Der Fernsehfilm der Woche: „Winterherz – Tod in einer kalten Nacht“

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Maxim (Franz Pätzold, l.) und Sylvie (Laura de Boer, r.) setzen Finn (Jeremias Meyer, M.) nach dem Autounfall an der Bushaltestelle ab. (c)ZDF/Barbara Bauriedl

Der Fernsehfilm der Woche „Winterherz – Tod in einer kalten Nacht“ ließ mich zunächst an einen Krimi denken, als ich die Vorankündigung sah. Doch der Film, der heute um 20:15 Uhr bei ZDF gezeigt wird, ist genau genommen weniger ein Krimi, denn vielmehr ein Drama und trotzdem erzeugt dieser Film aufgrund seiner Atmosphäre ein eindeutig winterliches Gefühl. Wenn man etwas einfach sagen kann, dann, dass dieser Film im Winter spielt.

Fragt man sich zudem, ob dieses Drama denn gänzlich ohne Spannung auskommt, so kann ich sagen, dass mich „Winterherz – Tod in einer kalten Nacht“ insbesondere in seiner komplexen Mischung aus Anspruch, Spannung und Emotion anspricht.

Worum geht’s bei „Winterherz – Tod in einer kalten Nacht“?

Nach einem Disco-Besuch wird der 17-jährige Finn von dem angehenden Richter Maxim Vollert angefahren. Er lässt den scheinbar Unverletzten zurück. Der Junge aber hat innere Verletzungen und stirbt.

Finns Bruder Mike macht sich schwere Vorwürfe, dass er den betrunkenen Finn alleine nach Hause hat gehen lassen. An Finns Grab trifft er Sylvie Vollert, die in der Unglücksnacht neben ihrem Mann im Wagen saß. Zwischen den beiden entsteht eine leidenschaftliche Beziehung.

Sehr bald ahnt Mike, dass Sylvie am Tod seines Bruders beteiligt war. Mike erzählt seinen Eltern von dem sich erhärtenden Verdacht gegen die Vollerts. Als seine Mutter auch noch von der Liaison zwischen Mike und Sylvie erfährt, bricht für sie eine Welt zusammen.

Sylvie beichtet Mike die Wahrheit und will aus Liebe zu ihm ihren Mann verlassen. Sie ist aber nicht bereit, gegen Maxim vor Gericht auszusagen, um seine Karriere nicht zu gefährden und sich selbst vor strafrechtlichen Konsequenzen zu schützen. Mike, mit dem Unglück seiner Eltern konfrontiert und von seinem eigenen Gewissen getrieben, will für Gerechtigkeit sorgen.

Das Thema Schuld

„Schuld ist eines der großen Menschenthemen. Es ist für mich kein Zufall, dass die Sprache das Wort „Schuld“ sowohl im finanziellen als auch im seelischen Kontext verwendet. Letztlich geht es um einen Handel. Wenn, wie in „Winterherz – Tod in einer kalten Nacht“, der Richter auf Probe unbedingt seine ungestörte Karriere haben will, ist er bereit, sich schuldig zu machen, und zwar wegen Fahrerflucht und Körperverletzung mit Todesfolge. Aber vielleicht sind auch schon die Eltern mit schuld, weil sie beim gemeinsamen Abendessen unbedingt mit Alkohol die Stimmung heben wollten.

Und vielleicht verschuldet sich auch Mike, die Hauptfigur, in dem Moment, wo er sein sexuelles Abenteuer genießen will und den Anruf des kleinen Bruders, für den er die Verantwortung übernommen hat, nicht annimmt. All diese Dinge – Karrieresucht, Alkoholkonsum, Begierde – wären für gewöhnlich eher unbeachtete Lappalien, würden sie nicht vom tragischen Unglück gespiegelt.

Der Unfall ist wie eine Lupe, unter der plötzlich alle Facetten der Schuld sichtbar werden. Und darin können wir auch die Allgemeingültigkeit des Stoffes erkennen: Wir leben mit unglaublich vielen Unterlassungssünden, Unkorrektheiten, dem ein oder anderen Bequemlichkeitsschwindel.

Solange wir damit durchkommen, kräht kein Hahn danach. Erst im Moment der Katastrophe wird der Schrei nach dem Schuldigen laut. Das hat etwas schrecklich Unmoralisches. Wenn dann niemand zu den Konsequenzen stehen will, nimmt die Tragödie ihren Lauf“, erzählt Johannes Fabrick im Interview mit dem ZDF.

Für uns als Zuschauer ist dieses Thema bestimmt kein leichtes Thema, aber eines, das tatsächlich in vielen Verbindungen innerhalb der Literatur und des Films auftritt. Mir persönlich fällt es daher nicht leicht, Euch „Winterherz – Tod in einer kalten Nacht“ tatsächlich als das heutige Abendprogramm zu empfehlen und doch dürfte dieser TV-Film wohl das komplexeste Abendprogramm sein, dass ich Euch heute anbieten kann.

Dieser Film ist sicherlich alles andere als einfach und sicherlich auch das genaue Gegenteil von dem, was ich Euch sonst an dieser Stelle näher bringe, aber gleichzeitig dürfte dieser Film mit seiner Tiefe zum Nachdenken anregen.

So weißt dieser Film auch darauf hin, unterschiedlich der Umgang mit dem Thema Schuld sein kann. Auch hierzu hat sich der Regisseur Johannes Fabrick geäußert: „Die Menschen mit dem unter Anführungszeichen „reinsten Herzen“ haben das schlechteste Gewissen und empfinden die größten Schuldgefühle. Sie sind nicht abgebrüht.

Deshalb leiden sie am meisten unter dem Fehler. Sie spüren das im anderen, sie spüren auch die Sehnsucht nach Erlösung, und eine leidenschaftlich sexuelle Beziehung war zu allen Zeiten eine Möglichkeit für die Menschen, ihre Skrupel wenigstens kurzzeitig zum Schweigen zu bringen. Verzweiflung, Leidenschaft und Erotik sind guter Treibstoff für die Begierde.“

Wie geht eigentlich Gerechtigkeit?

„Ein Unglück, durch das das Gefüge einer Familie zertrümmert wird, wie bei einem Erdbeben. Wie umgehen mit dem plötzlichen Tod eines geliebten Menschen? Wie umgehen mit der Erkenntnis, dass auf Schuld nicht unbedingt Sühne folgt, dass Täter, die ein Leben ausgelöscht haben, das ihrige unbehelligt weiterführen können und die Opfer hilflos zurückbleiben?

„Winterherz – Tod in einer kalten Nacht“ erzählt von der verzweifelten Suche nach Gerechtigkeit und der Hoffnung, durch die Liebe von der Einsamkeit der Schuld erlöst werden zu können.“

Allein dieses Statement von Susanne Schneider, der Autorin dieses Films, wirft die Frage auf, wie Gerechtigkeit eigentlich funktionieren kann und was Gerechtigkeit ist. Recht und Gerechtigkeit sind dabei zwar stets ähnlich lautend und doch sind sie nicht immer identisch. Nicht immer bedeutet das, was Recht ist auch, dass allen Beteiligten auch Gerechtigkeit widerfährt.

Auf mich persönlich macht der Film den Eindruck, als ginge es darum aufzuzeigen, wie sehr manche Darstellungen auch von dem Gefühl der Gerechtigkeit abweichen können. Aus diesem Grund sollte man stets bedenken, dass jede einzelne Geschichte mehr als nur eine Perspektive braucht, um tatsächlich in vollem Umfang betrachtet worden zu sein.

Auch dieses macht mit Sicherheit den Reiz dieses Films aus, denn wir als Zuschauer erleben mit, wie die einzelnen Betroffenen mit der Situation und mit dem Tod einer Person durch das Verschulden einer anderen umgehen können und müssen.

Zwei Seiten einer Perspektive

Am eindrucksvollsten sieht man die Vielschichtigkeit wurde in der Figur des Mike. Der Schauspieler Anton Spieker hat sich gegenüber dem ZDF über seine Rolle geäußert: „Mike ist eine krasse Figur, weil er sich zwischen Trauer und Schuld bewegt und neben dem eigenen Schmerz die ganze Zeit am Taktieren ist, was er wem erzählt und mit welchen Methoden er an welche Informationen kommen kann.

Dann kommen auch noch fast absurde Gefühle für die Frau dazu, die er für mitverantwortlich für den Tod seines Bruders hält; da ist Kontrollverlust vorprogrammiert. Eine überforderte Figur wie Mike zu spielen, ist immer cool, weil alles passieren kann.“

Erwartungen an den Fernsehfilm der Woche „Winterherz – Tod in einer kalten Nacht“

Auch wenn ich eigentlich schon recht deutlich gesagt habe, dass ich bei diesem Film einen nachdenklichen Film erwarte oder eher gesagt eine Geschichte, die mich nachdenklich macht, möchte ich Euch an dieser Stelle noch einmal deutlich sagen, dass ich neben dem, was ich als gute Unterhaltung bezeichnen würde, hier auch eine gewisse Tiefe und eine gewisse Provokation erwarte.

Dieser Film zwingt mich als Zuschauer dazu, selbst die eine oder die andere Position zu ergreifen oder auch möglicherweise zwischen ihnen hin und her zu wechseln. Kann ich mich tatsächlich in die eine oder in die andere hinein versetzt? Würde ich womöglich ähnlich handeln?

All diese Fragen wirft der Film in seinem Verlauf sicherlich auf und keiner von uns kann sagen, wie er in einer vergleichbaren Situation handeln würde, dennoch behaupte ich hier und jetzt, dass es nach meiner Meinung nach sinnvoll ist sich mit genau diesen Fragen einmal kritisch beschäftigen. Somit dient der Film vermutlich nicht nur der guten Unterhaltung, sondern hat ebenfalls einen hohen Anspruch an sich selbst, aber auch an die Zuschauer, die diesen Film sehen.

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