit im gesamten Buch. Zum einen sind da natürlich überaus humorvoll dargestellte Dialoge, zum anderen sind auch die Szenen selbst sehr lebendig gestaltet. Das alles macht diese Reihe zu etwas besonderem und es doch im Fall von „Der letzte Champagner” ganz anders als sonst.

Über

Piper)

Beabsichtigtes Chaos, spannender Fall, scheinbar skurrile Beziehungsebenen

Ich habe mich an dieser Stelle bewusst dafür entschieden, nicht allzu dicht an die Erzählung heranzugehen, um euch nicht die Spannung zu nehmen, de facto hat mir „Der letzte Champagner“ ausgesprochen gut gefallen, auch wenn er aufgrund der Vielzahl der einzelnen Verdächtigen und der unterschiedlichen Orte, Lahntal und Reims, etwas unübersichtlich wirkt. Dennoch gehe ich davon aus, dass dieses scheinbare Durcheinander, was sich am Ende mehr und mehr sortiert genau vom Autor beabsichtigt und geplant wurde.

Überrascht hat mich dabei aber insbesondere auch inwieweit die Verwicklungen dieser Branche zum einen über Landesgrenzen hinaus, zum anderen aber auch äußerst lokal erscheinen. Das klassische Networking, welches wohl jeder aus seinem Beruf kennt übernimmt im Fall von „Der letzte Champagner“ einen Großteil der Ermittlungen und lässt mich als Leser darüber nachdenken, inwieweit die Beziehungsebenen zwischen den einzelnen Protagonisten wohl auf die Realität zu übertragen wären. Wie vernetzt ist eine Branche wie die Winzer-Landschaft?

Fazit

Ein überaus spannender, wie unterhaltsamer Krimi, nicht nur für alle Liebhaber von guten und Champagner.

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"Der letzte Champagner" von Carsten Sebastian Henn
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