„All about a girl“ von Caitlin Moran ist alles, was man…

… bei einem Buch für Mädchen oder junge Frauen nicht unbedingt erwarten würde. Schon gar nicht, wenn dieses von einer Frau geschrieben wurde. Was klingt, als hätte ich enorm viele Vorurteile und Rollenklischees im Kopf, soll es gar nicht sein. Aber All “About a girl” ist eines: derb. Man könnte meinen, es sei von einem Autoren geschrieben worden und nicht von einer Autorin. So maskulin kommt ihr Schreibstil in einigen Abschnitten rüber.
Genau diese Gegensätzlichkeit des Buches zeigt sich bereits im Cover. Dieses ist nämlich so gestaltet das altrosa und schwarz in einem permanenten Wechselspiel stehen. Genau das ist es nämlich, was “All about a girl” ausmacht. Johanna Morrigan, die Protagonistin dieses ungewöhnlichen Romans, ist nämlich auf der Suche nach sich selbst. Sie, die zu Beginn des Buches gerade 13 Jahre alt ist, sucht geradezu verzweifelt nach ihrer Bestimmung…

Auf der Suche nach der Identität der Johanna Morrigan

Welches Mädchen möchte nicht während der Pubertät eigentlich in einem ganz anderen Körper stecken? Welches Mädchen möchte nicht einmal völlig unerwartete Erfahrungen machen? Wartet es während der Pubertät nicht darauf einen ersten Kuss zu bekommen? Sein erstes Mal zu erleben oder auch nur das Elternhaus hinter sich zu lassen?

Johanna Morrigan steckt genau in dieser Situation. Erschwerend kommt noch ihre Familiensituation dazu. Ihr Vater ist ein verkappter Musiker, der nie seinen Durchbruch erlebt hat. Dieser ausbleibende Erfolg winkt ihm aber von jeder Straßenecke entgegen. Ihre Mutter, in einer postnatalen Depression nach der Geburt der Zwillinge, die sie bis zuletzt für eine Magenverstimmung gehalten hatte. Ihr älterer Bruder Krissi, etwa anderthalb Jahre älter als sie, der sich weitestgehend im Hintergrund der Familie aufhält und einfach so mit läuft. Zuletzt ihr kleiner Bruder, der eigentlich auf Ihre Hilfe angewiesen ist, und der doch so wenig Hilfe bekommt. Und dann sind auch noch die Zwillinge, die sie fast so betreut, als wären es ihre Kinder, weil die Mutter noch nicht einmal in der Lage war, ihren beiden neuen Kindern einen Namen zu geben.

Spielort der Geschichte ist Wolverhampton, eine Sozialsiedlung, in der eigentlich nur Menschenleben denen es so ähnlich geht wie Johannas Familie. Die Morrigans leben von der Sozialhilfe und doch glauben sie, dass irgendwo ein besseres Leben auf sie warten würde, ist würde schon winken.

Johannas Ungeduld und die Suche nach einem besseren Leben

Johanna selbst nimmt die Situation der Familie als belastend war und will helfen, hierzu nutzt sie eines der wenigen Talente, die sie hat. Sie schreibt ein Gedicht über ihre Familie, genauer über ihren Hund Bianca und ihre Familie. Doch als sie diese tatsächlich in einer Vorabend-Sendung präsentieren soll, fällt das unscheinbare etwas übergewichtige Mädchen von einem Fettnäpfchen ins nächste. Sie präsentiert sich in einer Mischung, die eine ganz klar zeigt ihre Unsicherheit.

Am nächsten Tag ist sie das Gespött ihrer Umgebung, alle lachen über das Mädchen das in der Vorabendsendung einen Comic-Helden nachgeahmt hat nur über die eigene Unsicherheit hinweg zu täuschen. Unsicherheit scheint auch einfach im folgenden ein großes Thema von “All about a girl” zu sein, denn wann immer es möglich ist täuscht Johanna über ihre Unsicherheit hinweg, etwas das eigentlich zeigt, dass sie sich selbst noch nicht gefunden hat. Aber sie hat ein Ziel sie möchte ihrer Familie aus der Sozialhilfe herausholen und sich und ihrer Familie ein besseres Leben ermöglichen. Doch welche Möglichkeit hat man als 13-jährige?

Ein neues Alter Ego muss her oder warum Journalisten keine Fans sein dürfen

Johanna ist sich zunächst sehr sicher dass sie mit ihrer alten Identität kaum eine Chance hat, ihrer Familie tatsächlich zu helfen. Sie erschafft sich ein Alter Ego: Dolly Wilde. Wenig später beginnt sie auch damit sich selbst weiterzubilden. Ihr Wunschgebiet: Musik. Ihr Ziel: Musikkritikerin zu werden. Von nun an ist esein ständiges auf und ab, mal hat sie Glück mal hat sie Pech. Bald schon lernt sie das Journalisten eben keine Fans sind. Sie lernt dabei auch niemandem nach dem Mundwerk reden und sich generell immer ein eigenes Urteil erlauben. Verlieben ist da keine gute Idee.

Kritischer Zynismus oder auch was das Leben lebenswert macht

Bald schon schreibt sie nur noch kritische Rezensionen, in flotter, frecher, aber zum Teil auch sehr derber Sprache. Sie trinkt Alkohol, wenn sie muss, raucht, wenn man es von ihr erwartet und sammelt Erfahrungen. Dabei ist sie immer noch auf der Suche nach sich selbst und versucht aus dem was sie am besten gefällt das beste mitzunehmen.

“All about a girl”: Der Stil

Der Stil des Buches ist so eindringlich, dass es schon auffällig ist. Das Motto der Autorin scheint zu sein: Du kannst alles erreichen, wenn du nur willst. Ihren Leser wie auch ihre Protagonistin versetzt sie damit in die Lage einer permanenten Achterbahnfahrt. Kaum hat Johanna oder auch Dolly es geschafft etwas Positives zu erreichen stürzen sich ins nächste Tal gleich darauf wieder aufzustehen, von neuem Anlauf zu nehmen und für das zu kämpfen, was sie liebt, ihre Familie.

Mir persönlich hat der Stil der Autorin aufgrund seiner derben Ausdrucksweise und zum Teil recht heftigen Handlungsverläufe zwar gefallen, allerdings ist es mir auch schwer gefallen dieses Buch auf Dauer als Unterhaltung zu betrachten, denn es war anstrengend. Man konnte sich zwar auf vielen Seiten nur über die naive noch recht unerfahren Johanna wundern, sich über ihre Familie gleichermaßen aufregen wie amüsieren, aber man war irgendwann im Verlauf des Buches doch sehr genervt.

Der Stil des Buches der so wichtig für seinen Verlauf ist, war einerseits so passend wie ich es kaum einem Buch erlebt habe und andererseits so nervig, dass ich das Buch gerne nach jeder zweiten Seite in die Ecke geworfen hätte, es gleichzeitig aber nicht aus der Hand legen wollte.

Dennoch kein Abbruch

Nein, ich habe das Buch nicht abgebrochen, ich habe es zu Ende gelesen und bin darüber auch nicht unerfreut. Dieses Buch zeigt ein Endes nämlich ganz deutlich: dass du auch als Frau ein Leben führen kannst, das autonom ist, du selbst wirst die Regie und es ist egal woher du kommst.

In einem Interview, dass diesem Buch beilag, wurde die Autorin Caitlin Moran gefragt, wie viel von ihr selbst in Johanna stecke. Dies ist eine Frage, die sie einerseits recht interessant am Ende des Buches beantwortet, andererseits denke ich dass insbesondere einige dieser kämpferischen Charakterzüge sich durch die Autorin auf die Protagonistin übertragen haben können.

Mir persönlich ist dabei klar, dass es sich bei „All about a girl“ um eine reine Fiktion handelt, mir persönlich ist aber genauso klar, dass Einflüsse der Autorin in ihrem Buch nicht nur angerissen, sondern ausgelebt wurden.

“I’m a feminist” oder warum das Fazit des Buches nicht unbedingt mit Feminismus zu tun hat

Dieses Buch zeigt ganz klar, dass das Eintreten für seine eigenen Rechte nicht unbedingt etwas damit zu tun haben muss, dass man als Frau Feministin ist. Tatsächlich ging es in diesem Buch darum, als Frau selbstbewusst sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen, ob das nun etwas mit Feminismus zu tun hat oder nicht, möchte ich an dieser Stelle nicht bewerten. Fakt ist: wer dieses Buch in die Hand nimmt, erhält ein Buch, das ihn gleichermaßen fesselt und von sich wegschleudert.

Ich persönlich bin mir nicht sicher, dass ich dieses Buch gelesen hätte, wenn ich es nicht in der Post gehabt hätte (als Überraschungspost, über die ich mich sehr gefreut habe). Ich bin mir aber sicher, das es wert war, dieses Buch zu lesen. Eine Empfehlung für dieses Buch kann ich euch dennoch nur dann geben, wenn ihr euch für Geschichten der weiblichen Identitätssuche interessiert.

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„All about a girl“ von Caitlin Moran
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