“Ein Jahr voller Wünsche” von Carol Wyer

Voraussichtliche Lesezeit: 6 Minuten.

“Ein Jahr voller Wünsche” von ist ein Buch, das mich zunächst an das kürzlich gelesene “Mein Jahr zum Glück” von Hannah Doyle erinnerte. Dies lang nicht nur am Titel oder der Thematik, sondern möglicherweise auch an den ersten Szenen. Dass die beiden Geschichten dennoch grundverschieden sind, zeigte sich im Verlauf, denn Charly steht mit ihren 39 Jahren an einem ganz anderen Punkt im Leben als Izzy mit 25 Jahren. Die beiden Bücher sind somit trotz ähnlicher Grundidee und Thematik nicht vergleichbar. Es geht um positive Vorsätze für ein ganzes Jahr. Beide Geschichten haben dabei ihren ganz eigenen Reiz und sicher auch ihre ganz eigene Zielgruppe. Dass die beiden Hauptfiguren sich nicht nur vom Alter unterscheiden, wird schnell klar, wenn man auf die Vorgeschichten der beiden Frauen schaut, die sicherlich auch zu ihren gänzlich unterschiedlichen Charakteren beitrug.

“Ein Jahr voller Wünsche”: Roman mit ernsterer Thematik

Charlie hat mit ihren 39 Jahren Dinge erlebt, die man nicht erleben. So verlor sie beispielsweise bei einem Unfall ihre Tochter, ließ sich in Folge dessen von ihrem Mann scheiden, der mittlerweile eine neue Familie gründet. Versuche, eine neue Beziehung einzugehen scheiterten ebenfalls. Dass ist der Zeitpunkt, an dem Charlys beste Freundin Mercedes, die seit einem Reitunfall im Rollstuhl sitzt, die Sache in die Hand nimmt. Charly und Mercedes schreiben jeweils eine Carpe-diem-Liste. Ziel soll es sein dem eigenen Leben neuen Schwung zu verleihen. Im Anschluss erhält Mercedes beide Liste und führt Charlie von einem Abenteuer ins nächste. Auf diese Weise holt sie Charly langsam aus ihrem Schneckenhaus heraus. Gleichzeitig verleihen diese Erlebnisse aber auch ihr selbst neue Energie.

Mit starken Aktionen ehrenamtlich engagiert

Dass diese Aktionen aber auch das Potential haben anderen Menschen etwas Gutes zu tun, zeigt sich, als das Krankhausradio für das Charly und Mercedes ehrenamtlich tätig sind, aus Kostengründen geschlossen werden soll.

Die Aktivitäten, die ursprünglich als persönliche Bucket-List geplant waren, nutzt Charly, die ursprünglich im Marketing arbeitete, bevor der Unfalltod ihrer Tochter auch Charlys Leben auf den Kopf stellte,  nun um Spenden für das Radio zu sammeln und so die Existenz des Senders zu sichern.

Ob ihr und wie das gelingt und welchen Wandel Charly und Mercedes durchlaufen, erlebt der Leser dieses Buches eindrucksvoll mit. Es ist dabei nicht nur eine Entwicklung, sondern eine Inspiration, denn zeigt, ähnlich  wie auch Hannah Doyle, wie kreative Aufgaben, das eigene Leben verändern können.

Von melancholisch bis spannend

Dieses Buch stellt eine emotionale Achterbahnfahrt dar, wie sie einem auch im echten Leben begegnen könnte. Vermutlich ist es also insbesondere dieses Wechselbad der Gefühl, das auf mich als Leser einwirkt und mich mitreißt. Bei diesem Buch gibt es ebenso humorvolle wie melancholische Momente.

Doch auch an Spannung in mehr als einem Sinne lässt die Geschichte nicht missen. Die Ursache liegt im Umfeld von Charly. In diesem passieren nämlich immer wieder unerklärliche Dinge, die sie nicht zuletzt auch an einer neuen Bekanntschaft zweifeln lassen. Doch hat Jake wirklich seine Hände im Spiel? Oder ist es ein Ruf aus der Vergangenheit?

Atmosphärisch dicht, stilistisch nah am Leser

orientiert sich dabei nicht nur hinsichtlich ihrer Charaktere an ihrer Zielgruppe. Auch der Schreibstil drückt eine gewisse Reife aus und es doch gleichzeitig leicht und verspielt. Als Leser habe ich den Eindruck stets an der Seite von Mercedes und Charly zu sein, ihre Abenteuer mitzuerleben und stets nicht genau zu wissen, was als nächstes kommt.

Wir als Leser dieses Buches erleben die Geschichte zwar aus der dritten Person aber doch irgendwo aus Charlys Perspektive. Wir bleiben ganz dicht an ihr dran, wechseln dabei praktisch nie zu irgend wem anderes und doch ist es keine Innenwelt, die wir erleben. Aus diesem Grund muss man wohl sagen, dass ich als Leserin dieses Buches den Eindruck hatte, stets an Charlys Seite zu sein, so als wäre ich eine Art zweite beste Freundin, die sie stets in ihrem Leben begleitet. Die einzelnen Aufgaben die sie dabei erlebt hat waren so gestaltet, dass man den Eindruck hat, man hätte selbst fünf Sinne und würde genau das erleben, was die Protagonisten dieses Buches erlebt. Da die Abenteuer genau mit dieser facettenreichen Haptik spielen, ist dieses Buch authentisch. Gleichzeitig richtet sich das Buch aber auch an eine Zielgruppe eben genau so ist wie Charly. Das ist übrigens noch eine Gemeinsamkeit mit dem bereits oben erwähnten „Mein Jahr zum Glück“ von Hannah Doyle.

Durch die ältere Protagonistin ist auch die Zielgruppe eine andere. So richtet sich dieses Buch eher an Leserinnen Mitte 30, die auch schon wissen, dass einiges im Leben auch scheitern kann. Tatsächlich weiß ich, dass auch Izzy diesen Eindruck erweckte und doch ist dieses ein anderes Gefühl, da es um eine andere Form des Scheiterns geht.

Eine Frage der Standes – eine Frage der Zielgruppe

Die Frage, ob sich dieses Buch für den Leser anbietet, ist gleichzeitig die Frage, wo sich der Leser oder besser die Leserin, denn die Zielgruppe dürfte hauptsächlich weiblich sein gerade befindet. Hat sie womöglich gerade eine Ehe für gescheitert erklärt, ein Kind verloren? Oder geht es um das Gefühl sich noch nicht gefunden zu haben? Im Fall von Ersterem, ist dieses Buch für die Leserin vermutlich optimal geeignet, da sie an genau dem Startpunkt abholt, wo sich auch Charly befindet. Geht es allerdings darum, sich das aller erste Mal zu finden, so sollte man vielleicht doch eher Izzy folgen.

Schicksalsergeben ist Charly nicht

Zu Beginn gewann ich den Eindruck, dass Charly sich selbst ein wenig aufgegeben haben könnte und ja, bis zu dem Punkt an dem Mercedes sie mit der Bucket-List konfrontiert, trifft dieser Umstand vermutlich nur zu, da den Kopf in den Sand zu stecken ist weder Charlys noch Mercedes Vorstellung von einem Leben. Beide lebten bis zu den lebensverändernden Ereignissen irgendwie auf der Überholspur. Aus diesem Grund haben sie sich jetzt in ihre jeweiligen Komfortzonen zurückgezogen. Doch aufgegeben hat genau genommen keine von beiden. Denn sie beide sehnen sich nach nichts anderem, als ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Schicksalsergeben sind also weder Charly noch Mercedes. Diesem Grund habe ich auch den Rollstuhl nicht weiter erwähnt, denn die Behinderung von Mercedes wird zwar hin und wieder mal thematisiert, spielt aber eher eine untergeordnete Rolle. Für die Identifikation mit den beiden spielt weder Mercedes’ Handicap noch Charlys Vorgeschichte eine Rolle.

Über

wurde in Münster geboren und verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Deutschland. Bevor sie sich dem Schreiben widmete, leitete sie eine Sprachschule und unterrichtete Boxercise-Kurse. Heute lebt die Journalistin und Autorin, die mit dem People’s Book Prize ausgezeichnet wurde, in Staffordshire.”(Piper Verlag)

Fazit

Was die Identifikation angeht, so muss ich wohl sagen, dass ich mich mit Charlie und Mercedes gut identifizieren konnte und mich in ihrer Geschichte wohlfühlte. Dennoch ist diese Geschichte ja etwas für Leserinnen, die ein wenig schwere in Büchern bevorzugen. Nicht hinsichtlich des Schwierigkeitsgraden, sondern hinsichtlich der Emotionen. Auch wenn die Melancholie in diesem Buch eher hintergründig war, so machte es mir dieser Hit der Wort schwerer in das Buch hinein zu finden. Ja, mir die Geschichte ausgesprochen gut gefallen und doch bin ich mir nicht sicher, ob man sie zu jedem Zeitpunkt gleich gut lesen kann. Solltest du als Leserin also nach leichter Unterhaltung sein, so gibt er dieses Buch auch noch etwas zum Nachdenken an die Hand. Leichte Lektüre ist es zwar auch, aber mit ein wenig Schwermut.

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"Ein Jahr voller Wünsche" von Carol Wyer
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