“Die Holunderschwestern” von Teresa Simon ist ein Buch, von dem ich …

Voraussichtliche Lesezeit: 4 Minuten.

… ursprünglich dachte, es sei besser, es nicht zu lesen. Der Grund: Die Handlung spielt genau zwischen den beiden Weltkriegen. Bei vielen Büchern war dieses Thema Abschreckung genug, um zu sagen: »Nein, dieses Buch lese ich nicht!« Doch bei diesem Buch war es anders. Dieses Buch legte eine positive Grundstimmung nahe und tatsächlich erschien zunächst alles atmosphärisch dicht und die gesellschaftliche Stimmung war verhalten positiv.

Somit glaubte ich anfangs auch, das Buch ließe sich einfach so lesen. Ihr wisst ja, dass ich während des Lesens eine Art Kopfkino erlebe. Dieses Kopfkino lässt sich bei richtig guten Büchern auch nicht abstellen und womöglich ist das auch ein Grund, warum ich Bücher mit Weltkriegshandlung meide. Meine Vorstellung malt sich die Handlung dann nämlich immer in den dunkelsten Farben aus. Keine schöne Vorstellung, aber bei diesem Buch hielt sich meine Fantasy bedeckt, bis zu einer ganz bestimmten Szene, die ich euch natürlich nicht verraten werde.

Inhalt

Bevor ich jedoch auf die Atmosphäre dieses Buches eingehe, möchte ich euch den Inhalt vorstellen. Natürlich ohne euch zu viel zu verraten. Zunächst möchte ich dieses Buch der Gattung Roman zu ordnen. Es ist eindeutig ein Roman aus Genre Belletristik; genauer gesagt ist es eine Familiengeschichte, die mit den klassischen Elementen ausgestattet zu sein scheint.

Wie oft in historischen Büchern ging um die Geschichte einer weiblichen Figur. Tatsächlich gab es jedoch mehr als nur eine Hauptfigur. Mindestens müsste man drei Figuren zu den Schlüsselfiguren, den Helden dieses Romans zählen. Namentlich Katharina Raith, sowie die die Zwillingsschwestern Fanny und Fritzi Haller.

Ohne zuviel verraten zu wollen, kann ich sagen, dass es sich um unterschiedliche Generationen der gleichen Familie handelt. Wobei Theresa Simon im Rahmen dieses Buches streng der weiblichen Linie der Familie folgt. Im Sinne der Ahnenforschung wäre dies jedoch sehr ungewöhnlich, da man hier zumeist der männlichen Linie einer Familie folgt. Im Umfeld der belletristischen Romane jedoch wird überwiegend über die Schicksale von Frauen in der jeweiligen Zeit berichtet. Eigentlich ist das für uns Leser sehr schade, da es einige wenige historische Bücher mit männlichen Protagonisten gibt, oder etwa nicht? Aber ich weiche vom Thema ab, zurück zu den Raith-Frauen und ihren Lebensläufen.

Katharina ist Restauratorin. Gemeinsam mit Freundin und Kollegin Isi hat sie sich nach Abschluss ihrer Ausbildung auf die Restauration von alten Möbeln spezialisiert und mit einer kleinen Werkstatt selbstständig gemacht. Isi jedoch besitzt das Talent, Möbel restaurieren zu wollen, die besonders zeit- und kostspielig sind. Aktuell hat es ihr eine alte Ladenzeile etwa aus der Zeit der Jahrhundertwende angetan. Doch der derzeitige Besitzer, ein Landwirt mit Alpakazucht, hat keinerlei Interesse daran, die besagte Ladenzeile zu verkaufen. Warum auch? Stand sie doch schon in der Scheune, als er selbst noch ein Kind war. Etwa zur gleichen Zeit kommt Katharina in den Besitz von Fannys Tagebücher. Ihr ist dabei zunächst unklar, wie der sympathische Londoner Alex Bluebird an die Tagebücher ihrer Ahnin gelangt ist…

Parallel zu diesem Erzählstrang entfaltet sich die Geschichte der Tagebücher Fannys vor den Augen des Lesers und erzählt die Ereignisse der Familie Haller, später Raith, im Zeintraum von 1918 bis 1936. Die Tagebuch-Einträge bilden dabei jeweils den Einstieg in einen Blick in die Vergangenheit, sodass der Leser die Ereignisse hautnah miterlebt. Das ganze erschien mir als Leser zunächst recht spannend, wenn auch aufgrund der atmosphärischen Dichte etwas anspruchsvoller als das typische leichte Buch für zwischendurch. Dann jedoch kam kurz vor Ende diese eine Szene, die mein Gefühl bei diesem Buch deutlich veränderte.

Wie eine Szene das Gefühl für ein Buch auf den Kopf stellte

Die Grundstimmung des Buches gefiel mir zu Beginn recht gut. Sie war nämlich heiter fast schon fröhlich. Doch die gelöste Stimmung verflüchtigte sich im Verlauf des Buches. Dies ist natürlich mein persönliches Empfinden und natürlich passt der Stimmungswechsel zum historischen Verlauf, zu mal er nur unterschwellig stattfindet. Es brodelt unter der Oberfläche, wie man so schön sagt. Der Stimmungsverlauf ist dabei vulkanartig. Zunächst erinnert nichts an eine Gefahr. Doch nach und nach fängt es an, zu brodeln.

Die Handlung wird schneller und die Ereignisse überschlagen sich bis sich die Spannung zu spitzt. Dieser Spannungsverlauf wird ergo in der Handlung ebenso deutlich. Das Konfliktpotential steigt bis zum großen Knall und entlädt sich blitzartig in der Szene, die alles veränderte. Es ist mit Sicherheit eine der stärksten Szenen des Romans. Gleichzeitig ist diese Szene jedoch auch die mit den größten Auswirkungen für die Protagonisten.

Der Stil

Der Stil von Teresa Simon ist sprachlich wie stilistisch passend und atmosphärisch wie sprachlich an die unterschiedlichen Zeiten angelehnt. Das macht es dem Leser leicht, in das Buch einzutauchen. Jedoch muss man als Leser gleichwohl befürchten, von der Geschichte mitgerissen zu werden und zu ertrinken.

Fazit

Ein Roman mit Sogwirkung ist es auf jeden Fall. Es ist ein sehr kompakter Roman, der es dem Leser leicht macht, tief in die unterschiedlichen Zeiten einzutauchen. Gleichzeitig muss ich als Leser jedoch sagen, dass man eben nicht nur eine positive Stimmung verdeutlicht bekommt, sondern zu jeder Zeit eine historisch angemessene. Dieser Zeitraffer-Effekt lässt das Buch sehr vielschichtig erscheinen, stellt jedoch den Leser vor die Aufgabe einer emotionalen Achterbahnfahrt.

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"Die Holunderschwestern"
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