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“Die Rache der Weihnachtsgurke” – 1 Adventskrimi von Julia Bruns

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“Die Rache der Weihnachtsgurke” von Julia Bruns ist ein ebenso skurriler wie regionaler Adventskrimi, von dem ich mir neben Spannung auch gleich viele humorvolle Szenen wünschte. Ursache hierfür war das ebenso auffällige wie amüsante Cover. Was ich bekam, war auch tatsächlich genau das Erwartete.

Allerdings waren die Figuren zum Teil auch ein wenig überzeichnet, sodass ich sagen muss, diese Art von Humor muss man mögen. In der Kulisse eines fiktiven Dorfes in Thüringen findet wie jedes Jahr die typischen Dorfweihnacht statt. Es handelt sich hierbei um eine Art Gemeindeprojekt, bei dem jeder seine Aufgabe hat.

“Die Rache der Weihnachtsgurke” von Julia Bruns: Zwei Fälle bedrohen die Dorfweihnacht

Doch in diesem Jahr läuft alles schief. Schon am ersten Tag der traditionsreichen Veranstaltung wird der Pfarrer tot in der Badewanne aufgefunden, gebettet auf Christbaumschmuck und mit einer Weihnachtsgurke im Mund. 

Das wirft natürlich Fragen auf und ruft sogar die Mordkommission der Region auf den Plan. Doch der Blaschke Bürgermeister misstraut der ermittelnden Kommissarin, die selbst zum Dorf gehörte und setzt Nikolaus Adam darauf an, eigene Ermittlungen anzustellen.

Warum er ausgerechnet Adam damit beauftragt, im Fall des Toten zu ermitteln, ist zunächst ein wenig verwirrend, denn er hat eigentlich nur zwei Erklärungen, wobei man eine dritte zunehmen könnte.

Erstens, als Laienschauspieler des Nikolaus bei der Dorfweihnacht muss Adam doch daran interessiert sein, dass diese wie gewohnt traditionell geprägt stattfindet. Dies ist Adam jedoch nicht, vielmehr fühlt er sich in die Enge getrieben und auf dieses Fest keinerlei Bock. Es nervt und doch kann er sich der Aufgabe nicht entziehen.

Zweitens hat Adam laut Bürgermeister Blaschke sein Talent für Recherche ja bereits bewiesen, schließlich arbeitet er als Journalist und ist der einzige im Dorf, der studiert hat, x Semester Germanistik, ohne Abschluss, aber der einzige andere mit Studium wäre der Pfarrer selbst und der ist ja tot. Wer sonst sollte also prädestiniert dafür sein, im Dorf zu ermitteln, wenn nicht Adam?

Drittens bereitet die Kommissarin dem Bürgermeister Kopfzerbrechen, schließlich hat sie das Dorf vor einigen Jahren verlassen um Karriere zu machen. Das und noch einige andere Kleinigkeiten rechnet er immer noch äußerst negativ an.

Aber der Tod des Pfarrers muss schließlich untersucht werden. Kurz darauf verschwindet auch noch die Ehefrau Blaschke, sodass Adam abermals auf den Plan gerufen wird.

“Die Rache der Weihnachtsgurke” von Julia Bruns: Skurrile Typen, die Klischees zuspitzen

Man kann sicher vieles über “Die Rache der Weihnachtsgurke” von Julia Bruns sagen, aber nicht, dass es langweilig würde, denn dieses Buch besteht fast ausschließlich aus skurrilen Typen, die in abgeschwächter Form wohl jeder schon einmal erlebt haben dürfte.

Julia Bruns überspitzt in ihrem Buch allerdings so manche Klischees, die man in dieser Intensität so hoffentlich nur dort erlebt. Alleine durch diese Darstellungen bekommt der Adventskrimi “Die Rache der Weihnachtsgurke” eine ganz eigene und eigenwillige Note.

Mit äußerst fragwürdigen Zuspitzungen entwickelt dieses Buch aber auch einen Humor, den man vielleicht nur dann richtig einschätzen kann, wenn man schon einmal eine Weihnacht auf dem Dorf miterlebt hat.

“Die Rache der Weihnachtsgurke” von Julia Bruns: regionale Klischees treffen auf urbanen Leser

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Früher habe ich gerne regionale Krimis gelesen, denn sie erzählen eine Menge darüber, wie das Leben in den jeweiligen Orten ist. Mittlerweile lese ich jedoch kaum noch regionale Krimis, nicht weil sie mir nicht gefallen würden, sondern weil die Regionalität diesen Büchern eine ganz eigene Identität besitzt, die einen ganz besonderen Charakter entwickelt.

Auf einen Regionalkrimi muss man sich einlassen können. Möglicherweise bieten sich Regionalkrimis also insbesondere für Urlaube in der Region an oder um sich einen solchen Urlaub zurück zu erinnern.

Im Fall von “Die Rache der Weihnachtsgurke“ von Julia Bruns wird dies besonders deutlich, denn seine Dorfweihnacht schon ein sehr gemütliches Event, bei dem jeder jeden zu kennen scheint. Das unterscheidet die Dorfweihnacht auch von der städtischen Weihnacht, denn weil jeder jeden kennt weiß auch scheinbar jeder, wie die Vergangenheit des anderen aussah, was ihn prägt und ausmacht.

Genau diese Charakteristik macht auch dieses Buch aus, denn als Dorfbewohner – oder wieder Blaschke wohl sagen würde Dörfler – fällt es Adam, der in diesem Jahr den Nikolaus geben muss, viel leichter Nachforschungen im Fall des toten Pfarrers anzustellen. Das Dorf hält eben zusammen.

“Die Rache der Weihnachtsgurke“: Charaktere mit individueller Sprache

Persönlich finde ich es gut, wenn jede Figur einer Geschichte ihre ganz eigene Sprachcharakteristik besitzt und somit einen hohen Wiedererkennungswert besitzt und dem Leser die Möglichkeit bietet, sich in der Geschichte irgendwo wiederzufinden.

Dieses ist auch bei diesem Buch wieder sehr gelungen. Das hohe Identifikationspotenzial besitzt dieses Buch trotzdem nur eingeschränkt, denn durch die skurrilen und klischeehaften Figuren möchte sich in diesem Buch wohl niemand wirklich wieder finden.

Einige Charakterteile scheint es aber in nahezu jedem einzelnen Bewohner des kleinen Dorfes zu geben, die man bei sich selbst oder bei Freunden und Bekannten entdecken kann. Möglicherweise nicht in dieser zugespitzten Form, aber doch zumindest temporär oder im kleinen.

Wenn es um Identität geht es auch Sprache besonders wichtig, sodass ich es positiv finde, dass sich Julia Bruns die Mühe gemacht hat, jedem einzelnen Protagonisten dieser Geschichte Charakterteile mitzugeben, die sich unmittelbar auf ihre Sprache auswirken.

So fällt Nikolaus Adam zum Beispiel dadurch auf, dass er besonders gerne über Weihnachten lästert, sich in der Tradition des Dorfes eigentlich nicht wohl fühlt, aber es dennoch niemals verlassen würde.

Ruprecht hingegen liebt Weihnachten und die damit verbundene Dorfweihnacht tut alles dafür, damit sie auch in diesem vermaledeiten Jahr, mit totem Pfarrer und verschwundener Bürgermeister Ehefrau, wieder ein Erfolg wird.

Für den Bürgermeister Blaschke steht die Dorfweihnacht an erster Stelle und nichts und niemand hat das Recht, diese Tradition des Dorfes zu bedrohen. Für ihn ist die Dorfweihnacht so etwas wie ein Prestigeobjekt, das Event, auf das er sich normalerweise das ganze Jahr über freut.

Das in diesem Jahr alles schief zu gehen scheint, zunächst der Pfarrer tot aufgefunden wird und dann auch noch seine Frau verschwindet verunsichert ihn sehr genau diese Verunsicherung machte er in jedem Dialog dadurch deutlich, dass er genervt oder gestresst auf Fragen oder Kritik reagiert. Bürgermeister Blaschke muss mit Vorsicht genossen werden, ansonsten wird er selbst zu einer Gefahr für seine Tradition.

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Über die Autorin Julia Bruns

“Julia Bruns wurde 1975 in Thüringen geboren und studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie an der Universität Jena. Seit 2011 ist sie als freiberufliche Autorin/Ghostwriterin und PR-Beraterin tätig.”(dtv)

Fazit zu “Die Rache der Weihnachtsgurke” von Julia Bruns

“Die Rache der Weihnachtsgurke” von Julia Bruns ist ein Adventskrimi, der tatsächlich viel skurriles besitzt und sehr viele starke Szenen, manchmal aber auch ein wenig langatmig wird, wenn man sich in der Region nicht auskennt. Obwohl Eliasborn ein fiktives Dorf ist, bin ich mir ziemlich sicher, dass es in der Region des Bundeslands Thüringen einige vergleichbare Dörfer gibt.

Meiner Meinung nach ist es der Autorin also gelungen, genau diese dörfliche Atmosphäre aufzugreifen und fiktive Bewohner in ein fiktives Dorf zu befragen kommt umso einen Ort zu schaffen, der ebenso liebenswert erscheint, wie die Weihnachtstraditionen in Dörfern, die tatsächlich im Thüringer Wald liegen.

Dennoch ist “Die Rache der Weihnachtsgurke” von Julia Bruns meiner Meinung nach kein Adventskrimi, der für jeden Leser gleichermaßen geeignet ist. Um dieses Buch lesen zu können, benötigt man eine gewisse Weihnachtsaffinität und es hilft, wenn man selbst schon einmal Urlaub in der Region gemacht hat. Tatsächlich braucht es aber auch noch eine Affinität für skurrile Typen und Traditionen.

Wer als Leser all dieses mitbringt, wird mit diesem Buch seine helle Freude haben, wer aber zum Beispiel keine skurrilen Typen mag, sollte von diesem Buch lieber Abstand nehmen, denn es wimmelt in “Die Rache der Weihnachtsgurke” von Julia Bruns genau von diesen Typen.

“Die Rache der Weihnachtsgurke“ ist übrigens nicht das erste Buch, das ich von Julia Bruns vorstelle. Vielmehr habe ich bereits zwei sommerlich anmutende Krimis von ihr gelesen.”Requiem am Comer See” und “Letzte Klappe am Comer See“ habe ich bereits vorgestellt. Diese Bücher hat sie unter Pseudonym veröffentlicht.

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Marie

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