Dietmar Wunder liest Jeffery Deavers “Wahllos”

Voraussichtliche Lesezeit: 4 Minuten.

Jeffrey Deaver höre ich eigentlich immer dann, wenn Jeffrey Deaver gerade ein neues Buch herausgegeben hat, wie aktuell Wahllos. Ich bin ein großer Fan seiner Reihe rund um Lincoln Rhyme und kann auch seinen anderen Büchern durchaus etwas abgewinnen. Insbesondere wenn diese von Dietmar Wunder gelesen werden.
Ganz ähnlich war es auch mit „Wahllos“, ich freute mich, als ich erfuhr, dass ein neuer Thriller rund um Kathryn Dance erschienen ist. Als ich dieses Buch dann jedoch begann, war ich zunächst ein wenig überrascht, denn dieses Hörbuch war erschreckend realistisch, gleichermaßen beängstigend und wie gewohnt zugespitzt. Allerdings war es auch ganz anders als die vorangegangenen Jeffrey Deaver Bücher.

Die Bedrohung war abstrakt. Jeffrey Deaver spielt in diesem Buch mit den Ängsten der Weltbevölkerung. Angst vor Feuer, vor Enge, vor allem möglichen. Damit trifft Jeffrey Deaver eigentlich genau den Kern dessen, was wir uns von einem guten Thriller erwarten und dennoch brauchte ich einen Moment, mich in dieses bemerkenswert realistische Hörbuch einzuhören. Denn die Bedrohungslage war abstrakt und diffus.

Der Inhalt

“Ein Konzert in einem Nachtclub endet in einem Albtraum, als der Feueralarm ausgelöst wird. Bei einer Massenpanik sterben viele Menschen. Dance stößt auf Beweise, die infrage stellen, dass es sich um ein Unglück handelte. Ein Psychopath hat offenbar die Angst der Gäste ausgenutzt, um seine perversen Bedürfnisse zu befriedigen. Dance ist sich sicher, dass er wieder zuschlagen wird …” (Klappentext)

Wahllos: Alles eine Frage des Titels?

Das englische Original ist nach dem Nachtclub “Solitude Creek” benannt, einen Titel, den ich zweifelsohne besser finde als “Wahllos”, denn es geht in dem gesamten Thriller nicht darum, ob man eine Wahl hat. Stattdessen geht es eher darum, ob die Nebenfiguren eine Chance haben aus ihrer Panik zu entkommen. Auch das Cover der Originalversion von Jeffrey Deaver gefällt mir in diesem Fall besser, zeigt es doch ein Herz, auf dem „Fear kills“ steht. Angst tötet und tatsächlich fasst keine andere Aussage dieses Buch besser zusammen. Denn tatsächlich ist der Täter kein aktiver Täter, sondern eher ein Trigger, der durch die Angst seiner Opfer zu seinem Ziel gelangt.

Menschen in Panik reagieren anders, aber vorher bestimmt. Jeder versucht, ohne Rücksicht auf Verluste, seiner Panik zu entkommen. Folgerichtig kann der Täter davon ausgehen, dass eine Massenpanik zu Toten führen kann oder zumindest zu Schwerverletzten.

Jeffrey Deaver schreibt psychologisch

Die Thriller, die Jeffrey Deaver schreibt, sind alle psychologisch fundiert, doch in keinem seiner bisherigen Bücher spielte er diesen Joker so gekonnt aus, wie in diesem Fall. Kurz gesagt ist es ein Thriller, in dem es kaum blutrünstig zugeht, es ist ein verhältnismäßig unbrutaler Thriller, der gleichzeitig kaum brutaler sein kann. Ein Paradoxon? Nein, denn unbrutal ist im körperlichen Sinne brutal psychologischen. Diese beiden Ebenen spielt Deaver gekonnt gegeneinander aus und erzeugt auf diese ganz besondere Art eine ganz andere Spannung, als die meisten anderen Thriller.

Jeffrey Deaver ist ein Meister, wenn es darum geht, einen psychologisch fundierten Thriller zu schreiben, er hat zumeist hochkomplexe Täter und intelligente Ermittler, die sich doch von dem klassischen Ermittler deutlich unterscheiden, denn in den allermeisten Fällen geht es nicht darum einen Täter aktiv zu jagen, sondern ihn soweit zu bringen, dass er sich selbst in eine Sackgasse begibt. Genau dieses Spiel beherrscht der Meister des Thrillers auch in diesem Fall. Letztendlich sind es viele einzelne Puzzleteile, die zusammengesetzt das ganze große und tragische Bild ergeben.

Jeffrey Deavers Figuren sind vielschichtig, in ihrer speziellen Art und Weise keinesfalls nur gut oder nur böse, sondern immer eine gesunde Mischung aus beidem, sodass man sie zumeist nicht vorhersehen kann. Genau das ist es, was mich an einem Jeffrey Deaver Thriller jedes Mal aufs Neue fesselt. Natürlich verstärkt sich dieser Effekt noch durch einen Sprecher wie Dietmar Wunder.

Der Sprecher Dietmar Wunder

“Dietmar Wunder leiht seit Jahren Hollywoodstars wie Adam Sandler, Cuba Gooding Jr. und Daniel Craig seine Stimme. Außerdem ist er als Synchronregisseur und -autor tätig und ein sehr gefragter Hörbuchsprecher.”

Ich persönlich mag die Stimme von Dietmar Wunder gerade im Thrillerbereich sehr gerne, denn seine stimmliche Verkörperung der Charaktere ist zumeist nicht nur sehr treffen, sondern richtiggehend mitreißend. Er erweckt die Charaktere ,während er liest, zum Leben. Natürlich ist mir klar, dass die Charaktere-Bildung zumeist durch die Autoren geschieht, doch als Sprecher hat er die Fähigkeit, die Besonderheiten jedes einzelnen zu unterstreichen. So wird jeder einzelne Charakter jede einzelne Figur und ist sie noch so unwichtig lebendig und real.

Fazit

Ein Thriller, der sich deutlich von den vorangegangenen unterscheidet und ihnen doch sehr ähnlich ist. Mit seinem neuesten Werk zeigt Deaver, wie schnell Terrorismus psychologisch werden kann, um die einfaches scheinbar ist, mit den Ängsten jedes einzelnen Menschen zu spielen. Alles in allem wieder eine grandiose Leistung, die im Hörbuch noch durch die wunderbare Stimme Dietmar Wunders unterstrichen wird.

Summary
Review Date
Reviewed Item
Wahllos
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51star1star1star1star1star

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