ONE, 20.15 Uhr: „Der Club der singenden Metzger“

ONE, 20.15 Uhr: “Der Club der singenden Metzger”
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Neuanfang in Amerika: Fidelis Waldvogel (Jonas Nay) mit Ehefrau Eva (Leonie Benesch), ihrem Sohn (Mark Đurđević) und der deutschen Auswanderin Delphine (Aylin Tezel, hinten), die zur Familie gehört.
© ARD Degeto/SWR/Moovie//Constantin Film/Walter Wehner

Mit „Der Club der singenden Metzger“ zeigt ONE heute Abend um 20:15 Uhr ein Filmhighlight, das jetzt zwischen den Feiertagen sicher gut aufgehoben ist, denn dieser durchaus anspruchsvolle Film fordert unsere ganze Aufmerksamkeit. Worum es in diesem Film geht ist schnell erzählt: es geht um die deutsche Auswanderergeneration nach dem ersten Weltkrieg.

Wir erleben also in „Der Club der singenden Metzger“ das Ende des Ersten Weltkrieges mit, die Rückkehr von zahlreichen Männern, die an die Front mussten und die vom Krieg ausgezehrt gezeichnet sind. Doch nun nach dem Krieg ist es nicht leichter, sodass sie in der neuen Welt darauf hoffen endlich so etwas wie Ruhe und einen normalen Alltag zu erleben, doch auch hier einige Hürden, die sie erst einmal bei ihrer Ankunft überwinden müssen.

Ein historischer Epos?

Es war einmal in Amerika: „Der Club der singenden Metzger“ ist ein historisches Auswandererepos und erzählt eine bewegende und komplexe Geschichte über Aufbruch, Hoffnung und Heimweh. In den Hauptrollen sind Jonas Nay als schwäbischer Metzgermeister und Leonie Benesch als seine Frau sowie Aylin Tezel als Hamburger Zirkusartistin zu sehen, die sich im amerikanischen Westen ein besseres Leben aufbauen möchten. Starregisseur Uli Edel, der erstmals mit der vielfach ausgezeichneten Filmemacherin Doris Dörrie zusammenarbeitet, verfilmte den gleichnamigen Bestseller der US-amerikanischen Autorin Louise Erdrich. Der berührend erzählte Fernsehfilm
zeichnet das vielschichtige Panorama einer deutschen Auswanderergeneration, die
nach dem Ersten Weltkrieg der Armut entfliehen möchte.

Für mich stellt „Der Club der singenden Metzger“ eine gewagte Mischung aus gesellschaftlicher Darstellung und einem historisch anmutenden Drama dar. Ich freue mich sehr darauf, mit „Der Club der singenden Metzger“ wahrscheinlich ein Highlight ansehen zu können, das seinesgleichen sucht.

Wenn ich mir vorstelle, wie aufwendig die Produktion gewesen sein muss, dann zweifle ich nicht daran, dass dieses Stück Filmgeschichte besonders eindrucksvoll werden könnte. Alleine die Vielzahl der Kostüme, die starke Komposition der Filmmusik, aber auch die Darstellungen der einzelnen Figuren haben für mich die Bedeutung eines Gesamtkunstwerk, auf dessen Darstellung ich mich heute Abend schon sehr freue.

Worum gehts bei „Der Club der singenden Metzger“?

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrt der junge Metzger Fidelis Waldvogel (Jonas Nay) ausgezehrt und traumatisiert, aber körperlich unversehrt in seine schwäbische Heimat zurück. Dort erfüllt er den letzten Wunsch eines gefallenen Kameraden und heiratet  dessen hochschwangere Verlobte Eva (Leonie Benesch).

Für Fidelis gibt es in der Metzgerei seiner Eltern keine Zukunft. Um Not und Armut zu entfliehen, beschließt er auszuwandern und seine junge Familie später nachzuholen. Eine Kiste mit Würsten, die Messer seines Vaters und das geheime Wurstrezept der Familie dienen als Startkapital
in der Neuen Welt.

Fidelis Reisebudget reicht bis Argus in North Dakota. In das Westernstädtchen verschlägt es auch die Hamburger Zirkusartistin Delphine (Aylin Tezel), die mit ihrem Vater, dem Clown Robert (Sylvester Groth), nach Amerika gekommen ist.

Während Delphine in dem gut aussehenden Lakota Cyprian (Vladimir Korneev) einen neuen Auftrittspartner findet, eröffnet Fidelis seine eigene Metzgerei und holt Eva mit dem kleinen Johannes aus Schwaben nach. Um sein Heimweh zu lindern, gründet Fidelis einen Gesangsverein. Auch Eva vermisst es schmerzlich, deutsch zu sprechen.

Wie ein Glücksfall erscheint ihr deshalb die Bekanntschaft mit Delphine, die sie als Verkäuferin einstellt. In ihrer fleißigen Mitarbeiterin findet die junge Mutter eine Freundin, auf deren Hilfe sie schon bald durch eine schwere Erkrankung angewiesen sein wird. Delphine gerät in eine schwierige Situation, denn sie empfindet mehr für Fidelis, als sie sich eingestehen kann.

„Der Club der singenden Metzger“: Über die Hauptfigur Fidelis Waldvogel

Betrachtet man die einzelnen Figuren in „Der Club der singenden Metzger“ näher, so fällt auf, dass jeder einzelne Figur nicht nur über einen ganz eigenen Charakter verfügt, sondern auch ihre ganz eigene Bedeutung für „Der Club der singenden Metzger“ hat.

Bevor wir uns den Film heute Abend also anschauen, möchte ich kurz darauf eingehen, welche Rolle welche Figur im Film hat. Gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle auch die Schauspieler zu Wort kommen lassen, um Euch mitzuteilen, welche Bedeutung dieses einmalige Filmprojekt für sie hatte.

Fidelis Waldvogel ist ein Metzgermeister aus Schwaben, singt im heimatlichen Metzgerchor, hat im Ersten Weltkrieg als Scharfschütze gekämpft, kommt als deutscher Auswanderer mit nichts als seinen Fleischermessern und einem Koffer voller Würste nach Amerika.

In Argus, North Dakota, eröffnet er voller Stolz seine eigene Metzgerei, holt seine Familie zu sich und gründet mit den anderen deutschsprachigen Bewohnern der Stadt einen Männerchor. Fidelis ist mutig, zupackend, eine treue Seele und ein „Hans im Glück“ – doch auch die dunkle Seite des Lebens holt ihn immer wieder ein.

Jonas Nay hat Fidelis Waldvogel verkörpert. Was diese Rolle für ihn bedeutet, erzählt er: „Allein die
Tatsache, wie lange ich an dem Film gearbeitet habe, macht einen so großen Unterschied zu allen anderen Produktionen aus, in denen ich zuvor mitwirken durfte.

Das liegt wohl vor allem daran, dass nach Abschluss der Dreharbeiten für mich eine zweite sehr intensive Arbeitsphase für das Projekt begann: Mit meinem Kompositionspartner David Grabowski habe ich zwei Monate lang die Filmmusik zu dem 180-Minüter komponiert, eingespielt und gemischt und so auch jede Szene noch tausendfach geschaut.

Den Auftrag für die Filmmusikkomposition habe ich aber erst nach Abschluss der Dreharbeiten erhalten. Bis dahin hat mich vor allem das Drehbuch von Doris Dörrie und Ruth Stadler überzeugt. Das war einfach umwerfend. Im Castingprozess hat sich dann die Zusammenarbeit mit Leonie Benesch, Aylin Tezel und Uli Edel so dermaßen gut angefühlt, dass ich die Rolle des Fidelis unbedingt spielen wollte und ich mir sicher war, dass dieses Projekt wirklich etwas ganz Besonderes wird.“

„Der Club der singenden Metzger“: Über Delphine

Die Rolle der Delphine ist natürlich schon aufgrund der Tatsache, dass die ursprünglich aus dem Zirkus kommt ein wenig spezieller. Denn genau genommen würde man sie nicht zum Club der singenden Metzger zählen. Genau genommen ist sie nämlich keine Metzgereien. Doch wer ist Delphine dann? Und wie ist ihre Rolle angelegt?

Zirkusartistin, Halbwaise aus Hamburg: Delphine ist in der Zirkusarena aufgewachsen und hat gelernt, für sich zu kämpfen. Sie wandert mit ihrem alkoholsüchtigen Vater nach Amerika aus, um dort neu anzufangen. Doch vor allem sehnt sie sich nach jemandem, der ihr Halt und Sicherheit gibt. In dem Lakota Cyprian findet sie einen neuen Auftrittspartner und in der bodenständigen Eva Waldvogel eine Freundin. Doch ausgerechnet zu Evas Mann Fidelis fühlt sich Delphine immer stärker hingezogen.

„Als Erstes liest man ein Drehbuch natürlich auf die Rolle hin, für die man angefragt ist. Für mich war es also zunächst Delphines Geschichte, in die ich beim Lesen eingetaucht bin. Diese junge Frau hat mich beeindruckt mit ihrem Mut, ihrer Heimat und einem bedrückenden Leben zu entfliehen, ohne Sicherheiten und ohne Unterstützung, ohne wirklichen Plan. Ihre Hoffnung darauf, in der Fremde endlich ihre Sehnsucht nach einem Zuhause stillen zu können, hat mich berührt“, erzählt Aylin Tezel über die Bedeutung dieses Filmdrehs.

Über Eva

Die dritte wichtige Rolle, die ich Euch an dieser Stelle bereits vorstellen möchte, Eva. Sie ist die Frau an Fidelis Seite und doch gab es andere Beweggründe, warum sie nun die Frau an Fidelis Seite ist, als man dies in der heutigen Zeit erwarten würde. Es war keine Hochzeit aus Liebe, sondern aus Pflicht- und Ehrgefühl.

Eva war ehemals verlobt mit Fidelis’ Freund Johannes, der im Krieg gefallen ist. Fidelis hält das Versprechen, das er dem Sterbenden gegeben hat, und heiratet die schwangere Eva nach seiner Rückkehr. Als er nach Amerika geht, bleibt Eva zunächst bei seiner Familie und folgt ihm später mit ihrem kleinen Sohn nach. Trotz der neuen Sprache lebt Eva sich schnell in Argus ein und wird zur respektierten Chefin der Metzgerei Waldvogel. Kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes erkrankt sie schwer – und nimmt ihrer Freundin Delphine das Versprechen ab, sich um Fidelis zu kümmern.

Leonie Benesch spielt Eva. Im Interview beschreibt sie, was ihr der Film bedeutet: „Themen wie Heimat, Auswanderung, der Traum von einem besseren Leben sind recht zeitlos und immer relevant, allerdings, wie wir alle wissen, vor allem heute wieder hochaktuell. Ich finde es gerade in Anbetracht der doch etwas absurden Debatten, die zurzeit häufig geführt werden, sehr wichtig, sich klarzumachen, dass vor nicht allzu langer Zeit sehr viele Deutsche bereit waren, alles aufs Spiel zu setzen, um ihren Familien und sich ein besseres Leben zu ermöglichen. „Der Club der singenden Metzger“ ist für mich eine Geschichte über Auswanderung, die Suche nach einer neuen Heimat und den amerikanischen Traum, aber auch eine Geschichte über eine starke Freundschaft zwischen zwei Frauen.“

Über die Bedeutung der Musik für „Der Club der singenden Metzger“

„Der Club der singenden Metzger“ ist ein Film, der besonders durch seine Musik und das gemeinsame Singen getragen wird. Der Gesang ist das verbindende Element zweier Welten. Somit möchte ich an dieser Stelle auch Jonas Nay und David Grabowski zu Wort kommen lassen.

Jonas Nay und David Grabowski waren für die Musik im Film verantwortlich. Sie beschreiben und erzählen: „Die große Herausforderung für uns bestand darin, zwei völlig unterschiedliche Welten musikalisch zu verbinden. Der Soundtrack sollte den Zuschauer vom Schwarzwald bis nach North Dakota begleiten, und das in der unmittelbaren Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges.

Das war nicht einfach, zugleich kann man aber sagen, dass wir uns da stilistisch wirklich austoben durften,was natürlich große Freude gemacht hat. So haben wir folkloristische Elemente, Wild-West-Musik, Bluegrass und sogar Dixieland komponieren dürfen. Dazu gibt es diese wunderschönen Volkslieder, die in einigen Szenen von den Figuren gesungen werden und die mit unserer Musik eine gewisse Einheit ergeben sollten.

Die knapp zweieinhalb Monate Kompositionszeit haben uns viel abverlangt und zugleich extrem viel Freude bereitet. Nicht zuletzt, weil wir mit vielen tollen Musikern und Ensembles der Hamburger Musikszene zusammenarbeiten durften. So haben wir ein Streichquintett zusammengestellt und aufgenommen, tolle Solisten an der Klarinette, der Mundharmonika und sogar eine Dixiekapelle, die Ragtime Bandits, gewinnen können.

Um uns der musikalischen Welt anzunähern, haben wir zunächst viel Musik aus der Zeit gehört und Themen komponiert, die wir dann in die verschiedenen Stile transformiert haben. Uns war besonders wichtig, dass bei aller stilistischen Vielfalt ein roter Faden erkennbar bleibt. Den gab Uli Edel bereits in unserer ersten Gesprächsrunde vor: „Vergesst nie, dies ist ein Film über Emotionen.““

Über die Kostüme in „Der Club der singenden Metzger“

Natürlich waren auch die Kostüme wichtig für „Der Club der singenden Metzger“, denn ohne die Kostüme und die richtige Wahl dieser Kostüme hätte man das Gefühl der 1920er Jahre nicht wieder aufleben lassen können.

Die Kostüme helfen den Schauspielern sich in die damalige Zeit hinein zu versetzen und den Zuschauern zu verstehen, dass diese Handlung eine andere Zeit darstellt. Gleichzeitig schafft sie eine besondere Atmosphäre, die den Film authentisch macht. Ich persönlich finde die Kostüme nicht unwichtig, glaube sogar, dass „Der Club der singenden Metzger“ vollständig anders dargestellt worden wäre, wenn die Kostüme gepasst hätten.

Insoweit bin ich gespannt auf die Umsetzung heute Abend, denn Monika Jacobs, die für die Kostüme verantwortlich war hat diese mit bedacht ausgewählt und sich umfangreich mit der damaligen Zeit beschäftigt. Da der Film in den 1920er Jahren spielt, ging es also darum, die Schauspieler mit Kostümen auszustatten, die gut aus dieser Zeit hätten stammen können.

„Bei historischen Filmen ist mir immer wichtig, die damalige Zeit zu treffen und die heutige nicht aus den Augen zu lassen. Es nutzt nichts, historisch korrekt zu sein, wenn der Zuschauer die Bilder nicht in die heutige Zeit übersetzen kann. Wir wollen ja den jetzigen Zuschauer erreichen“, beschreibt sie.

Erwartungen an „Der Club der singenden Metzger“

Was genau erwarte ich also von einem Film, der „Der Club der singenden Metzger“ heißt? Nun, über diese Frage muss sich einige Zeit nachdenken, denn meine ursprüngliche Erwartung war eine Mischung aus Auswandererepos, Western und Chordarbietung.

Mittlerweile nachdem ich mich umfangreich mit „Der Club der singenden Metzger“ beschäftigt habe, ahne ich, dass meine Erwartung zwar in Teilen korrekt sein wird, aber auch noch darüber hinausgehen wird. Insoweit erwarte ich mit „Der Club der singenden Metzger“ einen Film, der mit 3 Stunden sicherlich nicht nur umfangreich ist, sondern auch ungeheuer interessant, abwechslungsreich und der meine Erwartungen bei weitem übertrifft.

Aus diesem Grund werde ich „Der Club der singenden Metzger“ heute Abend natürlich intensiv miterleben und hoffe, dass er sich genauso gut unterhält, wie ich es mir wünsche. In einem Punkt bin ich mir allerdings sicher: Wenn er mich schon bei der Vorbereitung so gut unterhält, dürfte er auch für Euch ein abendfüllendes Fernsehhighlight darstellen. Also kann ich Euch nur raten, einzuschalten oder ihn in der Mediathek zu schauen.

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