“Jeder lügt, so gut er kann” von Gisa Pauly

Voraussichtliche Lesezeit: 6 Minuten.

“Jeder lügt, so gut er kann” von habe ich als Hörbuch gehört und hoffte auf ein Hörabenteuer, das der Reihe “Mamma Carlotta ermittelt” in Nichts nachsteht. Was ich bekam, entsprach in gewisser Weise genau meiner Erwartung und widersprach ihr doch völlig. Bei “Jeder lügt, so gut er kann” ist der Name, Programm. Die Geschichte beginnt damit, das Anna, die eigentlich Annina heißt, sich nach ihrem 60. Geburtstag endlich ihren Traum vom eigenen Hotel in Sienna erfüllen möchte. Als ihre Tochter Hendrikje unerwartet zu Besuch kommt, freut sich Anna zunächst sehr, dass die Tochter sie beim Hotel so unterstützt. Doch bald schon wird klar, Hendrikje hat es vor allem auf Annas Geld abgesehen. Mit Hendrikjes Besuch beginnt auch recht bald das große Chaos. Denn Anna wird Zeugin eines Banküberfalls und das ist nicht ihre erste Verwicklung in kriminelle Aktivitäten.

Eine amüsante Beziehungskomödie mit einem Hauch von Krimi

Annas Tochter ist dabei nicht die Einzige mit gewissen Ambitionen und einem Hang, ihr Leben in Chaos zu stürzen. Auch Anna selbst sorgt dafür, dass es schwierig wird. So macht sie gleich zwei Männern Hoffnungen auf eine Beziehung und verschweigt die kriminellen Machenschaften ihrer Familie. ist es es gelungen, eine wunderbar humorvolle und amüsante Beziehungskomödie mit einem Hauch von Krimi zu erzählen.

Geringes Lokalkolorit?

Bin ich es von Mamma Carlotta gewöhnt, das Gefühl zu haben, ich könnte mit ihr auf Sylt von Ort zu Ort gehen, fehlt mir dieses Gefühl bei “Jeder lügt, so gut er kann” von ein wenig. Zwar beschreibt auch hier, wo sich die Figuren befinden und dennoch vermisse ich bei diesem Buch ein wenig die Atmosphäre und den Detailreichtum, um tatsächlich eine Vorstellung von einer Stadt wie Sienna zu bekommen. Die Geschichte selbst hätte durch kleine raffinierte Details sicher an Ausstrahlung gewonnen. Zwar ist mir bewusst, dass Annina selbst keine Touristin ist und trotzdem hätte ich ihr die eine oder andere turbulente Sightseeingtour gewünscht. Schließlich sollte sie ja auch ihre Gäste entsprechend beraten können, wenn ihre Gäste die Gegend erkunden möchten. Da diese Geschichte der Auftakt der ist, hoffe ich sehr darauf, dass die Reihe mehr Lokalkolorit bekommen wird. Denn auf diese Weise werden auch die diese Romane zum tollen Urlaubsbegleiter.

Starke Charaktere

Annina, genannt Anna, ist nicht zuletzt auf Grund ihres Alters eine ungewöhnliche Protagonistin. Auch ihr familiärer Hintergrund sorgt für viele Möglichkeiten, die Reihe weiterzuführen. Jede einzelne Figur hat ihre persönlichen Eigenheiten, die durch ihre ganz persönliche Biografie und ihr Umfeld geprägt wurden. Anna stammt dabei nämlich aus einer Familie, die  durch falsche Entscheidungen und Freunde auf die schiefe Bahn geriet. Praktisch jeder verbirgt ein dunkles Geheimnis. Anna ahnt, dass nicht alles so ist, wie es den Anschein hat, sodass sie aus ihrer Familie selbst ein Geheimnis macht. Trotz ihrer kriminellen Verwicklungen besitzen all jene Familienmitglieder, die ich als Hörerin kennen lernen durfte, einen überaus charmanten und liebenswerten Kern.

Interessanter Plot

Alles in allem überzeugt mich “Jeder lügt, so gut er kann” vor allem aufgrund seiner vielen Aspekte, die einerseits einen klassischen Krimi beinhalten, andererseits aber auch über die Beziehungsebenen zwischen den Figuren laufen. Auf diese Weise ergibt eine Mischung aus Roman mit dem Gefühl von Dolce Vita, einem Hauch von italienischem Urlaubsgefühl und echte Charakterköpfen, bei denen es immer mal wieder zum großen Knall kommen kann.

Die Geschichte lebt dabei vor allem von ihrem Temperament. Wer glaubt, dass eine 60-jährige Auswanderin aus Deutschland es nicht schafft, mit dem gleichen Engagement eine neuen Umgebung zu erkunden wie eine Mamma Carlotta auf Sylt, der irrt, denn Annina sorgt innerhalb kürzester Zeit dafür, dass sie in der Nachbarschaft bekannt ist. Nun gut, vielleicht nicht in der Form, wie sie es sich gewünscht hätte, aber das Leben wäre ja auch so viel leichter, wenn nicht jeder lügen würde, so gut er könnte.

Kurzweiliger Erzählstil, mit Längen

Insgesamt muss man sagen, dass diese Geschichte einen sehr kurzweiligen Erzählstil hat. Geht man davon aus, dass man es mit der gleichen Autorin wie bei der Mamma-Carlotta-Reihe zu tun hat, erlebt man hier aber eine leichte Abschwächung, denn gerade zu Anfang der Geschichte gibt es ein paar Längen. Man braucht einen Moment, bis man mit den Figuren warm geworden ist. Die Tatsache, das der Hörer gleich zu Beginn relativ viele Leute kennenlernt, macht den Einstieg in Geschichte alles andere als leicht. Dennoch hat man auf Grund der Vielzahl der verschiedenen Personen natürlich gleich das Gefühl, mittendrin zu sein. Auf diese Weise wird der Zuhörer der Geschichte praktisch herzlich empfangen. Dennoch dauert es seine Zeit, bis man so richtig mit der Geschichte warm geworden ist. Nach einem leicht langatmigen oder besser gesagt zähen Einstieg wird die Geschichte dann jedoch sehr flüssig und richtiggehend unterhaltsam.

Über

hängte nach zwanzig Jahren den Lehrerberuf an den Nagel und veröffentlichte 1994 das Buch „Mir langt’s – eine Lehrerin steigt aus“. Seitdem lebt sie als freie Schriftstellerin, Journalistin und Drehbuchautorin in Münster, ihre Ferien verbringt sie am liebsten auf Sylt oder in Italien. Ihre turbulenten Sylt-Krimis um die temperamentvolle Mamma Carlotta erobern regelmäßig die SPIEGEL-Bestsellerliste, genauso wie ihre erfolgreichen Italien-Romane. wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Satirepreis der Stadt Boppard und der Goldenen Kamera des SWR für das Drehbuch „Déjàvu“.”(Piper Verlag)

Über Doris Wolters

“Doris Wolters ist ausgebildete Schauspielerin und arbeitet als Sprecherin für ARTE, für das Schweizer Fernsehen und den SWR. 2012 erhielt sie den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie Beste Interpretin für die Lesung von Zsuzsa Bánks »Die hellen Tage«.”(Amazon)

Doris Wolters hat mit ihrer Art zu lesen, perfekt die Rolle der gutbürgerlichen und im Leben angekommenen Protagonistin Anna gesprochen. Sie hat sie zum Leben erweckt und doch hatte ich irgendwie das Gefühl, dass sie nicht unbedingt in jede Szene der Geschichte passte. Die Art, wie sie Annas Gedanken oder die Erinnerung an ihre Familie gelesen hat, passte irgendwie nicht ganz zu meiner Vorstellung davon, wie Anna es lesen würde, wenn sie selbst eine Stimme hätte und lebendig wäre. Hier hätte ich mir eine etwas frechere Stimme gewünscht. Nicht unbedingt eine Jugendlichere, aber eine, bei der man den Schalk aus der Stimme heraus. Den Schalk hat Anna in der Geschichte durchaus, auch wenn sie diesen in Teilen der Geschichte gut zu verbergen weiß.

Fazit

Hat mir diese Geschichte nun gefallen? Ja, auf jeden Fall, auch wenn sie ganz anders war, als zunächst von mir  erwartet. Ich persönlich bin gespannt, wie es mit Anna, ihrem Hotel aber auch mit ihrer Familie weitergeht, denn dieser Reihenauftakt lässt auf eine Menge Spielraum, wie sich diese Geschichte entwickelt. Zunächst hat man den Eindruck, dass die Geschichte der Mamma-Carlotta-Reihe einfach umgedreht hat: Eine deutsche Protagonistin, die nach Sienna reist und sich dort versucht, eine Existenz aufzubauen. Das hat natürlich eine gewisse Ähnlichkeit. Letztendlich jedoch stellte die Geschichte als etwas ganz anderes heraus. Das macht Spaß und so hoffe ich auf eine gelungene Fortsetzung.

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