“Halbfettzeit: Mein neues Leben ohne Rettungsringe” von Tetje Mierendorf

Voraussichtliche Lesezeit: 7 Minuten.

“Halbfettzeit: Mein neues Leben ohne Rettungsringe” von Tetje Mierendorf ist ein Ratgeber für adipöse und übergewichtige Menschen, die bislang an jeder Ernährungsumstellung und jedem Sportprogramm kläglich gescheitert sind. Tetje Mierendorf geht es nicht darum, eine 14-tägige Diät mit großem Gewichtsverlust durchzuhalten, sondern darum, langfristig etwas zu verändern und sich selbst gut zu tun. Genau genommen geht es ihm dabei keinesfalls darum, eine Diät zu machen. Er selbst hat in den vergangenen Jahren 68 Kilogramm abgenommen (zum Zeitpunkt des Buches), verzichtet weitestgehend auf ungesunde Lebensmittel (wie Süßigkeiten und Fastfood) und treibt regelmäßig Sport.

Abnehmen beginnt im Kopf

Abnehmen ist zu einem großen Teil Kopfsache. Zu dieser Erkenntnis kommt Tetje Mierendorf bereits auf den ersten 20 Seiten seines Buches. Tatsächlich greifen viele adipöse Menschen zu süßen, zuckerhaltigen Lebensmitteln, um ein Gefühl oder eine Handlung zu unterdrücken. Schokoriegel, Gummibärchen oder was auch immer werden so zum besten Freund und Frustbewältiger. Man fühlt sich einfach wohl.

Dass Zucker im Gehirn aber ähnliche Bereiche anspricht, wie Kokain, Nikotin oder Alkohol und somit eine Sucht darstellen kann, würden viele Menschen mit Gewichtsproblemen verneinen. Tatsächlich ist die Kenntnis über die Sucht aber ein Schritt, der nicht unwichtig für den Erfolg des Abnehmens ist.

Weiß man, in welchen Momenten man zu zuckerhaltigen Lebensmitteln greift und Frust essen betreibt, kann man entsprechend nach echten Lösungen suchen. Dann kann laut Mierendorf ein Zuckerentzug folgen.

Versteckter Zucker

Wer einen solchen Schritt macht, sollte sich zuvor mit der eigenen Ernährung beschäftigen. In nahezu allen Fertigprodukten ist Zucker enthalten. Auch das Fast Food, von der nächsten Ecke, enthält Zucker. Aus diesem Grund hilft es, selbst zu kochen und sich wirklich grundlegend mit der eigenen Ernährung zu beschäftigen. Denn auf diese Weise kann man schon eine ganze Menge Zucker und Kalorien einsparen. Das ist insbesondere nach dem Zuckerentzug wichtig, denn auch das eigene Geschmacksempfinden, verändert sich.

Bewegung im Alltag

Der Steinzeitmensch hat sich früher viele Kilometer pro Tag bewegt, um sein eigenes Essen zu sammeln oder zu erlegen. Heute bewegen wir uns sehr viel weniger, fahren mit dem Auto zum Supermarkt und haben unser Wildschwein erlegt, beziehungsweise unsere Nahrung eingekauft. Hierfür müssen wir heutzutage keine Kilometer mehr zurücklegen. Oft genug sind es nur wenige Meter pro Tag.

Viele Tätigkeiten, die der Mensch heutzutage jeden Tag durchführt, sind sitzende Tätigkeiten. Dadurch bewegt man sich also insgesamt weniger. Sport wäre nun ein Mittel der Wahl, doch gerade für die Gelenke von übergewichtigen und adipösen Menschen ist Sport auch eine Belastung.

Tetje Mierendorf hat sich auch diesem Thema sehr konkret angenommen und für sich selbst Möglichkeiten der Bewegung gefunden. Ohne Sport kann man zwar ebenfalls abnehmen, allerdings sehr viel langsamer und weniger energiegeladen. Hat man seinen inneren Schweinehund erst einmal überwunden, bringt der Sport selbst hormonelle Vorteile. Man fühlt sich glücklich und zufrieden, trotz oder gerade wegen des Sport. Dass man dabei aber seine Gelenke auch schonen kann, macht er in seinem Buch ebenfalls deutlich.

Heute läuft Tetje Mierendorf zum Beispiel lieber Strecken zu Fuß, anstatt sie mit dem Auto zu fahren, er nimmt die Treppe statt des Aufzugs und bringt so immer mehr Bewegung in seinen Alltag. Dass er nebenbei auch noch nahezu jeden Morgen 1 Stunde Sport treibt und auch jedem anderen dieses empfiehlt, wird in seinem Buch ebenfalls deutlich.

Bewegung ist im Alltag sehr wichtig und kann außerdem eine gute Alternative für den Stressabbau sein. Ja, in seinem Buch wird auch deutlich, dass man sich möglicherweise auf die Suche nach Unterstützung machen muss, da sich die Effekte nicht von heute auf morgen einstellen, sondern eine gewisse Zeit benötigen und, dass der Körper auch immer wieder Phasen hat, in denen er sich auf die neuen Möglichkeiten einstellen muss.

Alternativlos

Betrachtet man die autobiografischen Szenen aus dem Leben von Tetje Mierendorf konkreter, so fällt auf, dass er zunächst probiert hat, psychologische Hilfe zu bekommen. Eine Idee, die in Deutschland recht schwierig zu bewerkstelligen ist, da adipöse Menschen mindestens ein Jahr auf einen Therapieplatz warten müssen. Die Nachfrage ist einfach zu hoch. Also war er sich selbst der beste Therapeut und hat sich auf die Spuren begeben, was bei ihm Auslöser von Frustessen sind. Wie bereits weiter oben erwähnt: Erst nach erfolgreicher Selbsterkenntnis konnte er, der zuvor an vielen Abnahmevorsätzen scheiterte, sein Gewicht deutlich reduzieren.

Auch mit den heute recht bekannten operativen Therapieansätzen hat er sich befasst, macht jedoch auch deutlich, dass er ganz ohne Operation und alleine mit der Erkenntnis, dass er etwas ändern muss und dieses auch durchgehalten hat, mehr abgenommen hat als, durch jede mögliche und empfohlene OP. Vielmehr ist die OP nicht nur eine Kleinigkeit, sie stellt das ganze Leben auf den Kopf und entzieht einem alternativlos seine Frustbewältigungsstrategie. Mierendorf selbst hat sich sehr genau mit dem Thema beschäftigt, Studien gefunden, die darlegen, welche negativen Seiten eine solche OP haben kann und sich schließlich für einen anderen Weg entschieden. Für ihn selbst ist diese Variante sicherlich die beste. Er sagt aber in seinem Buch auch, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss und für sich selbst die richtige Form, um ein gesundes Leben führen zu können.

Kampf um ein langes Leben

Bei ihm war die Gewichtsreduktion tatsächlich ein Kampf um ein langes Leben, denn bei ihm wurde im Alter von nur 33 Jahren Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert. Eine Diagnose die zunächst einmal verharmlost wurde, die sich mit Medikamenten scheinbar gut behandeln lässt, deren Kosten die Krankenkasse trägt. Die langfristig aber eben doch zu Sekundärerkrankungen führen kann und wird. Aus diesem Grund sagt Tetje Mierendorf, dessen Lebenserwartung bei einem Test auf 44 festgelegt wurde auch, dass die Gewichtsreduktion in Verbindung mit der gesünderen Ernährung und dem Sport auch sein Leben verlängert hat. Seinen Diabetes hat er mittlerweile so gut im Griff, dass er auf Medikation verzichten kann.

Bemerkenswerte szenische Autobiografie

Das Buch von Tetje Mierendorf ist eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und gleichzeitig so etwas wie eine szenische Autobiografie, denn er selbst trägt in diesem Buch alles zusammen, was bei ihm zu Übergewicht führte und gibt dem Leser einen intimen Einblick, was man ändern könnte. Gleichzeitig ist dieses Buch kein Ratgeber im klassischen Sinne, denn Tetje Mierendorf sagt nicht, wie jeder einzelne sein Gewicht reduzieren kann, sondern zeigt, wie man seinen eigenen Weg findet.

Ein Buch nicht nur zur Gewichtsreduktion

Wer sich dieses Buch vornimmt, der plant vielleicht das Gewicht deutlich zu reduzieren, und doch richtet sich dieses Buch keinesfalls ausschließlich an jene, die ein solches Vorhaben umsetzen wollen. Dieses Buch kann auch für Menschen eine Hilfe sein, die auf Nikotin verzichten wollen, den Alkoholkonsum reduzieren oder ein ähnliches Verhalten kritisch hinterfragen wollen. Dieses Buch beschäftigt sich nämlich im weitesten Sinne keinesfalls mit der Gewichtsreduktion, sondern eher mit Abwärtsspiralen und Teufelskreisen, die man nur oder am besten selbst durchbrechen kann.

Über Tetje Mierendorf

“Tetje Mierendorf, 1972 als Sohn einer Handwerker-Familie geboren, merkte schnell, dass der »goldene Boden« für ihn woanders verlegt sein muss. Er begann, Gesangs- und Schauspielunterricht zu nehmen, bis sein Weg ihn nach dem Abitur und einer Banklehre schließlich zum Musical führte, wo er bis heute immer wieder Auftritte hat. 2004 erlangte er große Bekanntheit als »Mein großer, dicker, peinlicher Verlobter« im Fernsehen, es folgten zahlreiche Serien, Shows und Filme, in denen er mitspielte. Seit einigen Jahren arbeitet er als Sprecher und Moderator und ist als Speaker zu den Themen Verantwortung, Zielsetzung und Selbstbestimmung im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs. Er lebt mit seiner Frau und seiner Tochter Emma in Hamburg.”(Gütersloher Verlag)

Über die Zielgruppe

Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Buch gerade jetzt zu Jahresbeginn viele Menschen anspricht, die immer wieder an einer Diät gescheitert sind. Meiner Meinung nach löst dieses Buch jedoch nicht nur Probleme des eigenen Gewichts, sondern auch jene des geringen Selbstwertgefühls. Die Zielgruppe müsste also jeder sein, der Stress, Ärger oder anderweitige Gefühle mit Frustessen kompensiert. Der Begriff des Frustessens kann dabei jedoch auch durch eine andere Handlung ersetzt werden, denn letztendlich geht es darum, das eigene Suchtverhalten zu erkennen und anzugehen.

Wer sich immer nach dem eigenen Suchtverhalten richtet, sein Leben danach ausrichtet, der verliert auf lange Sicht vielleicht nicht unbedingt seine Zufriedenheit, aber ein authentisches Handeln sieht auch anders aus. Mit den Strategien, die Tetje Mierendorf in diesem Buch vorstellt, kann jeder Leser der Zielgruppelangfristig wieder ein authentisches und selbstbestimmtes Leben führen.

Fazit

Dieses Buch ist für all jene, die sich jetzt zu Jahresbeginn Vorsätze vorgenommen haben, die etwas mit einer Reduktion zu tun haben. Dabei ist es eigentlich egal, ob es um eine Gewichtsreduktion geht oder, um den Plan, mit dem Rauchen aufzuhören. Dieser Ratgeber ist dabei kein klassischer Ratgeber, sondern eher ein Buch, das einem aufzeigt, dass jemand anderes es schon vor einem geschafft hat. Es gibt jedem einzelnen Leser an die Hand, welche Schritte man in Erwägung ziehen kann, um etwas an seinem derzeitigen Leben zu ändern.

Da ich selbst nicht zur Zielgruppe gehöre, weiß ich nicht, inwieweit es tatsächlich jedem Leser helfen kann, glaube jedoch tatsächlich, dass eine Änderung des eigenen Verhaltens grundlegend ist, um bestimmte Probleme zu lösen und seine eigenen Vorhaben zu erreichen. Dieses Buch ist also auf alle Fälle einen Blick wert.

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Tetje Mierendorf: Halbfettzeit: Mein neues Leben ohne Rettungsringe
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