Mit „Dreckstück“ legt Clémentine Beauvais eine Gesellschaftskritik vor, die…

Voraussichtliche Lesezeit: 4 Minuten.

… ein aktuelles Thema nicht nur kritisch beleuchtet, sondern darauf hinweist, wie es nicht sein sollte. Das Thema, um das es geht ist dabei brandaktuell: Flüchtlinge.
Das Buch um das es geht ist ein Jugendbuch und doch ist es mehr als das. Es ist eines der schlimmsten Bücher, wenn nicht das schlimmste Buch, das ich in den letzten Jahren als Neuerscheinungen gelesen habe. Nein, ich meine damit nicht schlimm im Sinne von es ist ein schlechtes Buch. Denn tatsächlich ist es ein sehr gutes Buch. Es ist jedoch eines, das sehr menschenverachtend zu sein scheint beziehungsweise sehr viele menschenverachtende Situationen darstellt.

Eigentlich folgt an dieser Stelle bei mir meist der Klappentext und auch in diesem Fall werde ich es so handhaben. Auch wenn der Klappentext damit schon einen Großteil der eigentlichen Geschichte erzählt. Denn das Buch, was ich hier vorstelle, ist gerade mal 96 Seiten stark. 96 Seiten sind eigentlich recht schnell gelesen, aber ist eine Ausnahme. Dieses Buch ist eine gesellschaftskritische Darstellung, die komplexer und vielschichtiger nicht sein dürfte. Dieses Buch beschäftigt sich eindringlich mit dem Thema Fremdenhass.

Aber ich wollte gar nicht zu viel erzählen, sondern zunächst den Klappentext darstellen:

„Es ist ein ganz normaler Tag: David und seine Clique haben gerade wieder einmal beschlossen den Unterricht zu schwänzen, als ihnen auf der Straße ein kleines schwarzes Mädchen begegnet, das offenbar Leute hat. Einfach so, aus einer Laune heraus, nehmen Sie sie mit in die Wohnung eines der Jugendlichen, um sie zu entlausen. Doch dort läuft die Situation immer mehr aus dem Ruder. All der Überdruss, die Arroganz, und der aufgestaute Hass der Clique entladen sich an diesem kleinen Mädchen und niemand hat den Mut, das grausame Spiel zu beenden…“ (Klappentext)

Der Stil und die Emotionen

Tatsächlich ist diese Zusammenfassung der Geschichte schon recht brutal und doch deckt sie nicht im Geringsten das ab, was in dieser Geschichte erzählt wird. Zwar mag die Geschichte auf einige Menschen sehr nüchtern wirken. Diese sachliche Nüchternheit, dieses einfache Berichten einer illegalen, ja äußerst brutalen Handlung weckt echte Emotionen beim Leser. Emotionen, wie Wut, wie Ärger und eine absolute und ja sicher absolut erwünschte Antipathie gegen die Protagonisten dieses Buches.
Damit dies gelingt hat Clémentine Beauvais in einem ungewohnt sachlichen, emotionslosen Erzählstil eine Geschichte erzählen lassen. Eine Geschichte, die weder mit großer Handlung noch einer vielseitigen Konzeption auskommt. Sondern einfach, nüchtern, trocken und sachlich die Geschichte so erzählt, wie sie David gelebt hat. Er selbst schildert sie dabei rückblickend.

Warum das Thema Flüchtlinge so brandaktuell ist

Was die Aktualität des Themas angeht, so ist dieses Thema wohl immer irgendwie allgegenwärtig, mal ein bisschen mehr mal ein bisschen weniger. Kriege oder Krisen gibt es immer Gewalt oder Gewaltsandrohungen gegen Randgruppen sind leider ebenfalls omnipräsent. Wobei das Thema eigentlich so einfach wie kompliziert ist. Denn natürlich haben die normalen Bürger Angst vor allem was neu ist. Angst aber vielleicht auch davor selbst einmal in eine ähnliche Situation zu kommen.

Wer oder was sorgt aber dann dafür das Flüchtlinge, die zahlenmäßig gar nicht so vereinzelt vorkommen, dann als Randgruppe erlebt werden? Ist es diese Angst vor dem Unbekannten? Es sind doch in erster Linie Menschen, Menschen die verdammt negative Erfahrungen machen mussten, die bereit waren ihr Leben und ihren Besitz zurückzulassen, um irgendwo anders in Sicherheit ein neues Leben aufzubauen.

Wer ist diese Clémentine Bauvais?

“Clémentine Beauvais wurde 1989 in Paris geboren. Sie hat in Cambridge über Kinderliteratur promoviert, wo sie auch heute noch lebt. Sie schreibt Kinder- und Jugendbücher auf Französisch und Englisch. »Dreckstück« ist ihr erstes Buch, das in Deutschland erscheint.”

Warum ist dieses Buch in dieser Art und Weise geschrieben?

Mit der Frage warum die Autorin dieses Buch in genau dieser Art und Weise verfasste, wie es hier geschah, beschäftigte ich mich nun schon eine ganze Weile. Tatsächlich zu keinem Ergebnis gekommen, wohl aber zu einer Überlegung. Man sagt: „Sage es mir und ich werde es hören, zeige es mir und ich werde es verstehen.“ Wahrscheinlich ist genau das die Erklärung, warum die Autorin dieses Buch genau in diesem Stil verfasste. Wenn es in einem angenehmeren Stil verfasst worden wäre, wäre dieses Buch vermutlich nicht das Buch geworden, was nun ist, ein Diskussionsbeitrag zur aktuellen politischen Lage. Ein europaweites Problem, das in einem Buch für Jugendliche ab 14 Jahre erörtert wird

Fazit

Für mich ist das Fazit eindeutig: dieses Buch gehört zu jenen Büchern, die man vielleicht lesen sollten, um einen Bezug zum Thema zu bekommen. Aber es gehört auch zu den Büchern, die man definitiv nur einmal lesen wird.

Bei Krimis gehe ich genau von dieser Annahme aus, weil man nach einmaligen lesen die Abläufe und den Mörder kennt, dennoch kann sich hier ein zweites Lesen lohnen. Bei diesem Buch ist meine Vermutung eine andere. Dieses Buch ist so nachhaltig, so realistisch, so anmaßend und doch so wichtig, dass man es nur einmal lesen muss zu verstehen, dass unsere Gesellschaft in der heutigen Zeit anders funktionieren muss, um ein vernünftiges Miteinander zu gewährleisten.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich euch empfehlen soll dieses Buch zu kaufen, denn mit 11,99 € ist es definitiv ein Buch, dass einerseits nicht besonders vielseitig daherkommt (96 Seiten sind für mich mehr eine Kurzgeschichte als ein echtes Buch) andererseits aber auf diesen 96 Seiten besonders stark ist.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich euch dieses Buch wirklich empfehlen sollte, da es unsagbar brutal ist und definitiv nicht von einem normalen Jugendbuch in der vierten hat. Es erinnert ein wenig an die Bücher von Morton Rhue, aber selbst das ist für das hier gezeigte ein unvollständiger Vergleich, da dieses Buch noch näher an unserer heutigen Zeit ist. Noch näher an unserer Realität, an unserer Lebenswirklichkeit.

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„Dreckstück“ von Clémentine Beauvais
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