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1 Eselsohr: Was tun gegen Knicke in Büchern?

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Knicke in den Seiten von Büchern, liebevoll auch Eselsohren genannt, kennen wir Leseratten insbesondere von unseren Lieblingsbüchern. Irgendwann sehen sie einfach so aus als wären sie schon einmal gelesen und das im schlimmsten Fall nicht nur einmal sondern gleich mehrfach. Vielen gelesenen Büchern sieht man ihr Alter an. Sogenannte Eselsohren entstehen. Doch was steckt eigentlich dahinter und gibt es eine Geschichte der Eselsohren?

Warum heißen die Eselsohren Eselsohren?

An dieser Stelle könnte ich nun sagen, dass die Eselsohren einfach eine gewisse Ähnlichkeit mit ihren tierischen Vorbildern haben, aber ich vermute, dass tatsächlich eine Geschichte hinter der Bezeichnung Eselsohren gibt.

Hinsichtlich seiner ursprünglichen Wortbedeutung stammt das Wort Eselsohren, welches Knicke in Büchern beschreibt, tatsächlich aus dem 17. Jahrhundert. Damals hatte das Buch erstmals die Gesellschaft erreicht und stand nicht länger nur den reichen und gebildeten Bürgern zur Verfügung. Als die breite Masse der Menschen dann in den Büchern die ersten Knicke fanden, stellten sie eine gewisse Ähnlichkeit mit Eselsohren fest. Genau genommen verglich man an dieser Stelle das herabhängende Ohr eines Esels mit dem Knick in einer Buchseite. Die Übertragungsweise war durchaus freundlich gemeint, ja fast herzlich, denn diese war als Nutztiere äußerst beliebte Haustiere, die zum Transport oder zur schweren Arbeit eingesetzt wurden.

Gehen wir heutzutage aufmerksam mit unseren Haustieren um und betrachten Sie schon als ein Familienmitglied, mussten Haustiere zu jener Zeit auch noch funktional sein. So hielt man im 17. Jahrhundert Hühner, um Eier zu haben, Ziegen und Kühe brachten Milch und Fleisch, Schafe darüber hinaus auch noch Wolle, aus der man Garn spinnen konnte und das man später zu Tuch weben konnte. Der Esel galt zu jener Zeit als Lastentier. Er konnte mit Gütern beladen werden und war meist ein Begleittier, wenn man lange Wege zurücklegen wollte. Im Vergleich zum Pferd galt der Esel als kostengünstig, aber häufig auch als störrisch.

Schon im 16. Jahrhundert musste der Esel für einen anderen Vergleich herhalten: denn auch die sogenannte Eselsbrücke stammt seinem Ursprung nach vom Esel ab. Hier wurden aber nicht die niedlichen Ohren des Tieres zum Vorbild genommen, sondern eher darauf, dass der Esel auch als Sinnbild für Torheit und Störrischkeit. Die Eselbrücke hilft nun also dabei die vermeintliche Torheit im Sinne von Dummheit zu überwinden.

Auch wenn die tierischen Eselsohren zugegebenermaßen ihren Reiz haben, schätzen wir sie in den Büchern immer noch nicht unbedingt. Dennoch sind sie für uns als Vielleser natürlich in gewissen Situationen nicht unbedingt so leicht zu vermeiden. Manchmal legen wir ein Buch einfach mit der Rückseite nach oben auf unserem Leseplatz ab. Dann hat man beim Wiederaufnehmen des Buches einige Zeit später vielleicht nicht aufgepasst und schon ist eine Seite oben oder unten umgeknickt.

Hilfreich ist hier auf jeden Fall ein Lesezeichen, dass man einfach zwischen die Seiten legen kann. Dabei kann eigentlich alles verwendet werden, vom einfachen Notizzettel, bis hin zum aufwendig gestalteten Lesezeichen aus Metall. Die Aufmachung eines Lesezeichens ist eigentlich nebensächlich.

Primär muss es darum gehen, dass man das Lesezeichen auch dann wiederfindet, wenn man das Buch zugeschlagen hat. Ob man nun ein noch nicht gebrauchtes Taschentuch verwendet, den Kassenbon, den man seit neuestem in den Bäckereien bekommt, oder tatsächlich etwas, das in Form und Optik einem Lesezeichen entspricht, ist dabei wirklich egal, solange es keine Abdrücke im Buch hinterlässt und man es leicht wieder aufgespürt kann.

„Es ist selten ein Buch ohne Eselsohr“, sagte schon der Augustiner-Mönch Abraham a Sancta Clara. Als kaiserlicher Prediger hielt er im 17. Jahrhundert in Augsburg, Graz und Wien als volkstümliche und drastische Predigten, die durch Witze und Wortspiele belebt waren. Es muss davon ausgegangen werden, dass er zu seinen Lebzeiten selbst viel gelesen hat, da er ja selbst Predigten verfasste, also mit Texten arbeitete.

Auch der holländische Theologe, Philologe und Humanist Erasmus von Rotterdam sprach bereits Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts vom Eselsohr. So sagte er: „Nicht die haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in den Schränken aufheben, sondern, die sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.“

Dieses Zitat bezieht sich hinsichtlich seiner zeitlichen Einordnung noch auf jene Bücher, die in Handarbeit aufwändig reproduziert wurde. Erasmus von Rotterdam sagt also, dass die Wertschätzung eines Buches mit seiner Verwendung einhergeht und, dass diese Verwendung Spuren hinterlässt. Ein vielgelesenes Buch darf folglich die entsprechenden Spuren aufweisen.

Meiner Meinung nach zeigen diese Zitate, dass die Eselsohren in unserer Kultur eine lange Tradition haben. Sie zeigen aber auch, dass die Erfindung des Lesezeichens längst überfällig war. Doch der Schein trügt, denn in anderen Kulturen gab es mit der Entstehung des Buches, offenbar recht bald auch die ersten Lesezeichen. Man kann also über die Entstehung der Lesezeichen nur spekulieren.

Überliefert ist aber, dass bereits Elisabeth I. ein seidenes Lesebändchen in der Mitte des 16. Jahrhunderts von ihrem Drucker Christopher Barker erhielt. Somit gehe ich davon aus, dass mit dem Aufkommen des Eselsohrs im Sprachgebrauch der Menschen im 17. Jahrhundert auch bereits die präventive Lösung bekannt war. Im 18. Jahrhundert wurden die besagten Lesebändchen dann mit in die Bücher eingebunden, was deren optische Gestaltung und die Ausstattung eines jeden Buches verbesserte.

Auch heute gibt es in manchen Hardcover-Ausgaben Ausstattungen mit Lesebändchen. Im Verhältnis stärker im Buchhandel vertreten, sind jedoch Bücher ohne eine entsprechende Ausstattung. Einerseits ist das natürlich schade, denn ich persönlich mag die klassische Ausstattung mit Lesebändchen sehr. Andererseits sind lose Lesezeichen eine Form den Lesespaß persönlicher und individueller zu gestalten.

Die unterschiedlichen Qualitäten und Materialien bei der Gestaltung eines Lesezeichens weisen dabei auf den Zeitgeist hin, in dem das Buch spielt oder das Lesezeichen verwendet worden ist. Allerdings sagen die Lesezeichen auch viel über ihren Besitzer aus.

Was verrät dein Lesezeichen über dich?

Lesezeichen aus Metall sind beständig und robust. Somit sind sie langlebig. Darüber hinaus besitzen sie selbst zumeist eine eindrucksvolle Geschichte. Sie erzählen von gelebten Leben in Bücherwelten, weil ihre Besitzer die Bücher gelesen haben. Im Vergleich zu Papier sind sie zwar teurer, können dich aber viele Jahre begleiten, wenn du gut auf sie aufpasst und sie umsichtig behandelst. Auch Leder- oder Kunstleder-Lesezeichen können eine gute und langlebige Alternative für dauerhafte Lesezeichen sein.

Auch in der Gestaltung können sich die Lesezeichen natürlich deutlich voneinander unterscheiden und geben hierbei dann auch Auskunft über die Interessen des Lesers oder darüber, welche Dinge ihr oder ihm wichtig sind. So kann ein aufwendig gestaltetes Metalllesezeichen darauf hinweisen, dass seinem Besitzer Nachhaltigkeit ebenso wichtig ist, wie gutes Design. Möglicherweise taucht sie oder er gerne in Fantasywelten ein, oder liebt es zumindest sich häufiger eine Auszeit in der Welt der Bücher zu nehmen.

Die Anschaffung eines hochwertigen Lesezeichens lohnt sich eigentlich nur dann, wenn man wirklich regelmäßig zu einem guten Buch greift. Für Menschen, die möglicherweise nur ein Buch pro Jahr lesen, gibt es schöne kostengünstigere Alternativen oder sogar gratis Lesezeichen, die häufig an der Kasse im Buchhandel ausliegen und auf neue Bücher oder den Handel aufmerksam machen.

Lesezeichen: Werbemittel aus Papier

Neben den hier genannten hochwertigen (Kunst-)Leder- oder Metalllesezeichen hat mittlerweile auch die Werbebranche das Lesezeichen aus beschichtetem oder etwas festerem Papier als eine Chance verstanden, potentielle Leser zu erreichen. Sie drucken beispielsweise Werbung für Bücher in Lesezeichen-Format, die sie den Verlagen und dem Handel dann gegen Entgelt zur Verfügung stellen.

Die Verlage oder Buchhandlungen legen diese Leseempfehlungen dann entweder in die passenden Bücher hinein oder händigen sie dem Kunden kostenlos beim Kauf eines vergleichbaren Buches an der Kasse aus. Dabei zielt diese kostenlose Lesezeichengabe natürlich auf einen neuerlichen Buchkauf ab.
Dies führt dazu, dass wir als Leser und potentieller Buchkäufer innerhalb kürzester Zeit einen großen Vorrat an Lesezeichen erhalten. Manche von diesen Lesezeichen sind dabei reine Werbebotschaften, andere sind optisch schön gestaltet und finden den Weg vom Handel ins Buch.

Und wenn es doch zu einem Eselsohr kam: vorsichtig bei geringer Hitze bügeln

Für den Fall, dass es doch einmal zu einem Eselsohr gekommen ist hilft es, ein dünnes feuchtes Stück Stoff (zum Beispiel ein sauberes Geschirrtuch) über die Buchseite mit dem Eselsohr auszubreiten, nachdem man das Eselsohr wieder zurückgefaltet gefaltet hat. Nun einmal bei geringer Hitze drüber Bügeln, das sollte das Eselsohr beseitigen. Allerdings besteht die Gefahr für Brandflecken.

Also im Zweifelsfall lieber nur vorsichtig entfalten und mit einem Gewicht beschweren. Denn wir wissen ja die Spuren, die unser Lesen hinterlässt, machen das Buch erst richtiggehend liebenswert. Zwar schmälern die möglicherweise seinen wirtschaftlichen Wert, aber gleichzeitig steigenden seinen individual.

Das worauf es ankommt, ist letztendlich auch viel weniger das Aussehen eines Buches, als dessen Inhalt. Aus diesem Grund freue ich mich zwar auch nicht über Eselsohren in Büchern, aber schon darüber, dass man meinen Büchern ansieht, dass sie nicht nur eine schöne Deko im Regal sind, sondern dass sie tatsächlich gelesen wurden. Was gibt es Schöneres als ein Leben mit Büchern.

Abschließen möchte ich noch mit dem Zitat von Cicero: „Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele.“ Dieses Zitat drückt meiner Meinung nach den Wert eines Buches für seinen Leser erst in vollem Umfang aus, denn natürlich macht ein Buch den Raum wärmer, sowohl in Bezug auf die Raumtemperatur, wenn es mehrere Bücher sind, die in den Regalen an der Wand stehen, als auch in Bezug auf Menschlichkeit.

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Marie

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