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“Das Haus der Malerin” von Judith Lennox

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“Das Haus der Malerin” von Judith Lennox gehört zu jenen Hörbüchern, die mich von Anfang an brennend interessierten und das, obwohl ich bislang nicht ein einziges Hörbuch oder Buch der Autorin gelesen oder gehört habe. Grund dafür ist die Geschichte selbst. Judith Lennox entwickelte eine Geschichte mit zwei Handlungssträngen, die zunächst wenig miteinander zu tun zu haben scheinen, deren Verbindung sich aber im Verlauf der Geschichte immer mehr verwebt.

Zwei Frauenschicksale

Surrey, 1970: Rose lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Walton-on-Thames. Das Familienleben erscheint überaus harmonisch, nach außen erscheint es so als führe die junge Mutter das perfekte Leben, an der Seite ihres treusorgenden Mannes. Kurz darauf erbt sie das Haus ihrer verstorbenen Großmutter und erfährt wenig später von der Schwester ihrer Großmutter, die in den 1930er Jahren spurlos verschwand. Als die Fassade ihrer Familienharmonie nach einer Affäre ihres Mannes zu bröckeln beginnt, nimmt Rose ihr Leben selbst in die Hand und baut sich endlich ein Leben auf, das ihren eigenen Zielen und Wünschen entspricht und mehr ist als nur eine schöne Fassade.

Sussex, 1928: Sadie erbt gerade die Häuser ihres Vaters und beginnt sich ein Leben in “The Egg” aufzubauen. Sie ist Malerin und ein echter Freigeist. Bald schon findet sie in ihren Nachbarn, die in “The Gull’s Wing”, dem zweiten größeren Haus ihres Vaters leben, Gleichgesinnte und knüpft erste Kontakte in die Szene. Schon bald hat sie sich einen Namen gemacht und ahnt nicht, welche Bedrohung im Verborgenen lauert.

Ein Frauenbild ihrer Zeiten?

Sind Rose Martineau und Sadie Lawless nun die Abbilder einer Frauenrolle ihrer Zeit? So pauschal lässt sich das keinesfalls beantworten, denn beide Frauen strebten für sich ein selbstbestimmtes Leben an, das so gar nicht in ihre Zeit passte. Sie sind gleichzeitig jedoch tief im Frauenbild der damaligen Zeit verwurzelt und sicher auch durch eben dieses geprägt.

Sind sie nun aus der Zeit gefallen? Nein, auch das lässt sich nicht pauschal behaupten, denn bei aller Rollenbilder entwickeln beide Frauen einen eigenständigen Charakter, den man vor seiner Zeit oder auch davon losgelöst betrachten kann. Sowohl Sadie als auch Rose sind stolz und selbstbewusst, aber in manchen Szenen doch ein wenig blauäugig und unbedacht.

Stilistisch

Betrachtet man die unterschiedlichen Zeiten und Erzählstränge, muss man hinterfragen, ob sich der Erzählstil der Autorin innerhalb der Geschichte verändert. Das ist jedoch nicht der Fall. Judith Lennox wählte stattdessen einen zeitlosen und klassisch-schnörkellosen Stil, der die Handlung in den Mittelpunkt der Geschichte stellt.Mir persönlich gefiel dieses stilistische Merkmal auf Grund seiner Schlichtheit ausgesprochen gut, auch wenn es den Einstieg in die Geschichte zu Beginn etwas schwerer erscheinen ließ. Der Hintergrund dabei war nämlich, dass die Autoren tatsächlich zeigte anstelle zu erzählen. Sie überließ den Lesern oder meinem Fall den Hörern die Bewertung dessen was passierte und erzählte schlicht den Ablauf, die Emotion und das was man von außen wahrnehmen konnte. Dennoch gab es auch Szenen, in denen die Emotionen der Protagonisten deutlich sichtbar wurden. Dennoch blieb es bei dem äußeren. Innenansichten gab es nämlich keine.

Über Judith Lennox

“Judith Lennox, geboren 1953 in Salisbury, wuchs in Hampshire auf. Sie ist eine der erfolgreichsten Autorinnen des modernen englischen Gesellschaftsromans und gelangt mit jedem neuen Buch auf die deutschen Bestsellerlisten. Judith Lennox liebt Gärtnern, ausgedehnte Wanderungen, alte Häuser und historische Stätten. Sie lebt mit ihrem Mann in Cambridge. Die beiden sind Eltern dreier erwachsener Söhne.” (Piper Verlag)

Über Cathlen Gawlich

Cathlen Gawlich wurde 1970 in Sömmerda geboren. Nach ihrer Schauspielausbildung an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam hatte sie verschiedene Engagements in Berlin und Potsdam. Außerdem war sie unter anderem in den Serien Doppelter Einsatz, Polizeiruf 110 und Tatort zu sehen und spielte in den Kinofilmen Nachtgestalten und Emil und die Detektive mit. Sie ist die Synchronstimme von Sandy, dem Eichhörnchen in SpongeBob, spricht den Kakadu im gleichnamigen Kinderprogramm von Deutschlandradio Kultur und synchronisiert Rose in der Fernsehserie Two and a Half Men.” (Hörbuch-Hamburg)

Warum ich “Das Haus der Malerin” als Hörbuch hörte

Meiner Meinung nach ist es an dieser Stelle schwierig tatsächlich einzuschätzen, ob ich diese Geschichte besser als oder als Buch fand, da ich sie bislang nur als Hörbuch gehört habe. Die Hörbuchversion ließ die Geschichte so erscheinen, als ob sie einem von einer anderen Person erzählt wurde, die immer wie ein guter Freund daneben stand und die Geschichte miterlebt haben, ohne sie zu bewerten, einzuschätzen oder etwas Vergleichbares. Ich bin mir nicht sicher, ob mir diese Geschichte als Buch ebenso gut gefallen hätte. Tatsächlich glaube ich, dass das Hörbuch selbst den Zugang zu dieser Geschichte gegeben hat. Es erschien fast so, als ob diese Geschichte im Rahmen des Gespräches erzählt wurde.

Cathlen Gawlich hat als Erzählerin an dieser Stelle ganze Arbeit geleistet und passt, obwohl sie etwas jünger ist als Rose, sehr gut zu dieser Geschichte. Auch ihre Stimme hat nämlich einen weitestgehend zeitlosen Charakter, der dennoch keinesfalls ermüdend ist, sondern durch Höhen und Tiefen überzeugt. Mir persönlich gefiel der Erzählfluss, mit dem sie diese Geschichte zum Leben erweckt.

Der Reiz dieser Geschichte

„Das Haus der Malerin“ von Judith Lennox erzählt die Geschichte zweier Frauen und zeigt somit auch gleichzeitig, wie sich das Frauenbild im Verlaufe der Zeit gewandelt hat, allerdings habe ich ja bereits weiter oben darauf hingewiesen, dass es keine klassischen Rollenschemata gab.

Beide Frauen waren für ihre Zeiten sehr selbstbewusst und selbstständig und doch waren ihre Geschichten, nachdem man sie zu Beginn erst einmal kennenlernen musste höchst spannend und hörenswert. Meiner Meinung nach ist diese Geschichte absolutes Pflichtprogramm für all jene Frauen, die glauben, sie müssten sich heute mit Wörtern wie Emanzipation schmücken. Ich glaube, dass dieses Hörbuch für mich genau die richtige Wahl war, da ich selbst nicht in den siebziger Jahren gelebt habe. Für mich die jünger ist, als die Zeit in der das Hörbuch spielt, war der Einstieg somit ungewöhnlich, aber es hat sich gelohnt.

Fazit: Warum sollte ich dieses Hörbuch hören oder das Buch lesen?

Diese Geschichte ist etwas für all jene, die sich einmal mit der Frauengeschichte auseinandersetzen möchten und mit der Entwicklung, die diese Geschichte durchlaufen hat. Meiner Ansicht nach ist dieses Buch einerseits der klassische Belletristik-Roman, andererseits aber auch viel mehr als das. Diese Geschichte ist eine Geschichte über das Leben als Frau, die auf der Suche nach Selbstständigkeit neue Wege bestreitet. Möglicherweise ist es also eher etwas für Frauen, die heute eher im Job stehen, als einzig und allein als Hausfrau zu leben. Denn eine Hausfrau sind beide Frauen keinesfalls, vielmehr drücken sie ein Selbstbewusstsein aus, das ihresgleichen sucht.

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Marie

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