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“Die Schokoladenvilla – Goldene Zeiten” von Maria Nikolai

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“Die Schokoladenvilla – Goldene Zeiten” von Maria Nikolai ist der zweite Teil der geplanten Trilogie um die Bewohner der Schokoladenvilla. Die Geschichte um Serafina schließt dabei nicht nahtlos an die Ereignisse des Auftaktromans an, sondern spielt 20 Jahre später, im Jahr 1926. Auf diese Weise vermied es die Autorin geschickt, über die Zeit des ersten Weltkriegs schreiben zu müssen. Dennoch wird in diesem Roman deutlich, dass dieser Krieg Spuren hinterlassen hat. Einzelne Figuren sind vom Krieg gezeichnet, andere wollen diesen nur vergessen.

Folgen hatte er auch für die Schokoladenfabrik, denn diese galt zwar im Krieg als kriegswichtig, wurde aber anders geführt. Judith hatte gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Karl die Leitung inne. Dies sorgte dafür, dass die Fabrik wieder einmal mit wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen hat. Somit ist der Fortschritt erst mal verlangsamt. Darüber hinaus fallen immer wieder wichtige Geräte der Fabrik aus…

Ein Wiedersehen mit alten Bekannten

Victor hat nach dem Tod seines Vaters die Vormundschaft für seine Halbschwester Serafina übernommen. Serafina ist zwanzig Jahre alt und eine recht eigenständige Frau mit überaus modernen Ansichten. Sie lebt sich schnell in die Familie ein, nutzt allerdings jede Gelegenheit wieder in ihre alte Heimat Berlin zurückzukehren. Victor und seine Familie befürchten, dass dieser Umstand mit der Trauer um den Vater zu tun hat. Niemand ahnt, dass Serafina versucht ihre Probleme selbst zu lösen und, dass diese nur indirekt mit dem Tod des Vaters zu tun haben. Hilfe bekommt sie von unerwarteter Seite. Doch kann man Lilou tatsächlich trauen?

Judiths Tochter hat sich mit einem Mädchen angefreundet. Es handelt sich hierbei um die Tochter des ehemaligen Hausbediensteten Robert, der mittlerweile fanatisch für seine politische Gesinnung eintritt und die Interessen der KPD über alles stellt. Mit schlimmen Folgen für die gesamte Familie…

Eine Vielzahl  von Erzählsträngen

In “Die Schokoladenvilla – Goldene Zeiten” entwickelt die Maria Nikolai neue Erzählstränge um alte Bekannte und verbindet sie gleichzeitig mit den Entwicklungen des ersten Teils. Somit verbindet sie geschickt die Vergangenheit mit der Gegenwart und schafft so viele neue Möglichkeiten Spannung in die Handlung zu bringen. Auf diese Weise fühlte ich mich als Zuhörerin dieser Geschichte stets gut unterhalten.

In Teilen der Erzählung fühlte ich mich eher in einen historischen Krimi hineinversetzt, sodass diese Geschichte mich fesselte und ich unbedingt erfahren musste, wie es mit Serafina, Victor, der Familie Rothmann und der Schokoladenfabrik weitergeht. Hätte ich dieses Hörbuch nicht gehört, sondern die Geschichte als Buch selbst gelesen, könnte ich nun sagen, es sei ein Pageturner, so bleibt mir zu sagen: “Diese Geschichte macht genau so süchtig wie Schokolade!”

Lebendige und unerwartete Figuren

Dieser Effekt geht nicht nur auf die Handlung selbst zurück, sondern ist möglicherweise auch in der Vielschichtigkeit der Figuren begründet. Jede einzelne Figur hat ihre eigene Geschichte zu erzählen. Dieses geht mit der Ausbildung eines eigenen Charakters einher, der die Handlungen weniger vorhersehrbar, die Handelnden aber überaus lebendig erscheinen lässt, sodass man als Zuhörer dieses Hörbuchs wie auch schon im ersten Teil den Eindruck bekommt, die Abenteuer der Familie Seite an Seite mit ihr mitzuerleben.

Jeder Figur eine eigene Stimme

Mit dieser Herausbildung eigener Charaktere erhält jede einzelne Figur auch dieses Mal wieder eine eigene Stimme. Diese Tatsache ist mir auch beim Auftakt dieser Trilogie positiv aufgefallen. Jede einzelne Figur erhält neben ihrer eigenen Persönlichkeit auch ihre eigene Sprechweise und Intonation. Jeder Einzelne ist über seinen Dialog ebenso gut zu identifizieren, wie über seine Handlung.

All das lässt die Figuren überaus lebendig erscheinen und lässt die Geschichte abermals, die in meiner Rezension zur “Die Schokoladenvilla”erwähnte, Sogwirkung entwickeln. Genau diese Sogwirkung macht es den Lesern und Hörern leicht dieser Geschichte und ihren lebendigen Figuren zu folgen.

Atmosphärisch dicht und nahbar

Habe ich im ersten Band häufig das Gefühl gehabt, die Erlebnisse rund um “Die Schokoladenvilla” mit allen Sinnen zu erleben, setzt sich dieses Gefühl in diesem Band ebenso fort. Dieses Mal ist die sinnliche Wahrnehmung jedoch nicht auf Schokolade begrenzt. Stattdessen fahren wir mit Serafina Auto, spielen mit Anton Piano Forte und flanieren mit einzelnen Figuren durch das kulturelle (Nacht)Leben von Stuttgart und Berlin.

Stilistisch

Auch stilistisch hat die Geschichte einiges zu bieten, denn wie auch schon im ersten Teil orientiert sich die Autorin am Lebensgefühl jener Zeit in der ihr Roman spielt und stimmt ihre Sprache auf diese Zeit ab. Die zwanziger Jahre gelten als “goldene Zeiten”, wonach ja auch dieser Teil des Hörbuchs benannt ist. Das Lebensgefühl dieser Zeit gilt halt als optimistisch und freiheitsliebend.

Diese Mischung, einerseits das Gefühl zu haben, scheinbar alles machen zu können, was das kulturelle Leben so bietet, das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung und andererseits die Erwartung, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann und man mit dem Ersten Weltkrieg ja bereits alles Schlimme erlebt haben muss, steht dabei im krassen Gegensatz zu der politischen Lage jener Zeit, die so konfliktreich und gegensätzlich ist, dass man sie mit dem heutigen Wissen nur als kurz vor dem Siedepunkt betrachten muss und kann. Doch die Gefahren jener Zeit werfen in diesem Roman nur ihre Schatten voraus und spielen eine eher untergeordnete Rolle, dann nämlich, wenn es um den ehemaligen Mitarbeiter der Rothmanns geht.

Stilistisch findet sich diese politische Gegensätzlichkeit ebenfalls in manchen Bereichen wieder, dann steht nämlich Kapitalismus gegen Kommunismus. Heutzutage ist für die meisten von uns selbstverständlich, in einer Zeit des Kapitalismus zu leben und davon auszugehen, dass man Geld benötigt, um ein akzeptables Leben innerhalb der Gesellschaft führen zu können. Damals war das anders. In jener Zeit gab es so etwas wie eine Rente und andere Sozialleistungen des Staates noch nicht beziehungsweise wurden sie erst schrittweise etabliert. Was für uns heute selbstverständlich ist, galt für die damalige Zeit längst nicht als selbstverständlich.

Doch der Autorin Maria Nikolai ging es bei der Darstellung weniger darum, sich mit der politischen Lage zu beschäftigen. Es ging ihr vermutlich vielmehr darum, das Gefühl jener Zeit und die damit verbundenen Emotionen darzustellen. Durch den Ersten Weltkrieg hatten die Frauen erstmals die Gelegenheit, Verantwortung für sich, ihr Leben, ihren Beruf und ihre Familie zu übernehmen. Längst fand das Leben nicht mehr nur in der Küche statt oder in der Kinderbetreuung, sondern auch in einem Unternehmen. Nicht jeder hat dabei die gleichen Voraussetzungen, und schon gar nicht werden sie identisch behandelt wie ihre Männer und doch ist es ein Schritt in eine Selbstständigkeit, die sich auch später nur in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus aussetzen lässt.

Von schillernden Persönlichkeiten und neuen gesellschaftlichen Gruppierungen

Maria Nikolai ist es gelungen, dieses besondere Leben durch schillernde Figuren einer Parallelwelt aufzugreifen und zum Leben zu erwecken. Ja, möglicherweise muss man sagen, dass diese Figuren in Teilen stark überzeichnet sind, wobei gerade diese Überzeichnungen ihre Charakteristika herausarbeiten. In diesem besonderen Hörbuch spielen Revue-Tänzerinnen ebenso eine Rolle, wie gescheiterte Existenzen und genau das zeigt doch irgendwie auch den Gegensatz der beiden Welten. Ich persönlich kann sagen, dass mich dieses Hörbuch sehr fasziniert hat und ich gespannt bin, welche Zeit für den abschließenden Roman dieser Trilogie ausgewählt wird.

Meiner Meinung nach müsste die Geschichte im nächsten Band in den fünfziger Jahren fortgesetzt werden, die noch einmal eine große Zeit für die Frauengeschichte war. Es ist aber auch denkbar, dass dieses Hörbuch, das dritte der Reihe, auf welches ich schon sehnsüchtig warte, gegen Ende der vierziger Jahre fortgesetzt wird und es um den Wiederaufbau geht. Letztendlich waren es nämlich auch in dieser Zeit Frauen, die das Land wieder aufgebaut haben.

Alles in allem muss man also feststellen, dass es einige Möglichkeiten gäbe, diese Geschichte weiter zu erzählen und genau das lässt mich nachdenklich werden. Angekündigt wurde diese Reihe als Trilogie. Mit dem nächsten Band bekommen wir also einen Abschluss. Doch ist dieser Abschluss wirklich ein Ende oder findet sich doch noch einmal eine Möglichkeit, die Geschichte fortzuführen?

Über die Autorin Maria Nikolai

“Maria Nikolai liebt historische Stoffe, zarte Liebesgeschichten und Schokolade. Mit ihrem Debüt »Die Schokoladenvilla« schrieb sie sich in die Herzen ihrer Leserinnen und stand monatelang auf der Bestsellerliste. »Die Schokoladenvilla: Goldene Jahre« ist der zweite Teil der großen Bestsellertrilogie rund um die Stuttgarter Fabrikantenfamilie Rothmann.”(derHörverlag)

Über die Sprecherin Beate Himmelstoß

“Beate Himmelstoß wurde 1957 in Starnberg geboren. Nach dem Abitur studierte sie Philosophie und Theaterwissenschaft in München und machte eine private Schauspielausbildung. Sie ist eine der bekanntesten Stimmen des Bayerischen Rundfunks. Außerdem gestaltete sie mehrere Lyrikprogramme mit Musik und hält regelmäßig Originaltextlesungen philosophischer Texte.
Für den Hörverlag las sie u. a. Agatha Christies Klassiker »16:50 ab Paddington« und »Bertrams Hotel«, »Belgravia« von Julian Fellowes, »Der Zug der Waisen« von Christina Baker Kline sowie »Das rote Adressbuch« von Sofia Lundberg.”(derHörverlag)

Fazit

Meiner Ansicht nach hat sich die Autorin Maria Nikolai mit dieser Fortsetzung im Vergleich zum ersten Band noch einmal gesteigert, was ich kaum für möglich gehalten hätte. Wie auch schon der erste Teil ist dieser zweite Teil authentisch und ja irgendwie auch vertraut. Einige der Figuren kennen wir ja bereits aus dem Auftakt dieser Reihe. Trotzdem finden wir immer noch etwas Neues über all jene alte Bekannte heraus, die es uns so schwer machen, in dieser Reihe zu pausieren. Ich persönlich kann nur sagen, dass ich Euch diese Reihe sehr empfehlen kann, und mich meinerseits schon sehr darauf freue, den dritten Teil hören.

Die Abstimmung der Hörbuchsprecherin Beate Himmelstoß bei dieser Geschichte lässt die Figuren gleich noch einmal schillernder und lebendiger erscheinen, obwohl wir diesen Eindruck vermutlich auch hätten, wenn wir nur den Roman lesen. Ich kann Euch also sagen, mir hat es bisher viel Freude gemacht, der Familie Rothmann durch all ihre Geschichten und Verwicklungen zu folgen.

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Marie

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