MF4: Zur Wertschätzung des Antagonisten eines Buches

Antagonist MF4: Zur Wertschätzung des Antagonisten eines Buches
Sharing is Caring! Hilf mit, diesen Beitrag bekannt zu machen!
2 min read

Aktualisiert am 4. September 2020 von Marie

Die heutige Montagsfrage von Buchfesserchen zielt auf eine ganz bestimmte Idee ab, eine Idee, die ich so nur bedingt teilen kann. Aber zunächst möchte ich euch die heutige Montagsfrage präsentieren: „Gibt es Antagonisten, die ihr mehr mögt als Protagonisten bestimmter Bücher/Reihen und falls ja, was ist der Grund dafür?“

Die Aufteilung in Protagonist und Antagonist ist so alt wie die Literatur oder das fiktive erfundene Buch selbst es ist. Für die Erzählung selbst ist auch sinnvoll, seine Figuren in Antagonisten und Protagonisten einzuteilen. Gleichzeitig ist dieses ein Widerspruch in sich. Denn jeder Protagonist ist gleichzeitig der Antagonist einen anderen. Somit lässt es sich für mich nicht unbedingt sagen, ob ich bestimmte Antagonisten mehr schätzen als den Protagonisten. Jeder Antagonist ist für mich auch gleichzeitig ein Protagonist und jeder Protagonist ein Antagonist.

Woher kommt diese strikte Verneinung der klassischen Rollenaufteilung?

Ich möchte ehrlich mit euch sein, die klassische Rollenaufteilung liegt mir überhaupt nicht. Sobald eine Figur nur in einem von beiden Kategorien hineinpasst, erfüllt sie das Klischee der Eindimensionalität. Eine gute Figur ist vielschichtig und passt nicht nur in gut oder in böse. Das Buchfresserchen selbst sprach von den Figuren in Harry Potter. Auch ich würde diese Figuren für meine Argumentation heranziehen, denn mit Ausnahme von Lord Voldemort gibt es da keine Figur, die ausschließlich gut oder schlecht ist. Sie sind vielschichtig aufgebaut, undurchschaubar und unberechenbar und genau das macht für mich auch den Reiz dieser Reihe aus. Die Verhaltensweisen der Charaktere sind nicht vorhersehbar. Sie wirken lebendig eben, weil sie so vielschichtig sind.

Kann man Figuren in Protagonisten und Antagonisten einteilen?

Nein, denn eine gute Figur ist so glaubwürdig wie ein Mensch und ich kenne persönlich niemanden, der nicht mal einen schlechten Tag hat, launisch, arrogant und mit dem Messer zwischen den Zähnen daherkommt. Persönlich kenne auch niemanden, denn nur böse ist. Meiner Meinung nach gibt es für jedes menschliche Verhalten eine Basis, auf die es begründet ist.
Aus diesem Grund setze ich auch nicht in Büchern fest, wer mein Protagonist oder mein Antagonist ist, ich setze Protagonisten und Antagonisten in Beziehung zu anderen. Somit kann ich für mich die Frage, ob es Antagonisten, die ich lieber mag, als Protagonisten nicht beantworten. Vielleicht ist das auch gut so, denn mit meiner Vorgehensweise beschreibe ich ein Beziehungsgeflecht und setze die einzelne Figur im Bezug oder Beziehung zu anderen.

Sharing is Caring! Hilf mit, diesen Beitrag bekannt zu machen!

15 Kommentare

  1. Ich liebe Protagonisten, die nicht nur gut, liebenswert oder heldenhaft sind. Die sind quasi Hauptperson und ihr eigener Gegenspieler in einem. Ein Paradebeispiel dafür ist Sebastian Bergman in der Krimireihe von Hjorth & Rosenfeldt. Der ist oft so bösartig, dass einem die Luft wegbleibt, andererseits hat er auch einige liebenswerte Eigenschaften und ist deshalb zutiefst menschlich. Der braucht keinen ausdrücklichen Gegenspieler (obwohl er in den Mördern, die er jagt, natürlich schon in gewisser Weise welche hat).

    LG Gabi

    1. Stimmt, die Reihe kenne ich auch, liebe Gabi, wobei ich sagen muss, dass es nur wenige Figuren gibt, wo es so gut gelingt wie bei Sebastian Bergman.
      Liebe Grüße,
      Marie

  2. Hallo Marie,

    jedoch ist so ein Bösewicht, nicht immer so sympathisch, dass man ihn mögen muss. Oft sind diese Charaktere aber so gut beschrieben, dass es Spaß macht ihnen zu folgen.

    Ganz liebe Grüße aus Tirol
    Marie

    1. Hallo Marie,
      ich stimme dir du, wenn du mögen als sympathisch sein übersetzt. Wenn du es jedoch im Sinne der Handlung als interessanter sein oder als weniger nervig, dann kommst du zu deiner zweiten Annahme. Dann macht es Spaß seiner Handlung zu folgen.
      Liebe Grüße,
      Marie

  3. Vielleicht irre ich mich, aber ich bin der Meinung, dass der Protagonist automatisch die Hauptfigur ist, nicht jede "gute" Figur einer Geschichte. Damit kann er doch auch negative Eigenschaften, oder? Genauso wie der Antagonist ja auch kein abgrundtief schlechter Mensch sein muss, sondern nur der Gegenspieler unseres Protagonisten. Nur indem die Charaktere in diese Kategorien passen, müssen sie nach meinem Verständnis also nicht automatisch auch eindimensional sein, auch wenn das leider oft der Fall ist. Ich verstehe aber, was du meinst.
    Liebe Grüße!

    1. So sehe ich das auch: der Protagonist ist nicht unbedingt 'der Gute', sondern einfach die Hauptfigur und der Antagonist sein Gegenspieler. Und – ein interessanter Aspekt von dir, Marie – der eine ist des anderen Antagonist 😉 Da kommt es wohl auf die Perpektive an.
      Aber einig scheinen wir uns darin zu sein, dass wir die Vielschichtigkeit von Personen lieben.
      Und … jetzt habt ihr mich richtig neugierig auf Sebastian Bergman gemacht. Der wartet hier schon.
      LG, Ingrid

    2. Liebe Jacquy, liebe Ingrid,
      so sehe ich das tendenziell auch. Allerdings ist der Protagonist traditionell eher positiv konnotiert. Der Antagonist ist in der Tradition hingegen eher negativ konnotiert. So gesehen ist also die Hauptfigur im Sinne des Protagonisten ein Fürsprecher im Sinne der Handlung. Der Antagonist im Sinne des Gegenspielers ist er jemand der die Handlung negativ beeinflusst, sie womöglich sogar sabotiert.
      Liebe Grüße, Marie

    3. Da hast du recht, aber das liegt eigentlich nur daran, dass die Geschichte in den aller meisten Fällen einfach nicht aus Sicht des Bösewichts geschrieben ist. Also ist es nicht so, dass Protagonist automatisch positiv ist, sondern es einfach "zufällig" in den meisten Fällen so ist. Ist aber keine Bedingung.
      Aber genau, der Antagonist handelt entgegen des Protagonisten.

  4. Hallo,

    du hast dir mit der Beantwortung ja viel Mühe gegeben.
    Mal hier ganz kurz: Die Figuren leben allesamt von ihrer Vielschichtigkeit. Vielleicht wäre es dann ein ganz schlechtes Zeichen, wenn man als Leser den Prota dem Antagonisten oder umgekehrt vorzieht.

    Liebe Grüße Barbara!

  5. Wow, du hast dir ja wirklich viele Gedanken zu der Frage gemacht. Mit der Rollenaufteilung hast du recht, da habe ich ehrlich gesagt noch gar nie so genau darüber nachgedacht. Aber ja, es sind eigentlich die Figuren an sich, die vielschichtig und interessant sein sollten, nicht welche Rolle sie zu erfüllen haben.

    Liebste Grüße
    Myna

    1. Liebe Myna,
      die Rollenfunktion der Figuren ist meiner Meinung nach keinesfalls unwichtig, wenn es um Empathie für eine Figur oder den Ablauf der Geschichte geht.
      Tatsächlich definiere ich die Rollenfunktion selbst über die Betrachtung der Charakterzüge.
      Liebe Grüße, Marie

  6. Das ist natürlich auch noch ein Punkt: Ganz ehrlich gesagt überlege ich bei meiner aktuellen Lektüre nie groß, wer jetzt eigentlich Protagonist und wer Antagonist ist. Und damit, dass die beiden immer die zwei Seiten einer Münze sind, hast du natürlich vollkommen recht 🙂

    1. Liebe Denise,
      auch mir ist die Rollenverteilung beim Lesen eher unwichtig, solange sich aufgrund der unterschiedlichen Rollen eine spannende, im Sinne von interessanter Geschichte ergibt.
      Spieler und Gegenspieler bilden für mich ein Wechselspiel und entsprechen somit für mich den zwei Seiten einer Münze.
      Liebe Grüße, Marie

  7. Liebe Marie,
    das mit dem Mögen ist so eine Sache – für mich ist Mögen eine positive Sache, wenn ich jemanden mag, möchte ich Zeit mit ihm verbringen und solch Zeug.
    Kann ich also einen Antagonisten mögen? Ja, aber das ist äußerst selten. In meiner Lektüre sind die Antagonisten meist klar definiert – Serienmörder o.ä., die abscheuliche Dinge tun.
    Du schreibst in deinem Kommetar bei mir, dass es dir darauf ankommt, ob ein Charakter authentisch und lebendig ist, dass du ihn magst. Seh ich in meiner Lektüre nicht so – schließlich war auch Hannibal Lecter authentisch und lebendig dargestellt – deswegen mag ich ihn aber trotzdem nicht.

    Liebe Grüße,
    Linda

    1. Liebe Linda,
      "Mögen" ist natürlich eine positive Sache, jedoch ist es auch eine Definitionsfrage, was man darunter versteht. Ich "mochte" Hannibal Lector nicht wegen seiner Verhaltensweise, aber die Arbeit des Autors an Hannibals Charakter. Die Verhaltensbewertung bzw. die Frage ob ich eine Figur mag, hängt genau von diesem Respekt der Arbeit des Autors ab. Einen anderen Begriff möchte ich in Bezug auf die Figuren einwerfen, den der Wertschätzung einer Figur und das kann ich bei einer Figur wie Hannibal Lector nicht.
      Liebe Grüße, Marie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.