„Demokratie aushalten!“ von Karoline M. Preisler

“Demokratie aushalten!” von Karoline M. Preisler
Sharing is Caring! Hilf mit, diesen Beitrag bekannt zu machen!

„Demokratie aushalten! Über das Streiten in der Empörungsgesellschaft“ von Karoline M. Preisler ist ein Buch über die gesellschaftlichen Veränderungen, die sich durch die Pandemie festigten.

Dass ich nie ein Buch über Corona lesen wollte, musste ich bei diesem Buch zunächst überdenken. Wollte ich wirklich ein Buch über die Pandemie lesen? Eigentlich haben wir doch alle genug mit den Veränderungen im Alltag zu tun. Das Thema Demokratie erschien mir allerdings zu wesentlich, um darauf zu verzichten.

Demokratie aushalten: Meinungsaustausch erleben

Schon in der Schule lernen wir, was Demokratie bedeutet, nämlich dass das Volk regiert. Wir als Volk besitzen ein Wahlrecht, von dem wir erst kürzlich Gebrauch machen konnten. Aber Demokratie bedeutet noch mehr, Demokratie bedeutet, dass jeder das tun und lassen kann, was er möchte, solange er die Rechte anderer nicht durch das eigene Handeln beschneidet.

Deshalb ist Demokratie aushalten keinesfalls einfach. Genau genommen erleben wir Demokratie tagtäglich. Zum einen im Meinungsaustausch mit anderen, denn jeder der heute in der Bundesrepublik Deutschland lebt, hat das Recht, seine Meinung zu äußern.

Ob das immer so gut und richtig ist, ist eine ganz andere Frage, aber es ist wichtig, die Kultur der Meinungsfreiheit zu erhalten.

Ein Teil der deutschen Bevölkerung hat erlebt, wie es ist, wenn man in seiner Meinungsfreiheit beschnitten wird. So zum Beispiel auch die Autorin Karoline M. Preisler. Als Jugendliche lebte sie, ähnlich wie Angela Merkel, in der DDR.

Unähnlich war jedoch ihr Umgang mit ihrem Recht auf Meinung, wo es Angela Merkel gelang, nicht aufzufallen, wurde Preisler von ihrer Klassenlehrerin bezüglich ihrer Meinungsäußerungen zurechtgewiesen.

Nicht nur die Jugend in der DDR ist eine Parallele im Leben der beiden Frauen. Beiden ist die politische Meinungsfreiheit heute wichtig. Dass die Demokratie das Recht auf freie Meinungsäußerung verleiht, zeigt sich nicht nur bei der Bundestagswahl.

Es zeigt sich auch anhand der ganzen Demonstrationen oder wenn man im Alltag gemeinsam mit Kollegen, Freunden oder Bekannten oder auch in der eigenen Familie eine Entscheidung treffen muss. Meist entscheidet die Mehrheit.

Genau diese Mehrheitsentscheidung ist Demokratie. Durch Demonstrationen oder Mitbestimmung wird Demokratie sichtbar. Stellt sich die Mehrheitsentscheidung allerdings gegen die eigene Meinung, ist das nicht immer ganz einfach. Letztlich muss man jedoch die Demokratie aushalten. Das Volk, also die mal Mehrheit, entscheidet.

Demokratie aushalten: Gut gebrüllt?

Man könnte meinen, dass Demokratie aushalten auch bedeuten würde, dass diejenigen, die am lautesten sind, sich am Ende durchsetzen. Doch genau genommen ist das Gegenteil der Fall, denn wenn in einer Regierung das Volk entscheidet, ist es letztendlich eine Entscheidung der vielen und nicht derjenigen, die am lautesten waren.

Dass Demokratie sehr viel mit Emotionen zu tun hat, sieht man jetzt im Rahmen der Coronakrise noch viel deutlicher, als zu anderen Zeiten. Viele Menschen fühlen sich in ihren Freiheiten beschnitten. Manche können diese zeitlich befristete Situation (gut) aushalten, andere weniger. Die meisten halten sich an Vorgaben, einige wenige provozieren durch Nichtbeachtung.

Um die Demokratie nicht nur aushalten zu müssen, sondern sie tatsächlich mit Leben zu füllen, gilt es mit Menschen in einen Dialog zu treten, sich über die Sache auszutauschen und Emotionen hinten anzustellen. Demokratie aushalten bedeutet aber auch, dass man Meinungen, die in eine komplett entgegengesetzte Richtung ausgerichtet sind, ebenso akzeptieren können muss, wie die eigene.

Miteinander ins Gespräch zu kommen und über die Sache zu diskutieren, kann dabei helfen, sich einander anzunähern. Dass dies gar nicht so einfach ist, macht Karoline M. Preisler in ihrem Buch „Demokratie aushalten! Über das Streiten in der Empörungsgesellschaft“ deutlich. Sie erläutert nämlich in ihrem Sachbuch, den Versuch, mit den Querdenkern ins Gespräch zu kommen.

In der Querdenkerszene gibt es einige wenige Hardliner und andere, die einfach nur mitlaufen. Dass dies gefährlich sein kann, sollten wir nicht nur aus der aktuellen Situation heraus gelernt haben, aber genau aus diesem Grund ist es auch wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Demokratie aushalten: die vielen Gesichter der Demokratie

Wer sich einen Überblick darüber verschaffen will, wie vielfältig sich Demokratie darstellt, muss einen Blick über den Tellerrand hinauswerfen und vielleicht auch ein wenig in die Historie schauen. So sieht man, dass dieWechsel von Barack Obama über Trump, bis hin zu Biden demokratische Wechsel waren, sie auszuhalten war jedoch für die meisten Demokraten nicht allzu leicht.

Auch Regierungen wie in Russland, Ungarn und Polen proklamieren für sich, demokratisch legitimiert zu sein. Schaut man sich die dortigen Systeme aber einmal genauer an, kann man hieran Zweifel haben. Viele Rechte, die mit der Demokratie einhergehen, sind in diesen Ländern nämlich beschnitten.

In anderen Ländern gibt es sogar noch ein wenig mehr Demokratie, denn dort sind die Volksentscheide noch stärker als hier. Mit der parlamentarischen Demokratie sind wir hierzulande aber schon recht gut aufgestellt.

Das Parlament verhindert nämlich im Zweifelsfall Alleingänge der Regierung. Insgesamt erscheint es mir wie auch der Autorin Karoline M. Preisler wichtig, dass man eine Art Streitkultur lernt, denn Demokratie aushalten bedeutet den Austausch von Wissen, Meinung und Emotionen so zu gestalten, dass er ein Abbild der Meinung des Volkes darstellt.

Natürlich ist es wichtig, auch mal Emotionen zu zeigen, wenn diese aber ins Verhältnis zu Meinung und Wissen gesetzt werden, profitieren letztendlich alle, denn zu einem Stillstand wird es nicht kommen, wichtig ist es, die Veränderung mitzugestalten.

Ein Sachbuch, dass die Demokratie zum Leben erweckt

Der Autorin ist es bei diesem Sachbuch gelungen, ihre eigenen Eindrücke über den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft mit wissenschaftlichen Hintergründen über die Demokratie darzustellen. Dieses Buch ist somit mehr ein erzählendes Sachbuch, als ein wissenschaftliches.

Wer Lust hat, sich einmal etwas konkreter mit den Prinzipien der Demokratie zu beschäftigen und zu erfahren, warum genau wir eigentlich kürzlich zur Wahl gegangen sind und welchen Vorteil die Demokratie für uns alle besitzt, sollte definitiv zu diesem Buch greifen. Auch wenn der Titel vielleicht ein wenig stärker polarisiert, als man dies zunächst von einem Sachbuch erwarten würde.

Ein Sachbuch (nicht) nur für Akademiker?

Wer bei diesem Titel zunächst skeptisch ist und wissen möchte, worum es genau geht, hat im Rahmen dieser Rezension schon einiges darüber erfahren, was Demokratie eigentlich genau ausmacht und wie vielschichtig dieses Thema ist.

Nachdem man nun so viel über Demokratie erfahren musste, könnte man sich fragen, an wen sich dieses Buch eigentlich richtet.

Meinem Verständnis nach richtet sich dieses Buch vor allem an all jene Menschen, die die Demokratie aktiv mitgestalten möchten, aber durchaus auch an all jene, die möglicherweise nicht verstehen, warum die Demokratie für unsere Gesellschaft wichtig ist.

Karoline M. Preisler sucht mit ihrem Buch nach Möglichkeiten, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Ob ihr dies gelungen ist, muss wohl jeder Leser für sich selbst entscheiden.

Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich die einzelnen Betrachtungen der Demokratie überaus interessant fand, auch wenn ich durchaus sagen muss, dass ich Demokratie nicht nur als eine Empörungsgesellschaft betrachte.

Wenn man dieses Buch allerdings liest, fällt auf, dass es der Autorin ähnlich geht. Das sich momentan so viele Querdenkende in der Gesellschaft über die Beschneidung der Demokratie und ihrer Freiheiten beklagen, sieht auch sie sehr kritisch und genau deshalb sucht sie nach Wegen, auch mit diesen Menschen in Verbindung zu bleiben.

„Demokratie aushalten! Über das Streiten in der Empörungsgesellschaft“ ist ein Buch, das trotz aller Emotionalität Sachlichkeit in die Diskussion bringt, wie viel Demokratie es eigentlich sein darf. Man merkt deutlich, dass die Autorin selbst eine Verfechterin der Demokratie ist.

Ich muss sagen, dass ich  diesen Aspekt sehr gut finde. Gleichwohl versucht sie, mit Fakten zu argumentieren und weniger auf der emotionalen Ebene.

Über die Autorin Karoline M. Preisler

„Karoline M. Preisler, 1971 in Ost-Berlin geboren, war früh politisch interessiert und geriet schon mit 13 Jahren ins Visier der Staatssicherheit. Die Volljuristin, die heute in Barth (Mecklenburg-Vorpommern) und Berlin lebt, ist seit 2013 Mitglied der FDP und engagiert sich unter anderem für Bildung.“ (Autorenbiografie)

Fazit zu „Demokratie aushalten! Über das Streiten in der Empörungsgesellschaft“ von Karoline M. Preisler

Zu behaupten, dass „Demokratie aushalten! Über das Streiten in der Empörungsgesellschaft“ von Karoline M. Preisler ein Sachbuch sei, das Spaß gemacht hat zu lesen, wäre wohl übertrieben.

Vielmehr müsste man behaupten, dass dieses Sachbuch aufgrund seiner Informationsdichte und seine Empathie für den Leser zu einem Buch werden sollte, dass von allen gelesen werden sollte, die sich in die Demokratie mit einbringen möchten.

Ich behaupte an dieser Stelle nicht, dass dieses Buch das beste ist, der sich bislang über die Demokratie gelesen habe, aber meiner Meinung nach ist ein gutes Buch für all jene, die neugierig sind und mehr darüber erfahren wollen, warum die Demokratie schützenswert ist.

Sharing is Caring! Hilf mit, diesen Beitrag bekannt zu machen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

vielleserin
Die mobile Version verlassen