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“Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals” von Julia Freidank

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“Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals” von Julia Freidank ist ein Roman, der seine Leser in die Welt der Braukunst zum Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts entführt. Zeitlich weist er dabei eine gewisse Parallele zu “Oktoberfest 1900“ von Petra Grill auf.

Tatsächlich spielen die beiden thematisch ähnlichen Bücher beide in München zum Wechsel des Jahrhunderts zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert. Damit hört die Vergleichbarkeit der Geschichte aber auch schon wieder auf, obwohl die beiden Frauen Colina und Antonia auf den ersten Blick einander sogar recht ähnlich sind.

Ich vermute, dass der Hauptunterschied zwischen beiden Geschichten vor allem in der Stimmung und Atmosphäre liegt, die bei diesem Buch er zum zünftigen Zusammensein und Feiern einlädt, denn zu einem Machtspiel mutiert.

“Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals” von Julia Freidank: Die Geschichte

Antonia Pacher ist die Tochter eines bayrischen Hopfenbauers. Die Familie ist weder besonders arm, noch besonders reich. Doch als Antonias Vater stirbt, muss ihre Familie den Hof aufgeben und verkaufen. Auf sich allein gestellt, könnten die Frauen den Hof nicht bewirtschaften.

Als Antonia vom Verkauf des Hofes erfährt, ist sie außer sich. Schließlich ist ihr Vater, das Oberhaupt der Familie gerade erst ein paar Stunden unter der Erde. Kurzerhand beschließt sie ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und wagt den Schritt das Anstellungsangebot am eigenen Hof auszuschlagen und auf eigene Kosten nach München zu ziehen.

Tatsächlich hofft sie bei einem entfernteren Verwandten unterzukommen und schließlich in München einem Job nachzugehen, die ein Einkommen sichern kann. Doch komme München angekommen erfährt sie, dass der entfernte Verwandte verstorben sei, schon vor über einem halben Jahr.

Bevor sich Hoffnungslosigkeit bei Antonia breitmachen kann, fasst sich jedoch neuen Mut, als sie zunächst bei Freunden des Verstorbenen unterkommen. Zunächst verdingt sie sich dann auch als Tagelöhner und lernt auf diese Weise die unterschiedlichsten Menschen kennen.

So lernt sie aber unter anderem auch den Maler Franz von Stuck kennen. Zunächst als Mädchen für einfache Reinigungsarbeiten engagiert, wird sie von ihm als Aktmodell für ein Bild engagiert. Der Job ist gut bezahlt und außerdem zeitlich befristet, denn von Struck sucht lediglich nach einer kurzfristigen Vertretung seiner Muse.

Nach einigem Zögern und Abwägen sagt Antonia zu und lässt sich malen. Bei einer dieser Sitzungen lernt sie Melchior Bruckner kennen, mit dem sie ins Gespräch kommt, während sie von einem Paravent ist. Als Antonias Engagement bei von Struck ihrem Ende zu gehen, bietet er ihr einen Job an.

Seine Mutter ist gerade auf der Suche nach einem Hausmädchen, das auch im Wirtshaus auswirken kann. Von Antonias Job bei von Struck sollte die Mutter allerdings besser nicht erfahren. Antonia sagt zu und tritt wenig später eine langfristige Anstellung im Brucknerschlößl an.

Auf diese Weise lernt Antonia mit Albert Einstein eine weitere reale namenhafte Persönlichkeit kennen. Auch kann sie ihr Wissen über das Brauereiwesen einbringen und beginnt so ein Spiel des Schicksals. Wohin es sie wohl führen wird?

“Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals”: Eine Geschichte über den Zeitgeist

“Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals“ zeichnet sich durch eine Verquickung von real existierenden Persönlichkeiten und fiktiven Figuren aus. Gleichzeitig greift Julia Freidank mit dieser Geschichte den Zeitgeist der damaligen Zeit auf, denn Frauen begannen für ihre Rechte einzutreten. Sie wollten die gleichen Rechte haben wie die Männer.

Mit der gewählten Zeit um 1900 hat Julia Freidank eine Zeit ausgewählt, die in zweierlei Hinsicht spannend ist, denn um 1900 kämpfen die Frauen für die Gleichberechtigung und insbesondere für das Recht zu wählen.

Ziel dieser Frauenbewegungen war es, mehr Selbstbestimmung zu erlangen und genau diese Form der Selbstbestimmung greift auch die Geschichte um “Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals“ irgendwo auf, denn Antonia kämpft ihr Recht auf Selbstbestimmung und für den Aufstieg in eine bessere Gesellschaftsschicht.

Die Tatsache, dass die Autoren immer wieder real existierende Persönlichkeiten in ihrer Geschichte einbindet, lässt sie authentisch erscheinen und unterstreicht in vielerlei Hinsicht, dass dies eine Geschichte ist, die so tatsächlich möglich gewesen wäre.

Ja, bei “Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals“ handelt es sich um eine fiktive Geschichte, die aber reale Ereignisse oder Diskussionen der damaligen Zeit aufgreift und so eine gelungene Mischung aus tatsächlich Gewesenem und der schriftstellerischen Kreativität geschuldeten Fiktion darstellt.

“Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals“: eine atmosphärisch wie emotional dicht gewebte Geschichte

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Atmosphärisch ist diese Geschichte absolut greifbar. Als Leserin hatte ich dabei das Gefühl, stets an der Seite von Antonia die Geschichte mitzuerleben. Zwar lief ich als Leserin nur an ihrer Seite mit, hatte also keine Innenansichten, es sei denn Antonia wies in einem Dialog oder einer Handlung auf eine Emotion hin, und dennoch hatte ich das Gefühl, es wäre wie eine Freundschaft zwischen mir als Leserin und der Figur.

Die Geschichte selbst war nämlich durchaus nahbar und darüber hinaus auch noch sehr emotional. Ich habe nach dem Lesen dieser Geschichte eine konkrete Vorstellung im Kopf, wie ich mir die Brauerei und das Wohnhaus der Familie mit seinem Türmchen vorzustellen habe.

“Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals“: Stilistisches und der Charme der Geschichte

Auch der bayerische Charme kommt in dieser Geschichte keinesfalls zu kurz. Auf charmante Art und Weise bindet Julia Freidank nämlich immer wieder einige Wörter im bayerischen Dialekt ein.

Trotzdem ist die Geschichte keinesfalls schwer zu verstehen, denn zum einen gibt es hinten im Anhang des Buches ein Glossar, in dem man die bayerischen Ausdrücke nachschlagen kann und zu anderen gewöhnt man sich schnell daran, dass jeder einzelne Figur ihre ganz eigene Ausdrucksweise mitbringt.

Selbst muss ich also nicht aus München stammen, um zu verstehen, wie die einzelnen Verbindungen zwischen den Figuren miteinander zusammenhängen. Da jede Figur ihren ganz eigenen sprachlichen Ausdruck mitbringt, ist es sehr leicht, der Geschichte inhaltlich zu folgen.

Mir als Leserin hat es unheimlich Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, sodass ich euch in den nächsten Tagen auch noch zwei Fortsetzungen dieser Reihe vorstellen möchte.

Trotzdem möchte ich euch nicht zu viel verraten, denn ansonsten würde ich euch den Spaß an der Geschichte nehmen. Zum Charme der Geschichte kann ich also nicht unbedingt viel mehr sagen, als dass ich diese Geschichte einerseits als unheimlich warmherzig und mit der typischen bayerischen Gemütlichkeit, andererseits aber auch mit Energie und dem Streben nach Entwicklung erlebt habe.

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“Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals“: Ein Roman mit Entwicklung

“Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals” von Julia Freidank ist ein Roman mit Entwicklung. Diese Entwicklung zeigt sich besonders in der Hauptprotagonistin Antonia, deren sozialer Aufstieg deutlich zu erkennen ist.

Deutlich zu erkennen, ist sie aber auch, wenn man sich die Aspekte der Braukunst einmal anschaut. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nämlich Entwicklungen, die das Brauen revolutioniert haben.

Auch wer sich nicht unbedingt für das Brauen von Bier interessiert, kommt bei “Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals“ auf seine Kosten, denn diese Reihe zeigt außerdem den gesellschaftlichen Wandel. Das Oktoberfest gilt in jener Zeit als ein Fest des Monarchen.

Eine Geschichte vor der malerischen Kulisse Münchens

Tatsächlich handelt es sich bei “Das Brauhaus an der Isar: Spiel der Schicksals“ keinesfalls nur über ein Buch, bei dem es um Biertrinken oder Bier herstellen geht.

Vielmehr nimmt einen die Geschichte auch in die Münchener Kunst- und Kulturszene mit. Dabei spielt es gekonnt mit den Erwartungshaltungen der damaligen Zeit und der Frage, wie viel Körperkultur Frauen gestattet werden darf.

“Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals“: Ein starker Reihenauftakt

Ich freue mich sehr darüber, dass die Geschichte um “Das Brauhaus an der Isar” mit “Spiel des Schicksals” noch nicht beendet ist, sondern gerade erst seinen Anfang nimmt. Denn die spannenden Entwicklungen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinsichtlich gesellschaftlicher Aspekte wie Frauenrechte ihren Anfang nehmen, laden dazu ein Antonia und das Brucknerbräu durch diese Zeit zu begleiten.

Die Brauhaus-Saga, die mit “Spiel des Schicksals” ihren Anfang nimmt umfasst aktuell mit “Im Sturm der Zeit” noch einen weiteren Roman und außerdem mit “Das Mädchen auf der Wiesn” eine Kurzgeschichte, die etwa ein Jahr nach dem ersten Teil spielt.

Über die Autorin Julia Freidank

“Julia Freidank ist das Pseudonym einer vielfach veröffentlichten Autorin von Romanen und Sachbüchern. Als gebürtige Münchnerin hat sie die aufregende Geschichte ihrer Heimatstadt immer schon sehr fasziniert.

Da München ohne das Brauereiwesen nicht zu denken ist, lag es nahe, irgendwann einmal über ein Münchner Brauhaus zu schreiben. Das Ergebnis ist die mehrbändige große Familiensaga «Das Brauhaus an der Isar».”(Rowohlt)

Fazit zu “Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals“

Im Vergleich zu “Oktoberfest 1900“ ist “Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals“ ein Roman, der mich als Leserin mitreißt und sich zudem leicht lesen lässt. Die Geschichte selbst ist überaus zünftig, lässt aber das Thema um Macht, gesellschaftliche Stellung und finanzielle Mittel keinesfalls außen vor.

Gleichzeitig vergisst “Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals” keinesfalls die Seite des zünftigen Oktoberfests, das vom Miteinander und geselligen Austausch lebt.

“Das Brauhaus an der Isar: Spiel des Schicksals” von Julia Freidank ist ein Buch, dass das Oktoberfest mit allem, was dazu gehört, lebendig werden lässt.

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Marie

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