„Herz aus Gold und Asche“ von Katja Ammon ist ein Fantasy-Jugendroman, der…

 „Herz aus Gold und Asche“ von Katja Ammon ist ein Fantasy-Jugendroman, der mich gleichermaßen überrascht, wie erschrocken und begeistert hat. Jaja, ich weiß, dass dies der drei Sachen sind sich eigentlich ausschließen. Aber ich möchte es euch erklären, denn wenn drei Dinge in dieser Reihenfolge aufeinander treffen, ist definitiv Klärungsbedarf. Damit man meine widersprüchlichen Gefühle versteht, möchte ich jedoch erst einmal damit beginnen, das Genre Jugendbuch ein wenig für mich zu ordnen.

Natürlich spricht einen auch das Cover in Gold und Blau grau sehr an, denn es fällt ins Auge. Es hebt sich ab und ist so ganz anders als die meisten anderen Jugendbücher. Gleichzeitig wächst dieses traumhaft schöne Cover natürlich auch Erwartungen. Diese stehen auf den ersten Blick im krassen Gegensatz zu dem, was man bekommt. Man erwartet eine Art Liebesgeschichte, die man irgendwo sogar bekommt. Man kann sie jedoch nicht mit einem derartig ernsten Thema in Einklang bringen. Zunächst aber meine Einordnung zum Thema Jugendbuch.

Das Genre Jugendbuch

Das Genre der Jugendbücher ist in sich in viele unterschiedliche Facetten unterteilt und das ist auch gut so. Denn jeder Jugendliche ist der seine ganz spezielle Weise individuell. Schön, wenn sich die Bücher an den Jugendlichen orientieren. Ungünstig, wenn man durch dieses an sich offene Genre plötzlich etwas anderes erhält man erwartet. Etwas, das einen auf den ersten Blick ein wenig erschreckt.

Ich persönlich habe kein Problem damit, wenn Bücher sich mit Problem-Themen beschäftigen. Krebs im Sinne von Leukämie sicherlich so ein Thema, über das man Jugendliche aufklären sollte. Es wird in unserer Welt immer öfter thematisiert. Auch der Forschungsaspekt an sich ist nicht schlecht. Dennoch traf mich dieses Thema im Buch ein wenig unvorbereitet. Auch wenn im Klappentext ihr ein Konflikt auf Leben und Tod angekündigt war.

Jugendbuch: früher vs. heute

Ich hatte Jugendbücher aus dem Thienemann Verlag erheblich leichter in Erinnerung und war aus diesem Grund zunächst ein wenig enttäuscht. Letztendlich kam diese Enttäuschung gepaart mit der Überlegung, an welche Zielgruppe sich das Buch richtet. Der Roman thematisiert nicht etwa die erste Liebe, Freundschaft und die Entdeckung der eigenen Identität. Die ganze Geschichte hat ein wenig mehr Ernsthaftigkeit als die Bücher, die ich im Alter von elf oder zwölf Jahren gelesen habe.

Tatsächlich habe ich den Eindruck, dass die Jugendlichen heute viel schneller erwachsen werden müssen und sich viel schneller eine Identität verschaffen (sollen) als noch zu unserer Zeit war. Das klingt jetzt so, als wäre ich schon uralt. Doch als uralt sehe ich mich nicht. Vielmehr zeigt dieser Wandel der Bücherwelt wie sehr sich unsere Welt und unsere Weltanschauung in den letzten zehn Jahren verändert haben. Aber ich schweife ab. Das ist eigentlich gar nicht das was ich sagen möchte. An dieser Stelle soll es ja um das Buch gehen und nicht um meinen Blick auf unsere Welt. Worum geht es bei diesem Buch? Warum empfinde ich es als ernster und zukunftsorientierter als jene Bücher, die ich selbst als Jugendliche gelesen habe?

Zum Inhalt

Da ich den Inhalt selbst nur schwer zusammenfassen kann ohne dabei Dinge auszuplaudern, die euch die Spannung nehmen, zeige ich euch an dieser Stelle den Klappentext des Buches:

“Elin kann es nicht fassen! Ohne große Anstrengung ergattert sie ihren Traumjob in einem der weltweit größten Pharmaunternehmen. Nicht nur, dass sie in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters tritt, nein, mit der Forschung kann sie möglicherweise ihrem schwerkranken Bruder helfen. Allerdings ist es nicht einfach, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, seit sie dort Esra begegnet ist. Er sieht umwerfend aus und ist unglaublich charmant, aber irgendetwas scheint er vor ihr zu verbergen. Und jeder Schritt in seine Richtung treibt Elin mehr in die faszinierende sowie gefährliche Welt einer längst vergessenen Legende. Bis sie sich entscheiden muss: Wen soll sie retten – ihren Bruder oder ihre große Liebe?” (Klappentext)

Eine Frage der Handlung

Jetzt, wo ihr den Klappentext des Buches kennt, kann ich euch auch sagen, dass das Buch sehr rasant damit beginnt. Dass Elin, die weibliche Hauptfigur dieses Buches, eine duale Ausbildung beginnt. Jedoch ohne recht zu wissen, wie es ihr überhaupt gelingen konnte, die Stelle zu bekommen. Natürlich handelt es sich hierbei um ihren Traumjob. Ja, mir ist bewusst, dass sich die Jugendlichen heute früher mit möglichen Berufsperspektiven beschäftigen. Dennoch war dies ein rasanter Einstieg, der mich einerseits überraschte. Andererseits aber auch während des Lesens ein wenig aus der Bahn warf. Katja Ammon gelang es gleichzeitig eine begeisterte und interessierte aber ebenso naive Protagonisten zu erschaffen, die nichts anderes im Kopf hatte, als ihren Traumjob zu ergattern. Allerdings ohne sich darüber im Klaren zu sein, warum ihr Traumjob auch an ihr so ein großes Interesse hat.

Erschreckend viel Realität

Dies ist einer von mehreren Aspekten, die mich erschrocken hat. Denn es gelang Katja Ammon eine glaubwürdige Figur zu erschaffen, die ein Problem unserer heutigen Zeit aufzeigt. Viele haben eine konkrete Idee, was sie machen wollen. Jedoch haben sie keine oder nur eine vage Vorstellung davon, was sie in ihrem Job erwartet. Diese vage Vorstellung wird im Buch noch dadurch verstärkt, dass die Naivität der Protagonisten auf ziemlich perfide Art hinters Licht geführt wird. Ja, Elin ist sehr gutgläubig. Sie glaubt, dass die Firma keinerlei Hintergedanken hat, als sie einfach so ihre Traumstelle mit guter Bezahlung und bester Perspektive gibt. Obwohl sie eigentlich noch gar nicht in der Lage sein sollte, eine derartige Stelle zu erhalten.

Themen des Buches

Das alles klingt jetzt natürlich etwas unrealistisch, der Autorin gelingt es jedoch, den Leser selbst in die Geschichte hinein zu ziehen. Sodass er sich ähnlich wie Elin nichts bei ihrer Ausbildungsstelle im Pharmakonzern denkt. Dies war das erste Mal, dass ich als Leser von „Herz aus Gold und Asche“, ob der Leichtgläubigkeit der Protagonisten und der Realitätsnähe der Autorin erschrak.

Tatsächlich meine ich die Naivität oder auch die Leichtgläubigkeit keinesfalls als ein negatives Kriterium für „Herz aus Gold und Asche“. Nur schafft diese Naivität eine gewisse Jugendlichkeit, die wohl jeden, der in einen Beruf startet, heutzutage begleitet. Es handelt sich hierbei weniger um eine charakterliche Schwäche, als vielmehr um eine Jugendliche Unwissenheit. Diese integriert “Herz aus Gold und Asche” perfekt in die Handlung.

Thema Leukämie

Der zweite Aspekt, der die Realitätsnähe der Autorin zeigt, ist Aspekt der Leukämie. Ich habe es bisher bei keinem Jugendbuch , sieht man einmal von der „Schicksal ist ein mieser Verräter“ ab,  erlebt, dass dieses Thema in einem Jugendbuch so intensiv, feinfühlig und gleichermaßen verstörend dargelegt wird. Ich bin mir sicher, dass es noch mehr Jugendbücher dieser Art gibt. Allerdings weiß ich nicht, ob eine zwölf oder 13-jährige Person tatsächlich schon so brutal mit der Realität konfrontiert werden möchte. Ich persönlich sehe „Herz aus Gold und Asche“ für Leser ab 14, so wird der Verlag auch eingestuft hat.

Manche Jugendliche denken jedoch schon früher daran lesen zu wollen und womöglich denkt man als Elternteil: „Gut, die zwei Jahre, sind sie wirklich so wichtig?“ Ja, meiner Meinung nach sind genau diese zwei Jahre wichtig um sich Gedanken eigene Identität zu machen. Denn man muss wissen man selbst steht, bevor man anderen in irgendeiner Weise Verantwortung entgegenbringen kann. Sieht man sich mit dem Thema konfrontiert sollte man bereits eine gewisse Reife mitbringen, da die Autorin zwar einen leichten und lockeren Schreibstil mitbringt. Jedoch bringt sie auch in ihrer Wortwahl und in Anbetracht ihrer Zielgruppe einen gewissen Lesefluss mit. Dieser zeigt sich insbesondere bei ihrer Wortwahl. Bevor ich jetzt jedoch zum Ziel der Autorin komme, möchte ich noch kurz erwähnen, dass sich bei einer Realitätsnähe auch eine Liebesgeschichte und eine Geschichte um Freundschaft, Vertrauen und Verantwortung entspinnt.

Moral in Geschichte verpackt

Tatsächlich ist es Katja Ammon gelungen, viele unterschiedliche Aspekte des Erwachsenwerdens in eine Geschichte zu. Zum einen sind da die Themen Beruf und Verantwortung, zum anderen auch Freundschaft, Liebe und Vertrauen. Als ich dieses Buch begonnen habe zu lesen, war mir nicht klar, welch geballte Ladung von Themen mich bei “Herz aus Gold und Asche” erwarten würden. Ja ich hatte ein ernstes Thema erwartet. Nicht erwartet hatte ich das, was mich bei diesem Buch erwartete. Eine atmosphärisch dichte, gleichzeitig unterhaltsame wie informative Geschichte, die eher dem All-Age-Buch entspricht als dem klassischen Jugendbuch.

Der Stil der Autorin

Der Stil der Autorin zeigt ihren Umgang mit den Naturwissenschaften. Gleichzeitig mit ihrer locker leichten Art zu schreiben gelingt es ihr naturwissenschaftliche wie medizinische Aspekte fachgerecht und nah an der Zielgruppe zu verpacken, ohne den Leser dabei zu überfrachten oder zu überfordern. Die Leichtigkeit wird durch die Elemente des Thrillers zwar etwas zurückgefahren und durch die Fantasy-Elemente eher atmosphärisch betrachtet, dies jedoch unterschwellig vorhanden.

Mir persönlich gefiel diese Mischung aus naturwissenschaftlicher Sachlichkeit und persönlich menschlicher Kommunikation, die sich an der Zielgruppe orientierte, sehr gut, dennoch war es eine ungewöhnliche Mischung, von der ich gerne mehr lesen würde.

Auftakt einer Reihe oder Stand alone?

Handelt es sich nun um eine Reihe oder einen Stand alone? Diese Frage lässt sich nicht unbedingt beantworten, da es sowohl die Möglichkeit gäbe, ein weiteres Abenteuer für Elin und Esra zu besinnen, das ganze jedoch auch für sich allein stehen könnte.

Fazit

Ein Jugendbuch, dass eine gewisse Reife fordert, dass sich mit aktuellen Themen unserer Zeit beschäftigt und gleichzeitig dicht am Alltag der Jugendlichen dran ist. Ein Buch, das einen fesselt und zum Nachdenken anregt, aber keines das mit gewohnter Leichtigkeit eine erste Liebe thematisiert. Wer einen Liebesroman erwartet, hier falsch, da der Liebesroman zwar immer eine Rolle spielt, jedoch durch ernsthafte Themen zurückgedrängt wird. Liebe existiert, aber sie steht bei diesem Roman nicht im Vordergrund, vielmehr geht es um eine Art tiefes Urvertrauen in sich und seine Freunde.

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„Herz aus Gold und Asche“
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