„Das Gegenteil von Einsamkeit“ von Marina Keegan wird…

Voraussichtliche Lesezeit: 5 Minuten.

… von einigen von euch bereits erwartet, seit vor einigen Wochen die Rezension von Spiegel Online auf meiner Facebook-Seite einlief. Ich selbst war auch nur durch Zufall auf diesen Beitrag aufmerksam geworden, fand aber, dass dieses Buch unbedingt erwähnenswert ist.

Durch die Rezension bei Spiegel online wusste ich auch schon grob, worum es ging. Dennoch muss ich sagen, dass dieses Buch mehr von mir gefordert hat, als ich es zunächst erwartete. Wie also sieht meine Rezension zu einem Buch aus, dessen Autorin ihr Debüt Post mortem gab?

Auch wenn die Hintergründe dieses Buches durchaus tragisch sind, hätte ich nicht geglaubt, dass mich diese Sammlung von Kurzgeschichten und Essays der Autorin so sehr mitnimmt. Marina Keegans Werke strotzen vor Lebensfreude und Ausdruck, von einem brillanten Sprachgefühl und der Lust am Leben und doch ist es angesichts der Tragödie im Hintergrund. Ein Buch, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Denn der Humor und die Lebensfreude stehen in einem absoluten Kontrast zum Hintergrund dieses Buches.

Dass Marina Keegan Absolventin einer berühmten amerikanischen Elite-Uni war, muss ich an dieser Stelle nicht besonders hervorheben. Sie hatte demzufolge einen Schreibstil, der einen höheren Anspruch an seine Leser stellt, das sollte ich vielleicht schon erwähnen.

Ihre Kurzgeschichten ziehen mich als Leser in ihren Bann, ihr Gefühl für Sprache fällt dabei besonders ins Auge. Denn ihr gelingt es Emotionen in Bilder und Bilder in Sprache zu übersetzen. Sie beschreibt Emotionen nicht bloß, sie zeigt sie. Dabei ist sie doch eine junge Frau von 22 Jahren und keine Person um die 50. Ihr Sprachstil entspricht trotz aller Genauigkeit und Komplexität dem Sprachstil einer jungen Frau. Einer jungen Frau, die ihr Leben noch vor sich hatte.

Wenn man sich „Das Gegenteil von Einsamkeit“ zu lesen vornimmt, sollte man es nicht unterschätzen. Denn dieses Buch strotzt vor Erwartungen an ihr zukünftiges Leben und von Rückblicken auf ein Leben, das sie gelebt hat. Ihre Kurzgeschichten sind in der ich-Perspektive geschrieben und doch ist sie selbst nicht die Protagonistin.

Während des Lesens ihrer Erzählungen, ihrer Anekdoten und Geschichten habe ich mich immer wieder gefragt, wie viel dieser Geschichten sie wohl aus ihrem eigenen Leben, das wie man dem Vorwort entnehmen kann selbst voller Lebensfreude und Gemeinschaftssinn bestand, entlehnt hat.
Nein, ich unterstelle an dieser Stelle nicht, dass die Geschichten zum Teil autobiografisch sein könnten. Das ist es nicht, was ich beurteilen kann, da ich die Autorin ja schließlich nicht kannte. Doch könnte man den Eindruck bekommen, dass sie tief mit ihrer Protagonistin mitfühlt, sie selbst eine heimliche Beobachterin ihrer Protagonistin war.

Die Sammlung ihrer Werke ist aus der Sicht einer jungen Frau geschrieben. Einer jungen Frau, maximal 22 Jahre jung, die ihr Leben noch vor sich hatte. Obwohl der sprachliche Stil dem einer 22-jährigen entspricht, die ein großartiges Talent für Sprache und ein Gefühl für ihren Gebrauch hatte, richtet sich dieses Buch nicht an eine Leserschaft in diesem Alter. Ich möchte gar nicht verneinen, dass dieses Buch auch von jüngeren gelesen werden kann, aber eben nicht nur. Dieses Buch ist Ausdruck eines Lebensgefühls, das zu ihrer Generation passt, das aber nicht nur von ihrer Generation verstanden wird.

Wenn man mich nach dem Stil der Autorin fragen würde, so müsste ich passen. Denn in jeder einzelnen ihrer Werke hat sie einen anderen Stil. Den Stil, ihren Stil, scheint es in all diesen Geschichten nicht zu geben. Denn ihren Stil, der so pointiert, so griffig und passend ist, hat sie immer wieder überarbeitet und an ihre Szenen gekonnt angepasst.

Das Geschriebene, wirkt an keiner Stelle lieblos oder einfach aus dem Raum gegriffen. Nicht durchdacht, sondern immer und vor allem, detailgetreu, authentisch und menschlich.

Was man über ihren Stil allerdings sagen kann, ist dass sie es offenbar liebte, mit Sprache zu spielen, dass sie sich als Wort-Akrobatin betätigte und ihre Bilder niemals abgegriffen waren. Ihre Bilder waren passend und griffig für jede Szene einzeln entworfen.

Ich denke, dass man all ihren Werken neben einem großen Talent für Sprache auch ihre Liebe zur Sprache und zum Detail ihrer Sprache anmerkt.
Da ich dieses Buch nicht im Original, sondern in der deutschen Übersetzung gelesen habe, kann ich zum Original Wortlaut nichts sagen und doch kann ich spekulieren, dass es in ihren Werken wenig Kurzformen oder Wortspielereien gab. Auch Lautmalereien wird es bei ihr nicht gegeben haben. Sie wird sich höchst selten der rhetorischen Mittel bedient haben oder wenn doch um sie zu brechen, denn eines wird in ihrem Buch auch in der Übersetzung deutlich. Sprache war für sie mehr als ein Werkzeug, deren Benutzung einfach Alltag war.

(K)ein Fazit

Ich möchte an dieser Stelle kein echtes Fazit ziehen, denn diese Rezension ist mehr als ungewöhnlich und entspricht eigentlich nicht dem, was man als eine Rezension bezeichnen würde, denn ich habe hier wenig über den Inhalt geschrieben, sondern viel eher über die Emotionen, die beim Lesen entstanden sind.

Ich kann auch an dieser Stelle niemandem sagen, dass er oder sie dieses Buch unbedingt lesen muss, aber ich kann festhalten, dass dieses Buch für jeden, der sich traut es zu lesen eine Bereicherung darstellt, ich kann aber auch sagen dass derjenige Taschentücher brauchen wird und ein unvergessliches weil unvergleichbares Leseerlebnis haben wird.

Natürlich könnte ich sagen, so ein gutes Buch habe ich noch nie gelesen, aber es wäre gelogen. Denn es gibt viele Bücher die ähnlich gut sind oder ähnlich schlecht. Fakt ist dieses Buch wird aufgrund seiner Hintergrundgeschichte zu etwas, das man als Leser nicht analysieren möchte, möglicherweise auch nicht interpretieren kann, dass ich aber zu lesen lohnt und dass gelesen werden muss, um zu begreifen, wie Marina Keegan über sich und ihre Generationen und über das Lebensgefühl ihrer Zeit dachte. Sie ist eine junge Frau von vielen ihrer Generation und mit diesem Lebensgefühl und doch ist sie eine von wenigen, die es auf diese Art in Worte fassen kann.

 

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„Das Gegenteil von Einsamkeit“ von Marina Keegan
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